Archiv für März 2019

Gesetzlich Versicherte kommen bald schneller zum Facharzt

Das neue Gesundheitsgesetz soll die Versorgungssituation für gesetzlich Krankenversicherte verbessern. Insbesondere sollen Termine beim Facharzt künftig schneller möglich sein, aber auch das Leistungs- und Serviceangebot ganz allgemein soll sich verbessern. 

„Schneller, besser und digitaler“ – so könnte man den von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erhofften Nutzen des neuen Gesundheitsgesetz, das Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSGV) zusammenfassen. Für viele Deutsche sei es ein Aufregerthema, so Spahn, dass der privat versicherte Nachbar einen Termin beim Facharzt in einer Woche bekäme. Das Kassenmitglied dagegen erst in zwei, drei oder vier Monaten. Genau dort setzt das neue Gesundheitsgesetz an, das der Bundestag am 14. März 2019 verabschiedet hat.

Dazu gehört, beispielsweise den Ausbau der Terminservicestellen mit einer bundesweit einheitlichen Notdienstnummer (116117) voranzutreiben. Inklusive die Erreichbarkeit über 24 Stunden an sieben Tagen die Woche sowie neuen digitalen Angeboten. Bis zum 1. Januar 2020 soll sich diese zentral erreichbare Stelle für ambulante Versorgung und Notfälle weiterentwickeln. Über die Plattform und auch über eine App sollen sich Patienten schnell einen Termin beim Facharzt besorgen können.

Ärzte müssen mehr Sprechstunden anbieten

Gleichzeitig erhöht sich das Mindestsprechstundenangebot der Vertragsärzte. In unterversorgten Gebieten müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen künftig eigene Praxen eröffnen oder Versorgungsalternativen anbieten.

Niedergelassene Ärzte müssen nun mindestens 25 Stunden in der Woche Sprechstunden anbieten. Die Zeiten für Hausbesuche rechnet man darauf an. Facharztgruppen der grundversorgenden und wohnortnahen Versorgung, wie konservativ tätige Augenärzte, Frauenärzte oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, müssen mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunde anbieten. Das heißt, die Patienten können ohne vorherige Terminvereinbarung vorbeikommen. Ob die Mediziner sich an diese neuen Vorgaben halten, müssen die kassenärztlichen Vereinigungen überprüfen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen außerdem im Internet über die Sprechstundenzeiten der Vertragsärzte informieren.

Mediziner erhalten mehr Geld

Die Ärzte wiederum, die mehr Patienten versorgen und ihnen schneller einen Termin besorgen oder ermöglichen, sollen dafür eine extra Vergütung erhalten. So soll ein Hausarzt , der erfolgreich einen dringenden Facharzttermin vermittelt einen Zuschlag von mindestens zehn Euro für den Fall bekommen. Aber auch Akut-Leistungen für, von der Terminservicestelle vermittelten Patienten oder für neue Patienten in der Praxis, sollen ebenso eine extra Vergütung erhalten wie die Leistungen, die man in den offenen Sprechstundenzeiten erhält.

„Für mehr Arbeit gibt es für die Ärzte auch mehr Geld, und das ist auch fair so“, meint Gesundheitsminister Spahn.

Neben einer besseren Terminvergabe ist die zweite große Säule des Gesundheitsgesetzes die bessere Versorgung – einhergehend mit einer Erweiterung des Leistungsumfangs der gesetzlichen Krankenversicherung. Kurzum: Es wird zusätzliche Angebote geben. Zum Beispiel müssen die Krankenkassen, spätestens zum Jahr 2021 die elektronische Patientenakte einzuführen. So soll jeder Versicherte, wenn er es denn möchte, seine Behandlungen auf dem Smartphone abrufen können.

Bessere Versorgung angestrebt

Des Weiteren werden die Ausschreibungen für Hilfsmittel abgeschafft. So soll sichergestellt werden, dass es bei der Versorgung mit Gehhilfen, Rollstühlen oder ähnlichem keine Abstriche bei der Qualität gibt. Auch die Heilmittelerbringer, wie Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, werden ab 1. Juli 2019 besser vergütet. Die Preise für ihre Leistungen werden bundesweit einheitlich auf dem höchsten Niveau angeglichen. Die Zugangsbedingungen zu diesen Therapeuten sollen gleichfalls vereinfacht werden. Mit einer sogenannten Blankoverordnung sollen die Therapeuten selbst entscheiden können, wie sie den Patienten behandeln.

Eine weitere zusätzliche Kassenleistung soll die Kryokonservierung von Ei- oder Samenzellen werden. Wenn junge Erwachsene an Krebs erkranken und ihre Fruchtbarkeit durch diese Kryokonservierung aufrechterhalten können, um später durch eine künstliche Befruchtung Eltern zu werden, übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Aufbewahrung dieses Gewebes.

Diese und viele weitere Punkte, etwa eine neue Regelung zur Versorgung durch Hebammen oder zu Betreuungsdiensten oder auch eine Erhöhung der Festzuschüsse für Zahnersatz von 50 auf 60 Prozent der Kosten für die Regelversorgung, sind in dem neuen Gesundheitsgesetz, Terminservice- und Versorgungsgesetz geregelt. Ob damit das Ende der oft zitierten Zwei-Klassen-Medizin eingeläutet ist, sei allerdings dahingestellt. Denn ob es sich für jemanden, der die Voraussetzungen erfüllt, lohnt, privat versichert zu sein, wird sich nicht allein daran bemessen, wie schnell er einen Termin beim Facharzt erhält. Viele andere Leistungsmerkmale der unterschiedlichen Tarife in der privaten Krankenversicherung (PKV) gilt es, untereinander zu vergleichen – und natürlich auch dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gegenüber zu stellen, inklusive möglicher freiwilliger Sonderleistungen, wie etwa einer professionelle Zahnreinigung.

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Ein Generikum (Plural Generika), oder auch Nachahmer-Präparat, ist laut Wikipedia „eine wirkstoffgleiche Kopie eines bereits unter einem Markennamen auf dem Markt befindlichen Medikaments. Von diesem Originalpräparat kann sich das Generikum bezüglich enthaltener Hilfsstoffe und Herstellungstechnologie unterscheiden.“

Umstellung auf Generikum:

Insbesondere bei einer Umstellung eines Patienten von einem Originalmedikament auf Generikum oder auch von einem Generikum auf ein anderes können sich diese Unterschiede, auch wenn sie noch so gering sind, bemerkbar machen.

Ein Sprecher des Apothekerverbandes Nordrhein wies gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk darauf hin, dass die abweichenden Zusatzstoffe in den Nachahmern in anderer Zusammensetzung vorkommen und damit auch andere Nebenwirkungen auslösen können. Je nach Krankheit sollte in manchen Fällen, der Experte nennt als Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung, immer dasselbe Medikament eingenommen werden. Bereits Unterschiede im Mikrogramm-Bereich könnten den Hormonhaushalt in erheblichem Maße beeinflussen.

85 Prozent der verordneten Arzneimittel sind Generika

Bei vielen Medikamenten gegen Volksleiden dagegen spielt es keine Rolle, ob es sich um das Originalmedikament oder Generikum handelt. Das sehen wohl auch Ärzte , Apotheker und vor allem die Krankenkassen so. Der Einsatz von Generika hat sich in Deutschland bewährt: Die Verordnungsquoten liegen bei über 85 Prozent. Das schreibt jedenfalls der Verband der Ersatzkassen. Generika seien in ihrer Wirkstoffzusammensetzung und Wirkung vergleichbar mit dem Originalpräparat. Sie könnten kostengünstiger angeboten werden und würden keine Nachteile gegenüber dem Originalpräparat haben.

Allerdings können sie sich beispielsweise in der Farbe unterscheiden, etwa durch andere während der Produktion zugesetzte Konservierungs- und Geschmacksstoffe. Der Kostenvorteil dieser Nachahmerpräparate beträgt bis zu zwei Drittel gegenüber dem Original. Er liegt insbesondere darin, dass der Aufwand für Forschung und klinische Studien deutlich geringer ist.

Doch was bedeutet das nun für den Patienten? Originalmedikament oder Generikum?

Beim Gang in die Apotheke kann der Kunde bei freiverkäuflichen Medikamenten mit entscheiden, ob es das teurere oder das günstigere sein soll. Wurde ihm ein Arzneimittel verschrieben, wählt der Apotheker eines von denjenigen aus, die vorgegeben sind. Denn die Krankenkassen vereinbaren regelmäßig über Rabattverträge Konditionen für die Medikamente. Und zwar gilt das für die originalen ebenso wie für die nachgemachten.

Wenn der Patient über keine Unverträglichkeit gegen einen der abweichenden Zusatzstoffe verfügt, sollte er auch mit einem Nachahmerpräparat keine Probleme haben. Besteht jedoch aus medizinischer Sicht die Notwendigkeit, dass der Versicherte das Original erhält, kann der Arzt das auf dem Rezept entsprechend vermerken, unter dem lateinischen Begriff „aut idem“ („das Gleiche“).

Verbraucherschützer machen darauf aufmerksam, dass der Arzt in „medizinisch begründeten Ausnahmefällen“ auf einem ganz bestimmten Präparat bestehen kann – und den Austausch in der Apotheke verhindern. Dazu müsse er das Aut-idem-Kästchen auf dem Rezept durchstreichen. Der Apotheker muss exakt das Medikament an den Patienten aushändigen, das der Arzt verschrieben hat. Bei einigen Medikamenten ist zudem laut Verbraucherzentrale ein Wechsel von vorne herein ausgeschlossen. Das wird in der sogenannten Substitutionsausschlussliste geregelt.

Darüber hinaus kann auch der Versicherte darauf bestehen, dass er das Originalmedikament erhält. Allerdings muss er die Kostendifferenz zum Generikum dann zunächst selbst übernehmen. Anschließend kann er versuchen, diesen Betrag über seine Krankenkasse erstattet zu bekommen.

Im Mai 2018 kippte der Bundesärztetag in Erfurt das sogenannte Fernbehandlungsverbot. Ärzte dürfen in Zukunft Patienten also beispielsweise auch per Videochat beraten. Ausnahme bilden jedoch die Bescheinigung über eine Arbeitsunfähigkeit und das Verordnen von Medikamenten bei unbekannten Patienten.

Mit überwältigender Mehrheit haben die Delegierten den Antrag angenommen“, zitierte die Ärztezeitung Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). Grund zur Freude angesichts dieses dann doch eindeutigen Ergebnisses bestand durchaus. Denn viele Ärzte äußerten ihre Bedenken gegenüber einer Fernbehandlung. Vor allem die Beziehung zwischen Arzt und Patienten müsse bedacht werden. Die Versorgungsqualität und der Datenschutz seien weitere heikle Themen. Eine Befürchtung ist demnach, dass niedergelassene Ärzte künftig durch Call-Center ersetzt werden könnten.

Gekipptes Fernbehandlungsverbot ebnet Digitalisierung

Mitgestaltung:

Doch betont Josef Mischo, Vorsitzender der Berufsordnungsgremien der BÄK, gegenüber der Ärztezeitung, wie wichtig das persönliche Verhältnis zwischen Arzt und Patient auch zukünftig sei. Andererseits könne eine Fernbehandlung bei manchen Beschwerden als Ergänzung angesehen werden. Es sei wichtig, dass Ärzte die Digitalisierung und Fernbehandlung aktiv mitgestalten.

Nachdem nun der Weg in die Digitalisierung der Medizin durch die Bundesärztekammer jedoch prinzipiell geebnet wurde, müssen die Landesärztekammern nachziehen. Im September verkündete prompt Rheinland-Pfalz seine Zustimmung, im November Hessen. Die weiteren Bundesländer werden die Ergebnisse ihrer Beratungen in den kommenden ein bis zwei Jahren ebenfalls bekanntgeben.

Einige Monate nach der Entscheidung der Ärzte, haben sich auch die Psychotherapeuten im Rahmen des 33. Deutsche Psychotherapeutentages als Bundesdelegiertenversammlung der Bundespsychotherapeutenkammer für eine Fernbehandlung ausgesprochen. Jedoch unter Beachtung besonderer Sorgfaltspflichten. Unbekannte Patienten ausschließlich aus der Ferne zu behandeln, lehnen die Delegierten ab. „Zur Diagnostik gehört immer auch das persönliche Gespräch. Der klinische Eindruck ist wichtig, der sich auch im Geruch und im Händedruck zeigt“, sagte Petra Adler-Corman gegenüber dem Ärzteblatt. Bis zum 1. April soll nun der Bewertungsausschuss die Regelungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) für die Videosprechstunden erarbeiten.

Was ist Telemedizin?

Diese Sprechstunden per Video sind eine der Möglichkeiten im Rahmen der sogenannten Telemedizin. Dabei handelt es sich laut BÄK um einen Sammelbegriff für verschiedenartige ärztliche Versorgungskonzepte, die sowohl bei der Diagnostik, der Therapie als auch der Rehabilitation und bei der ärztlichen Entscheidungsberatung über räumliche Distanz oder zeitlichen Versatz mithilfe der Informations- und Kommunikationstechnologie hinweg erbracht werden können.

Einer telemedizinischen Beratung stehen viele Deutsche offen gegenüber. Das ergab die Studie „Future Health 2018“, eine repräsentative Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers. 43 Prozent der Deutschen begrüßen demzufolge die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes. Für weitere 42 Prozent bleibt das Arzt-Patienten-Verhältnis jedoch weiterhin wichtig. Und 74 Prozent wünschen sich noch mehr Beratungsangebote im Internet.

Doch die Frage, wie die Krankenkassen diese digitalen Besuche honorieren können, scheint noch nicht geklärt. Die Techniker Krankenkasse beispielsweise hat nach eigenen Angaben, „bereits die Initiative ergriffen und die Einführung einer entsprechenden Pauschale bei den dafür auf Bundesebene zuständigen Stellen angeregt.“

Bitkom:

Auch der Digitalverband Bitkom hat sich damit befasst. Denn im internationalen Vergleich hinken die Digitalisierung im Gesundheitswesen und damit auch die Telemedizin in Deutschland anderen Ländern, darunter vielen europäischen Nachbarländern, hinterher. Bitkom schlägt daher vor, etwa Online-Sprechstunden der Versorgung vor Ort gleichzustellen. Ob in der Praxis oder digital dürfe für die Vergütung keine Rolle spielen.

„Der Leistungserbringer entscheidet zusammen mit dem Patienten, welche Form die geeignetere ist. Damit digitale Arztbesuche ihre volle Wirkung entfalten, braucht es auch durchgängig digitale Prozesse. Dazu gehören das elektronische Rezept, die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die elektronische Überweisung sowie die Möglichkeit, die elektronische Gesundheitskarte aus der Ferne beziehungsweise digital auszulesen“, so die Empfehlung von Bitkom in einem Positionspapier.

Zu den häufigsten Fragen zur privaten Krankenversicherung gehört jene, wie eigentlich die Voraussetzungen zum Wechsel in die private Krankenversicherung von der gesetzlichen Krankenversicherung lauten? Die Antwort darauf erhalten Sie hier.

Angesichts der Unterschiede, die die Leistungskataloge in der privaten und der gesetzlichen Krankenversicherung aufweisen, überrascht es nicht, dass sich manch einer fragt: Wann kann ich eigentlich in die private Krankenversicherung wechseln? Was sind die Voraussetzungen zum Wechsel in die private Krankenversicherung? Um diese Fragen zu beantworten, muss zunächst die in Deutschland herrschende Krankenversicherungspflicht berücksichtigt werden.

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