Hilfsmittel: Die Entscheidung über lebenserhaltende Geräte

Hilfsmittel: Die Entscheidung über lebenserhaltende Geräte

Alltägliche Gegenstände wie eine Brille oder ein Hörgerät zählen ebenso zu den Hilfsmitteln wie Geräte zur künstlichen Ernährung, zur Atemüberwachung oder für die Dialyse zu Hause. Wie der Hilfsmittelkatalog der privaten und das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung diese Fälle regeln, erfahren Sie hier.

Bis zum 31. Dezember 2018 hat der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband) Zeit, sämtliche Produktgruppen aus dem Hilfsmittelverzeichnis zu prüfen und fortzuschreiben. Damit wird regelmäßig die Erstattung von Kosten für lebenserhaltende Hilfsmittel in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aktualisiert. Und es geht dabei sowohl um die Neuaufnahme von Hilfsmitteln als auch um ihre Streichung. Diesen Vorgang regelt für die gesetzliche Krankenversicherung der Absatz 9 des Paragrafen 139 „Hilfsmittelverzeichnis, Qualitätssicherung bei Hilfsmitteln“ des Fünften Sozialgesetzbuches.

Die Kostenübernahme von lebenserhaltenden Hilfsmitteln in der privaten Krankenversicherung (PKV) variiert dagegen je nach abgeschlossenem Tarif. Denn dabei ist es entscheidend, ob das jeweilige Hilfsmittel im offenen oder geschlossenen Hilfsmittelkatalog aufgeführt ist.

In den Bedingungen der privaten Krankenversicherungen sind die Hilfsmittel meist so definiert:

„Als Hilfsmittel gelten medizinisch-technische Mittel, Körperersatzstücke und Geräte, die am Patienten für diagnostische oder therapeutische beziehungsweise lebenserhaltende Zwecke angewandt werden, um Behinderungen, Krankheits- oder Unfallfolgen zu mildern oder auszugleichen.“

Grundsätzlich zählen beispielsweise Brillen, Hörgeräte oder Gehhilfen dazu, aber auch lebenserhaltende Geräte wie Beatmungs-, Sauerstoff- oder auch Heimdialysegeräte.

So unterschiedlich der Einsatzzweck, so unterschiedlich sind auch die Kosten. Eine Brille kostet ein paar hundert Euro, bei einem Hörgerät dagegen können es bis zu 2.000 Euro sein. Ein Krankenfahrstuhl dagegen kostet, abhängig von Ausstattung und Antrieb, bis zu 4.000 Euro oder bei besonderen Erkrankungen mit besonderen Ausstattungsmerkmalen noch um ein Vielfaches mehr. Ein Heimdialysegerät kann sogar mehrere zehntausend Euro verschlingen.

In der privaten Krankenversicherung werden die Hilfsmittel nach offenem und geschlossenem Katalog unterschieden. Grundsätzlich gilt die offene Formulierung als leistungsstärker. Hier gibt es weniger Einschränkungen und mehr Möglichkeiten, dass ein Hilfsmittel vom Versicherer bezahlt wird. Beim geschlossenen Katalog werden im Gegensatz dazu nur die Kosten für das Hilfsmittel erstattet, das explizit aufgeführt ist.

Im offenen Hilfsmittelkatalog findet sich beispielsweise der Hirnschrittmacher, die Denkprothese oder die Neuroprothese. Der Hirnschrittmacher kommt bei Patienten zum Einsatz, die beispielsweise an Epilepsie leiden. Denn das Hilfsmittel stimuliert mit gezielten Stromstößen Hirnregionen und fördert dadurch das richtige Schalten von Nervenzellen. Anfälle oder Aussetzer können so unterdrückt werden. Bei Prothesen denkt jeder zuerst an unterstützende Geräte für Beine oder Arme. Doch mittlerweile gibt es Denkprothesen, auch Neuroprothesen genannt. Mit dieser Hilfe können verloren gegangene kognitive Fähigkeiten ein Stück weit wieder hergestellt werden.

Ein weiteres Beispiel aus dem offenen Hilfsmittelkatalog der privaten Krankenversicherung ist die Defibrillatorweste. Dabei handelt es sich um eine tragbare Kombination aus EKG-Gerät und Defibrillator. Die Weste erkennt Herzprobleme und kann sofort eine Behandlung, einschließlich einer Defibrillation, beginnen. Das EKG zeichnet dabei alle Werte auf. Die Weste wird bei Patienten eingesetzt, die eine Herzerkrankung, etwa eine Herzmuskelentzündung, haben. Ein plötzlicher Herztod kann damit sehr gut verhindert werden.

Der geschlossene Hilfsmittelkatalog nennt konkret alle Geräte, deren Kosten erstattet werden. Daher ist meist der offene Hilfskatalog vorzuziehen. Der technische Fortschritt wird dort eher berücksichtigt. Jedoch gilt es, genau hinzuschauen. Denn bestimmte Formulierungen wie „einfache Ausführung“, aber auch festgelegte Höchstgrenzen in der Erstattung, stellen einen Nachteil für den Versicherten dar.

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