Künstliche Befruchtung – PKV-Versicherte kommen eher zum Wunschkind

Künstliche Befruchtung

In den fünf Jahren von 2000 bis 2014 sind in Deutschland 168.996 Kinder mit medizinischer Hilfe gezeugt worden. Dabei war die Reproduktionsmedizin vor noch gar nicht allzu langer Zeit eher ein Tabuthema. Viele Paare mit Kinderwunsch suchten deshalb Hilfe – wie eine künstliche Befruchtung – im Ausland, und fielen nicht selten auf windige Geschäftsmacher herein.

Wer in Qualitätstarifen der PKV versichert ist, muss sich darum heute keine Gedanken mehr machen. Die privaten Krankenversicherer übernehmen die Kosten grundsätzlich in voller Höhe. Und dies auch bei unverheirateten Paaren. Es spielt auch keine Rolle, ob es bereits Kinder gibt.

Nach eindeutiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH), wonach jedes Paar selbst entscheiden darf, ob es weiteren Nachwuchs wünscht, darf ein privater Krankenversicherer die Leistungen für eine künstliche Schwangerschaft nicht verweigern. Hierfür gelten maßgeblich nur zwei Voraussetzungen:

1) Der privatversicherte Partner muss zeugungs- oder empfängnisunfähig (und damit im Sinne der AVB: „krank“) sein, und

2) die Chance auf eine künstlich herbeigeführte Schwangerschaft muss nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH v. 21.09.2005 – IV ZR 113/04) bei mindestens 15 % liegen.

Der zweite Punkt ist noch in ganz anderer Hinsicht wichtig. Anders als in der GKV, existiert bei der Leistungszusage seitens der PKV nämlich keine starre Altersgrenze, bis zu der eine Frau ihren Kinderwunsch mittels Reproduktionsmedizin verwirklichen darf. Es zählt allein die Erfolgsaussicht. Im Übrigen darf der PKV-Versicherer nicht zwischen einzelnen Behandlungsschritten unterscheiden, also beispielsweise zunächst eine homologe Insemination zur Vorgabe machen.

TIPP:
Eine ungewollte Kinderlosigkeit an sich ist noch kein Grund, Leistungen der PKV in Anspruch nehmen zu dürfen. Für die Zeugungs- oder Empfängnisunfähigkeit muss es eine körperliche Ursache beim privat versicherten Partner geben (Verursacherprinzip). Darüber muss ein ärztlicher Nachweis erbracht werden. Sterilität eines der beiden Partner beispielsweise scheidet als Grund aus.

Was die privaten Krankenversicherer bezahlen

Basis- und Einsteigertarife schließen eine Kostenerstattung für Reproduktionsmedizin in aller Regel aus. Bei allen anderen Tarifen entscheiden die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) über den Umfang der Leistungen. Die Unterschiede zwischen den Versicherern fallen dabei teils ziemlich deutlich aus. Eine Untergrenze lässt sich allerdings branchenweit ziehen: Bestehen genügend Erfolgschancen, werden normalerweise mehr als drei so genannte In-Vitro-Fertilisationen (IVF) oder mehr als drei ICIS-Zyklen bezahlt. Alle laut Tarif gerechtfertigten Kosten werden zu 100 % übernommen, eine Selbstbeteiligung fällt nicht an.

TIPP:
Gegenüber der PKV ist man nicht verpflichtet, gleichzeitig eine mögliche GKV des Partners in Anspruch zu nehmen. Privatversicherte verstoßen damit weder gegen Obliegenheitspflichten, noch gefährden sie ihr Versicherungsverhältnis.

Aufwendungen zur künstlichen Befruchtung sind übrigens nach Nr. 43.1.2 der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zu § 43 Absatz 1 Bundesbeihilfeverordnung (BBhV) bis zu 50 % beihilfefähig. Das Paar muss dafür allerdings verheiratet sein, zudem gibt es Altersbegrenzungen (Frau: 25. bis vollendetes 40. Lebensjahr, Mann: 25. bis vollendetes 50. Lebensjahr).

Warum manche Paare Kinder nicht auf natürlichem Weg bekommen können?

Immer komplexere gesellschaftliche Anforderungen sowie körperlicher und seelischer Stress sind selbst für jüngere Menschen wahre Lustkiller – Ärzte und Psychologen wissen von einer dramatischen Zunahme dieses Problems. Doch warum bleibt der Kinderwunsch vieler Paare aus körperlichen Gründen unerfüllt?

Häufigste Ursachen bei Männern sind die Anzahl, Beweglichkeit oder Überlebensdauer der Spermien, die Form der Samenzellen oder die Menge des Ejakulats. Verursacht sein kann dies beispielsweise durch Medikamente, Alkohol, Drogen, exzessiven Leistungssport, mangelhafte Ernährung, Krankheiten und Infektionen – und sogar durch zu enge Hosen. Mittlerweile leidet rund jeder zehnte deutsche Mann unter mangelhafter Spermienqualität – mit zunehmender Tendenz.

Frauen hingegen vergessen häufig oder wissen schlichtweg nicht, dass sie bei ihrer Geburt über etwa eine halbe Million Eizellen verfügen, die mit den Jahren nicht nur weniger, sondern qualitativ auch schlechter werden. Hinzu kommen Risiken durch die eigene Lebensführung, wie etwa Übergewicht, und Umweltfaktoren. Und last but not least spielen organische Ursachen eine erhebliche Rolle, etwa ein gestörter Hormonhaushalt, ein Eileiterverschluss, Verwachsungen an der Gebärmutter, Entzündungen oder angeborene Fehlbildungen.

Medizinische Hilfe wartet auf vielerlei Wegen

Die jeweilige Methode der künstlichen Befruchtung machen die Ärzte von der Ursache der Kinderlosigkeit abhängig und davon, ob es sich um die Zeugungsunfähigkeit eines Mannes oder um die Unfruchtbarkeit einer Frau handelt. Im Wesentlichen gibt es folgende Möglichkeiten zur künstlichen Befruchtung:

IVF oder In-vitro-Fertilisation:

Eizelle und Sperma werden in einem Reagenzglas zusammengeführt – wie beim menschlichen Zeugungsakt.

ICSI oder Intrazytoplasmatische Spermieninjektion:

Das Sperma wird dabei direkt in die Eizelle gespritzt. Diese – fast hundertprozentig erfolgreiche – Methode wird angewendet, wenn zuvor IVF-Versuche erfolglos waren oder die Spermienqualität nicht ausreicht. ICSI ist die am häufigsten angewandte Reproduktions-Alternative.

Homologe Insemination:

Das Sperma wird im Labor aufbereitet, die gutbeweglichen Samenzellen werden separiert und mit einem Katheter beim Eisprung der Frau in ihre Gebährmutterhöhle eingespritzt.

Heterologe Insemination:

Anonyme Samenspende durch eine dritte Person.

GIFT oder Intratubarer Gamententransfer:

Maximal drei Eizellen werden außerhalb des Körpers mit rund 100.000 Spermien zusammengebracht und anschließend mittels Katheter in den Eileiter der Frau eingeführt. Dort soll dann die Befruchtung stattfinden. Das medizinische Procedere erfolgt im OP-Saal.

IVM oder In-vitro-Maturation:

Entnommene und in einem Reagenzglas nachgereifte Eizellen werden direkt dort mit dem Spermium zusammengebracht. Kommt es zur Befruchtung, werden die Embryonen aus dem Reagenzglas in die Gebärmutter eingesetzt. Bei eingeschränkter Qualität der Spermien können die Samenzellen auch direkt in den Eileiter gespritzt werden.

Warum dann noch für die künstliche Befruchtung ins Ausland?

Zunächst einmal haben in der GKV nur verheiratete Paare einen Anspruch auf Leistungen, die auch noch auf 50 % der anfallenden Kosten begrenzt sind. Zudem gibt es hier starre Altersgrenzen. Deswegen weichen viele gesetzlich Krankenversicherte in benachbarte Länder aus, weil ihnen dort viel versprochen wird. Und am Ende oft wenig gehalten, wie Fachleute wissen. Wirklich seriöse Anbieter für die künstliche Befruchtung zu finden, ist ihnen zufolge nicht einfach.

PKV-Versicherte stehen nicht vor diesem Problem, weil es die genannten Einschränkungen nicht gibt. Allerdings: Nach aktueller Rechtslage sind eine Leihmutterschaft und eine Eizellenspende in Deutschland verboten. Letzteres entstammt einer längst überholt geglaubten Weltanschauung, wonach Eizellen und Samenzellen ethisch nicht auf gleicher Stufe stehen. Schließlich sind Samenspenden hierzulande ja zugelassen.

Dennoch hat der Bundesgerichtshof erst kürzlich in einem aktuellen Urteil bestätigt, dass eine private Krankenversicherung eine Eizellenspende im Ausland nicht bezahlen muss, auch wenn der Tarif für Heilbehandlungen eigentlich eine europaweite Geltung hat. Diese Regelung gelte nur für auch in Deutschland gesetzlich erlaubte medizinische Hilfe (BGH v. 14.06.2017 – IV ZR 141/16).

TIPP:
Im Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit einer Frau spielt das Anti-Müller-Hormon eine Rolle, erstmals beschrieben im 19. Jahrhundert vom Berliner Physiologen Johannes Peter Müller. Einen zu niedrigen AMH-Wert haben PKV-Unternehmen immer mal wieder zum Anlass genommen, die Kostenübernahme für eine klinische Schwangerschaft abzulehnen. Zu Unrecht, wie etliche Gerichtsentscheidungen zeigen. Auch bei einem niedrigen AMH-Wert könne es nämlich eine begründete Erfolgsaussicht für eine künstliche Befruchtung von mindestens 15 % geben.

Fazit

Der Weg zur künstlichen Befruchtung im Ausland ist aus Kostengründen allenfalls noch für GKV-Versicherte eine Überlegung wert. PKV-Mitglieder hingegen können sich auch hierzulande auf umfangreiche Leistungen verlassen. Wenn sie den richtigen Tarif abgeschlossen haben. Per Vergleichssoftware lässt sich das schnell ermitteln.

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