Archiv für 2019

FSME-Impfung: Wann die Krankenkasse die Kosten übernimmt

FSME-Impfung – Wann die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Mit steigenden Temperaturen zieht es die Menschen wieder nach draußen – auch in den Wald. Und hier lauern sie: Zecken. Sie übertragen Krankheiten, wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), gegen die eine Impfung schützen kann. Übernimmt die Krankenkasse aber die Kosten hierfür?

Sobald es wärmer wird, werden auch die Zecken aktiv. Die kleinen Tierchen, die den Milben zugeordnet sind, werden im Vorbeigehen von Grashalmen oder ähnlichem abgestreift und krabbeln dann auf er Suche nach einer günstigen Stelle auf dem Körper herum. Mit ihrem Stich können sie Krankheiten wie Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Bei letzterer handelt es sich um eine Viruserkrankung, für die es bisher keine ursächliche Behandlung gibt.

Eine Impfung jedoch kann vorsorgen und das Risiko, an einer FSME zu erkranken, vermindern. Drei Impfungen, im Standardimpfschema mit einem mehrmonatigen Abstand, sind für einen vollständigen Schutz notwendig. Es gibt auch eine schnellere Version, bei der innerhalb von ein paar Wochen alle drei Impfdosen verabreicht werden. Der Impfstoff ist dabei allgemein gut verträglich. Allerdings muss man ihn regelmäßig aufgefrischen. Eine Impfung gegen die Zecke selbst gibt es entgegen der irrtümlich weit verbreiteten Annahme nicht.

FSME-Impfung in Risikogebieten empfohlen

Die Ständige Impfkommission (StiKo) empfiehlt die FSME-Impfung für all diejenigen, die in sogenannten Risikogebieten leben und arbeiten oder sich beispielsweise im Urlaub zeitweise dort aufhalten. Das gilt für Deutschland aber auch das Ausland. Dem Robert-Koch-Institut zufolge ist eine reisemedizinische Beratung daher wichtig. In Europa bestehe ein sehr unterschiedliches Infektionsrisiko mit FSME. In folgenden Ländern beziehungsweise bestimmten Regionen dort ist das Risiko demnach hoch: Finnland, Schweden, Litauen, Lettland, Estland, Dänemark, Polen, Weißrussland, Russland, Österreich, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Norditalien, Ungarn, Rumänien (Siebenbürgen).

Übernahme im Risikogebiet:

Die Krankenkassen übernehmen die Impfkosten aller drei Impftermine für die FSME-Risikogebiete sowie die Auffrischungsimpfung nach drei bis fünf Jahren, und oft auch bei Reisen in diese Regionen.

Gegen Borreliose schützt keine FSME-Impfung

Die zweite Krankheit, die hauptsächlich durch Zecken verursacht wird, ist die Borreliose (Lyme-Krankheit). Sie tritt viel häufiger auf als die FSME und wird nicht durch Viren ausgelöst, sondern durch Bakterien. Es gibt im Gegensatz zur FSME keinen Impfschutz. Allerdings lässt sich die Borreliose mit antibiotischen Medikamenten gut behandeln. Ob geimpft oder nicht, eine Einstichstelle, so empfehlen Ärzte, sollte man vier Wochen lang beobachten. Gibt es Hautveränderungen sollte man schnellstmöglich eine Therapie beginnen. Denn je früher gegen die Borreliose vorgegangen wird, desto besser die Heilungschancen.

Tipps, um einen Zeckenstich zu vermeiden

 Im besten Fall kommt es natürlich gar nicht erst zu einem Zeckenstich. Ganz vermeiden lässt er sich leider nicht. Doch mit dem Befolgen einiger Tipps kann man das Risiko zumindest reduzieren.

  • Hohes Gras, auch auf Wiesen und am Wegesrand, sowie Unterholz im Wald sollten möglichst vermieden werden.
  • Langärmelige Kleidung und lange Hosen, eventuell sogar die Hose in die Socken stecken, sowie geschlossene Schuhe schützen ebenfalls vor den kleinen Parasiten.
  • Bei heller Kleidung sind die Krabbeltiere leichter zu erkennen. Frühzeitig bemerkt, lassen sie sich vor einem Stich noch entfernen.
  • Spezielle insektenabweisende Präparate gegen Zecken können ebenfalls schützen. Bei einer Unverträglichkeit dieser chemischen Mittel könnte beispielsweise als Alternative natives Kokosöl die Zecken vertreiben. Der hohe Anteil an Laurinsäure soll abschreckend auf die Blutsauger wirken.
  • Nach dem Aufenthalt in der Natur gilt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, sich immer nach Zecken absuchen.

Was tun, wenn sie doch gestochen hat?

 Ist es trotz aller Vorsicht zu einem Zeckenstich gekommen, sollte man rasch handeln. Die Zecke muss schnell entfernt werden, am besten mit den Fingern oder einem Hilfswerkzeug – hautnah, langsam und kontrolliert. Benzin, Nagellackentferner, Öl oder Alkohol sollten man auf keinen Fall einsetzen. Das Risiko, dass Krankheitserreger übertragen werden, steigt dadurch. Ist die Zecke draußen, kann man Alkohol oder eine jodhaltige Salbe zum desinfizieren verwenden.

Falls Teile der Zecke in der Haut bleiben, besteht noch nicht gleich ein Grund zur Panik. Sie werden mit der Zeit vom Körper abgestoßen. Danach gilt es, die Einstichstelle ein paar Wochen zu beobachten. Sollte eine mögliche Rötung nicht abnehmen oder sich sogar ausbreiten, ist ein Arztbesuch ratsam. Das gilt ebenfalls bei einer Schwellung der Stelle, wenn sie schmerzt und heiß wird und pocht. Auch bei auftretendem Fieber, Kopfschmerzen und Müdigkeit sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Sabbatical: Die zeitlich begrenzte Auszeit vom Berufsleben

Im immer stressiger werdenden Alltag wünscht sich so manch einer eine kleine Auszeit, auch Sabbatical genannt. Einige belassen es nicht bei diesen Wünschen und machen konkrete Pläne. Und die Auszeit soll dann nicht kurz sein, sondern ein paar Monate oder ein ganzes Jahr dauern.

Sabbat – laut Wikipedia kommt das Wort aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie aufhören, etwas ruhen lassen oder beenden. Im Judentum kennzeichnet der Sabbat einen Ruhetag in der Woche. Das dazugehörige Fest beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend. Auch der Begriff Sabbatjahr lässt sich daher ableiten. So soll das siebte Jahr beispielsweise der Acker brach liegen und nicht bestellt werden. Denn neben der Arbeit brauchen Land und Mensch Ruhe, um sich zu regenerieren.

Ganz ähnlich funktioniert das Sabbatjahr, oder auch Sabbatical genannt. Diese berufliche Auszeit, wie sie heute bekannt ist, begann mit US-amerikanischen Professoren. Um sich ihren Forschungen widmen zu können, unterbrachen sie, meist für ein Jahr, ihre Lehrtätigkeit. Irgendwann schwappte diese Unterbrechung der Arbeitszeit auf die Wirtschaft über und kam auch in Deutschland an.

Verschiedene Motive für eine Auszeit

Die Ziele sind dabei sehr verschieden. Ob der Bau eines Hauses, eine Weiterbildung, das Erlernen oder Vertiefen eines Hobbys oder eine (längere) Reise – alles ist möglich. Im Unterschied zu den digitalen Nomaden, die für ihren Auslandsaufenthalt oft ihren Hauptwohnsitz hierzulande aufgeben, und die von unterwegs arbeiten, behält jemand im Sabbatjahr seine Adresse in Deutschland und will während seiner Auszeit nicht arbeiten. Die digitalen Nomaden dagegen gehen ihren digitalen Jobs nach, um davon ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Für Lehrer und Beamte sind auf Bundesländerebene einige Regelungen für dieses Sabbatical festgelegt, doch auch Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft können mit ihrem Arbeitgeber entsprechende Vereinbarungen treffen. Das Onlineportal sabbatjahr.org hat sieben Formen des Sabbaticals zusammengetragen.

Die beiden häufigsten Varianten sind demnach das Modell des zeitlich begrenzten Lohnverzichts mit Anspar- und Freistellungsphase sowie das Teilzeit-Modell. Ersteres gilt auch für Lehrer und Beamte. Der Arbeitnehmer verzichtet für eine vorher festgelegte Zeit, von in der Regel zwischen einem und zehn Jahren, auf einen Teil seines Gehaltes. Dieses Geld wird angespart. Meist am Ende dieses Zeitraums nutzt der Arbeitnehmer dann seine Auszeit und erhält auch in dieser Zeit das reduzierte Gehalt. Anschließend kehrt er zu den ursprünglichen Bedingungen in seinen Beruf zurück.

Arbeitszeitkonto eine häufige Variante des Sabbatical

Das bereits erwähnte Teilzeit-Modell funktioniert ähnlich. Auch hier wird vorher der Zeitraum festgelegt, in dem der Arbeitnehmer dann seine Arbeitszeit auf Teilzeit reduziert. Tatsächlich arbeitet er weiterhin Vollzeit und sammelt so Stunden, die auf einem Arbeitszeitkonto gesammelt werden. Davon profitiert der Arbeitnehmer während seiner Freistellung.

Auch die noch nicht so verbreitete Möglichkeit des Fondssparmodells funktioniert mit einem Arbeitszeitkonto. Hierauf werden Überstunden, nicht beanspruchte Urlaubstage, Teile des Gehaltes, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und eventuelle Sonderzahlungen eingezahlt. Der Arbeitgeber kann den Wert dieser Leistungen in einen Investmentfonds investieren. Von diesem Kapital lebt der Arbeitnehmer in seiner Auszeitphase.

Eher unfreiwillig für Arbeitnehmer ist das Time-out-Modell. Aufgrund einer für das Unternehmen schwierigen Phase wird der Arbeitnehmer für eine gewisse Zeit freigestellt, zu reduzierten Bezügen. Wenn es wieder besser läuft, kann der Arbeitnehmer zu den vorherigen Bedingungen ins Unternehmen zurückkehren.

Modell des vorgezogenen Ruhestands

Vor allem für ältere Arbeitnehmer interessant ist das Modell des vorgezogenen Ruhestands. Hier gibt es diverse Möglichkeiten, die meist damit enden, dass der Arbeitnehmer nach der Auszeit nicht ins Unternehmen zurückkehrt sondern in den Ruhestand geht.

Neben diesen Lösungen, in denen sich der Arbeitnehmer weiterhin auf Bezüge durch seinen Arbeitgeber verlassen kann, gibt es auch den unbezahlten Urlaub beziehungsweise auch eine Kündigung des Arbeitnehmers. Beim unbezahlten Urlaub müssen sich Unternehmen und Angestellter einigen. Wichtig ist dabei zu bedenken, dass das finanzielle Polster für das Leben während der unbezahlten Auszeit recht hoch sein muss, vor allem auch, wenn eine Reise geplant ist.

Verpflichtung beim Arbeitsnehmer:

Und im Gegensatz zu den anderen Formen des Sabbaticals, bei denen der Arbeitnehmer weiterhin Bezüge erhält, liegt beispielsweise die Verpflichtung zur Zahlung der Beiträge zur Kranken-, Pflege und Rentenversicherung beim Arbeitnehmer. Innerhalb des ersten Monats nach der Abmeldung durch den Arbeitgeber besteht die Versicherung weiter und es passiert noch nichts. Danach wird die Absicherung Sache des Arbeitnehmers.

Die beitragsfreie Familienversicherung ist in dem Fall eine Möglichkeit, wenn während des Sabbaticals kein eigenes Einkommen erzielt wird. Die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung ist die zweite Möglichkeit für die Absicherung.

Wichtig:

Versicherungsschutz prüfen.

Kündigung des Arbeitnehmers

Kündigt der Arbeitnehmer, weil er sich mit seinem Arbeitgeber nicht über ein Sabbatical einigen konnte, droht von Seiten des Arbeitsamtes eine Sperre von bis zu drei Monaten beim Bezug des Arbeitslosengeldes. Auch hier besteht die Krankenversicherung im Rahmen der Nachversicherung im ersten Monat der Arbeitslosigkeit weiter. Ab dem zweiten Monat bis zum Ende der Sperrzeit übernimmt die Agentur für Arbeit dann die Beiträge.

Sabbatical für Schulabgänger oder Absolventen

Als letztere Variante des Sabbaticals muss dasjenige, das im Anschluss an die Schule oder das Studium genutzt wird, erwähnt werden. Natürlich können sich nicht nur Arbeitnehmer eine Auszeit nehmen, auch viele Schulabgänger oder Absolventen eines Studiums wollen in dieser Lebensphase erst noch die Welt sehen, vielleicht Fremdsprachenkenntnisse erlangen oder vertiefen und reisen deshalb ein paar Monate oder Jahre, bevor sie sich niederlassen.

Wenn ein ganzes Sabbatjahr oder auch nur ein paar Monate davon im Ausland zugebracht werden, sind spezielle Reiseversicherungen wie eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung ratsam.

Pflege-Roboter Pepper – heute Gesellschaft leisten, morgen Haare kämmen?

Der Pflege-Roboter Pepper kann sprechen, tanzen und Witze reißen: In einer unterfränkischen Senioreneinrichtung wurde jetzt der Einsatz eines Pflege-Roboters getestet. Er soll das Pflegepersonal nicht ersetzen, sondern entlasten. Sieht so die Zukunft der Pflege aus?

Pepper, so der Name des Pflege-Roboters, ist nur knapp 1,20 m groß, fährt auf Rollen und verfügt über Sensoren am Kopf und an den Fingern. Er kann hören, sprechen und erkennt anhand der Mimik oder Gestik seines Gegenübers dessen Gefühlslage. Pepper ist nicht dafür konzipiert, Pflegearbeiten wie Waschen oder Haare kämmen zu übernehmen. Er hat vielmehr die Aufgabe eines rollenden Animateurs.

In seiner Optik bedient Pepper das Kindchenschema mit großen Augen, die zudem in verschiedenen Farben leuchten können. Er soll so positive Gefühle im Umgang mit Menschen wecken. Pepper kann auf Fragen antworten, Witze erzählen, Musik abspielen und vieles mehr. Er soll älteren Menschen Gesellschaft leisten, mit ihnen Rätsel lösen oder sie zum Beispiel zum Tanzen motivieren, wenn die menschlichen Mitarbeiter in der Pflege dafür keine Zeit haben. Seine Erfinder arbeiten daran, dass er in Altenheimen die Bewohner außerdem daran erinnern können soll, dass sie regelmäßig trinken und ihre Medikamente einnehmen. Gefördert wird das Projekt vom bayerischen Gesundheitsministerium.

Sind Pflege-Roboter  die Zukunft?

Der Pflege-Roboter ist seit 2014 auf dem Markt und wurde in Frankreich und Japan entwickelt. Auf seinen Einsatz in Deutschland vorbereitet wurde Pepper von Wissenschaftlern der Universität Siegen.
Für die private Krankenversicherung gehören Innovationen wie Pepper ins Gesundheitssystem. Darum begrüßte der kleine Roboter auch die Gäste der diesjährigen Jahrestagung des Verbands der Privaten Krankenversicherung. Nils Lahmann von der Charité Berlin sprach darüber, dass „technische Optionen“ wie Sensoren oder eben auch Pflege-Roboter künftig immer besser in der Lage sein werden, Pflege- und Behandlungsprozesse zu unterstützen. Das gelte sowohl für die Assistenz der Pflegekräfte als auch für die Wahrnehmung sozialer Funktionen gegenüber Pflegebedürftigen. Den Mehrbedarf an Pflege und damit das wachsende Finanzierungsproblem würden sie jedoch wahrscheinlich nicht kompensieren können.

83% können sich Pepper zu Hause vorstellen

Grundsätzlich stehen die Deutschen der neuen Technik aufgeschlossen gegenüber. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Bildung (BMBF) können sich immerhin 83 Prozent der Bundesbürger den Einsatz eines Service-Roboters zu Hause vorstellen. Drei Viertel der Befragten sind zudem überzeugt davon, dass Roboter künftig eine immer wichtigere Rolle in ihrem Alltag einnehmen werden. Und dass man daran forscht, damit uns die technischen Helfer in Haushalt, Pflege und Gesundheit unterstützen können, halten 80 Prozent für wichtig oder sehr wichtig.

Kritische Stimmen warnen allerdings auch mit Blick auf die Altenpflege vor einer permanenten Überwachung der Senioren durch Roboter. Zudem sei nicht geklärt, wie man mit Fehlern umgehen solle, die  Roboter verursachen. Denn im Gegensatz zu den bisherigen Robotern, die etwa in der Automation seit Jahrzehnten eingesetzt werden, müssen sich Pflege-Roboter permanent auf neue Menschen mit ihren komplexen Emotionen und Bedürfnissen einstellen. Ferner müsse man klären, was mit den zahlreichen Daten, die die technischen Helferlein erheben, geschehe. Damit komme dem Datenschutz eine wichtige Rolle zu.

Im Jahr 2018 hatten erstmals mehr als 16 Millionen Deutsche eine private Zahnzusatzversicherung. Das gab der PKV-Verband bekannt. Damit ist die Zahl derjenigen, die privat für ihre Zähne vorsorgen, in den vergangenen zehn Jahren um etwa 37 Prozent gestiegen.

Fast jeder fünfte Deutsche verfügt mittlerweile über eine private Zahnzusatzversicherung. Im Jahr 2018 verzeichnete der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) erstmals mehr als 16 Millionen Verträge – 343.000 Policen oder 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Diese Zahl schließt sowohl die privaten Zahnzusatzversicherungen ein, die jeder direkt bei einem privaten Krankenversicherer abschließen kann, als auch die Versicherungen, die über Gruppentarife im Rahmen der betrieblichen Krankenversicherung genutzt werden.

Verbands-Chef fordert Steueränderung

„Der Trend zu mehr privater Vorsorge ist ungebrochen“, kommentiert Florian Reuther, Direktor des PKV-Verbands, die aktuelle Entwicklung. Allerdings würde der Verband es begrüßen, wenn es keine steuerlichen Nachteile bei der betrieblichen Krankenversicherung mehr gäbe. Denn dann könnten, so Reuther, noch mehr Deutsche ihre Zähne für den Ernstfall absichern.

Hintergrund dieser Forderung ist, dass das Bundesfinanzministerium seit 2013 einen über den Arbeitgeber gewährten Kranken- und Pflegeversicherungsschutz als Barlohn wertet. Die Folge ist, dass die Versicherungsbeiträge komplett steuerpflichtig sind.

Schutz vor hoher Zuzahlung

Dabei ergänzen die Zahntarife als beliebteste private Zusatzversicherung hierzulande die eingeschränkten Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Vor allem beim Zahnersatz müssen Kassenmitglieder oft tief in die Tasche greifen. Je nach gewähltem Produkt und in Abhängigkeit der Vorleistung der Krankenkasse erstattet der Versicherer einen vereinbarten Prozentanteil der Rechnung oder der verbleibenden Kosten.

Neuer Gesetzentwurf - Impfpflicht für Masern soll kommen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat einen Gesetzentwurf für eine Masern-Impfpflicht für Kinder, Jugendliche und für gefährdete Berufsgruppen vorgelegt. Das Nicht-Impfen soll dann als Ordnungswidrigkeit gelten und mit einem Bußgeld geahndet werden.

Impfen oder nicht? Diese Frage stellen sich vor allem junge Eltern oft, sobald sie darüber für ihre Kinder entscheiden müssen. Eine große Verantwortung, der sich die Mamas und Papas gegenübersehen. Denn neben den vielen Vorteilen eines Impfschutzes gibt es doch auch noch immer viele Bedenken, insbesondere hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen.

Die Entscheidung, ob man Kinder zum Beispiel künftig gegen Masern impft oder nicht, will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Eltern nun mit einer Impfpflicht abnehmen. Er hat damit eine leidenschaftlich geführte Diskussion losgetreten.

Wann bestand eine Impfpflicht in Deutschland?

In Deutschland gab es bereits einmal eine Kinder-Impfpflicht – gegen Pocken. Die galt vom Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts. In der ehemaligen DDR wurde weiter geimpft; ab den 1970-er Jahren auch gegen Masern. Erst mit der Wiedervereinigung endete diese Pflicht.

Im nun vorliegenden Referentenentwurf zu einem „Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention“, dem sogenannten Masernschutzgesetz, heißt es zur Begründung: „Im Jahr 2018 kam es weltweit zu einer Verdoppelung der Masernfallzahlen. In Deutschland sind neben Kindern auch Jugendliche und Erwachsene von Masernerkrankungen betroffen. Dies zeigt, dass der eigentlich im Kindesalter vorzunehmende Impfschutz immer mehr vernachlässigt w.“

Warum soll die Impfpflicht (wieder) eingeführt werden?

Es geht vor allem darum, die Impfquote von derzeit 93 auf über 95 Prozent anzuheben. Denn nur so lässt sich die Ausbreitung von Masern verhindern. Noch sind die regionalen Unterschiede in punkto Impfquote aber recht hoch, so dass es immer wieder zu Ausbrüchen der Krankheit kommt. Im März 2019 hatte es beispielsweise im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg einen Masernfall gegeben. Daraufhin wurden die rund 700 Schüler nach Hause geschickt. Nur wer den erforderlichen Impfschutz nachweisen konnte, durfte wieder zur Schule gehen. Kurz darauf gab es in einer weiteren Schule im Ort einen Masernfall. Auch dort wurde die Einrichtung geschlossen.

Laut Spahn sollen deshalb ab März 2020 Kinder, die einen Kindergarten oder eine Schule besuchen, per Impfausweis ihren Impfschutz nachweisen. War ein Kind bereits an Masern erkrankt, muss man das durch ein ärztliches Attest belegen. Auch für Einrichtungen, in denen viele Menschen zusammenkommen – zum Beispiel Krankenhäuser oder Arztpraxen – gilt die Impfpflicht für die dort Beschäftigten.

Welche Folgen hat eine Impfpflicht-Verweigerung?

Verstoß gegen die Impfpflicht:

Dann wird ein Verstoß gegen die Impfpflicht als Ordnungswidrigkeit geahndet. Impfmuffeln drohen Bußgelder bis zu 2.500 Euro. Auch ein Ausschluss des Kindes von der Schule oder der Kita wäre möglich. „Die Höhe des Bußgeldes soll sich nach der Schwere des Vergehens richten“, betont Jens Spahn.

Die Strafe hänge von der Schwere ab, so Minister Spahn. In den meisten Fällen soll ein Bußgeld nicht nötig sein, wenn man nach der ersten Aufforderung impft.

Die neuen Regelungen sollen durch eine verstärkte Aufklärung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung begleitet werden. Fünf Millionen Euro stehen dafür jährlich zur Verfügung.

In vielen Ländern Europas besteht bereits eine Impfpflicht für eine oder mehrere Krankheiten. In Italien, Tschechien, Ungarn und Frankreich beispielsweise unter anderem für Masern.

Tipp: Das Robert-Koch-Institut gibt auf seiner Homepage Antworten auf die 20 häufigsten Einwände gegen das Impfen.

 

Die Grünen fordern, dass die Krankenkassen Sehhilfen für Versicherte wieder komplett bezahlen. Wie ist die Sachlage derzeit und welche Konsequenzen hätte dieser Vorschlag, Brillen als Kassenleistung aufzunehmen?

„Gutes Sehen darf kein Luxus sein“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland im Mai dieses Jahres. Fakt ist: Jeder zweite Bundesbürger trägt eine Brille, aber die meisten müssen sie komplett selbst bezahlen. Die Partei schlägt daher vor, dass gesetzlich Versicherte künftig Brillen und andere Sehhilfen wieder von den Krankenkassen erstattet bekommen sollten. Was für Privatversicherte häufig noch Standard ist, ist seit 1. Januar 2004 für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) keine Kassenleistung mehr.

Zuvor wurden je nach Stärke der Fehlsichtigkeit bis zu 100 Euro je Glas übernommen. Dann strich die damalige rot-grüne Bundesregierung Brillen aus dem Leistungskatalog der GKV. Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen sollten nachhaltig eingedämmt werden. Seit 15 Jahren bezahlen gesetzliche Kassen folglich nur noch in wenigen Ausnahmefällen Zuschüsse. Und zwar für die Gläser von Brillen, Gestelle werden nicht bezuschusst.

Wann zahlt die Krankenkasse noch Zuschüsse?

Voraussetzungen für die Leistungen der Krankenkasse:

  • Für Kinder bis zum 14. Lebensjahr, denen ohne Sehhilfe eine schlechtere Sehkraft im Alter droht.
  • Für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, wenn medizinische Gründe vorliegen.
  • Für Erwachsene ab 18 Jahren bei schwerer Sehbeeinträchtigung beider Augen. Das ist der Fall, wenn die Sehschärfe auf beiden Augen trotz Korrekturen und Sehhilfen maximal 30 Prozent erreicht.
  • Für Erwachsene mit einer Fehlsichtigkeit ab 6 Dioptrien, wenn keine Verkrümmung der Hornhaut vorliegt.
  • Für Erwachsene mit einer Fehlsichtigkeit ab 4 Dioptrien, wenn eine Verkrümmung der Hornhaut vorliegt.

In diesen oben genannten Fällen erstatten die Kassen Festzuschüsse auf die Gläser, die laut Angaben des GKV-Spitzenverbands zwischen 10 und 112 Euro betragen. Gläser und Gestell einer Einstärkenbrille kosten jedoch meist mehr als 200 Euro, eine Gleitsichtbrille sogar über 900 Euro. Alternativ können auch die Kosten für Kontaktlinsen übernommen werden, allerdings lediglich in der Zuschusshöhe wie für vergleichbare Brillengläser. Das Vorliegen der genannten Bedingungen muss ein Arzt per Rezept bescheinigen.

Brillen wieder als Kassenleistung inkl. Aufwertung von Optikern gewünscht.

Laut Grünen sind die aktuellen Regelungen zu einschränkend. In ihrem Antrag „Verlässliche und bedarfsgerechte Versorgung mit Sehhilfen in der gesetzlichen Krankenversicherung“ fordert die Grünen-Fraktion die Bundesregierung daher zu einer Reform auf. Das Ziel: Jeder gesetzlich versicherte Bürger soll seine Brille vollständig erstattet bekommen.

Das soll stufenweise umgesetzt werden. Wer Brillengläser mit einer Stärke von mindestens 5 Dioptrien benötigt, soll seine Gläser künftig komplett bezahlt erhalten. Liegt die Fehlsichtigkeit zwischen 2 und 5 Dioptrien, soll die Hälfte übernommen werden.

In ihrem Antrag schlagen die Grünen zudem vor, dass erstattungsfähige Brillen künftig auch durch Optiker und Orthoptisten (Fachkräfte der Augenheilkunde) verordnet werden können. So soll einem Anstieg der Zahl der Arztbesuche vorgebeugt werden. Details soll bis Ende 2020 eine Reformkommission zum Recht der Gesundheitsberufe ausarbeiten.

Gesetzlich Versicherte kommen bald schneller zum Facharzt

Das neue Gesundheitsgesetz soll die Versorgungssituation für gesetzlich Krankenversicherte verbessern. Insbesondere sollen Termine beim Facharzt künftig schneller möglich sein, aber auch das Leistungs- und Serviceangebot ganz allgemein soll sich verbessern. 

„Schneller, besser und digitaler“ – so könnte man den von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erhofften Nutzen des neuen Gesundheitsgesetz, das Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSGV) zusammenfassen. Für viele Deutsche sei es ein Aufregerthema, so Spahn, dass der privat versicherte Nachbar einen Termin beim Facharzt in einer Woche bekäme. Das Kassenmitglied dagegen erst in zwei, drei oder vier Monaten. Genau dort setzt das neue Gesundheitsgesetz an, das der Bundestag am 14. März 2019 verabschiedet hat.

Dazu gehört, beispielsweise den Ausbau der Terminservicestellen mit einer bundesweit einheitlichen Notdienstnummer (116117) voranzutreiben. Inklusive die Erreichbarkeit über 24 Stunden an sieben Tagen die Woche sowie neuen digitalen Angeboten. Bis zum 1. Januar 2020 soll sich diese zentral erreichbare Stelle für ambulante Versorgung und Notfälle weiterentwickeln. Über die Plattform und auch über eine App sollen sich Patienten schnell einen Termin beim Facharzt besorgen können.

Ärzte müssen mehr Sprechstunden anbieten

Gleichzeitig erhöht sich das Mindestsprechstundenangebot der Vertragsärzte. In unterversorgten Gebieten müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen künftig eigene Praxen eröffnen oder Versorgungsalternativen anbieten.

Niedergelassene Ärzte müssen nun mindestens 25 Stunden in der Woche Sprechstunden anbieten. Die Zeiten für Hausbesuche rechnet man darauf an. Facharztgruppen der grundversorgenden und wohnortnahen Versorgung, wie konservativ tätige Augenärzte, Frauenärzte oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, müssen mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunde anbieten. Das heißt, die Patienten können ohne vorherige Terminvereinbarung vorbeikommen. Ob die Mediziner sich an diese neuen Vorgaben halten, müssen die kassenärztlichen Vereinigungen überprüfen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen außerdem im Internet über die Sprechstundenzeiten der Vertragsärzte informieren.

Mediziner erhalten mehr Geld

Die Ärzte wiederum, die mehr Patienten versorgen und ihnen schneller einen Termin besorgen oder ermöglichen, sollen dafür eine extra Vergütung erhalten. So soll ein Hausarzt , der erfolgreich einen dringenden Facharzttermin vermittelt einen Zuschlag von mindestens zehn Euro für den Fall bekommen. Aber auch Akut-Leistungen für, von der Terminservicestelle vermittelten Patienten oder für neue Patienten in der Praxis, sollen ebenso eine extra Vergütung erhalten wie die Leistungen, die man in den offenen Sprechstundenzeiten erhält.

„Für mehr Arbeit gibt es für die Ärzte auch mehr Geld, und das ist auch fair so“, meint Gesundheitsminister Spahn.

Neben einer besseren Terminvergabe ist die zweite große Säule des Gesundheitsgesetzes die bessere Versorgung – einhergehend mit einer Erweiterung des Leistungsumfangs der gesetzlichen Krankenversicherung. Kurzum: Es wird zusätzliche Angebote geben. Zum Beispiel müssen die Krankenkassen, spätestens zum Jahr 2021 die elektronische Patientenakte einzuführen. So soll jeder Versicherte, wenn er es denn möchte, seine Behandlungen auf dem Smartphone abrufen können.

Bessere Versorgung angestrebt

Des Weiteren werden die Ausschreibungen für Hilfsmittel abgeschafft. So soll sichergestellt werden, dass es bei der Versorgung mit Gehhilfen, Rollstühlen oder ähnlichem keine Abstriche bei der Qualität gibt. Auch die Heilmittelerbringer, wie Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, werden ab 1. Juli 2019 besser vergütet. Die Preise für ihre Leistungen werden bundesweit einheitlich auf dem höchsten Niveau angeglichen. Die Zugangsbedingungen zu diesen Therapeuten sollen gleichfalls vereinfacht werden. Mit einer sogenannten Blankoverordnung sollen die Therapeuten selbst entscheiden können, wie sie den Patienten behandeln.

Eine weitere zusätzliche Kassenleistung soll die Kryokonservierung von Ei- oder Samenzellen werden. Wenn junge Erwachsene an Krebs erkranken und ihre Fruchtbarkeit durch diese Kryokonservierung aufrechterhalten können, um später durch eine künstliche Befruchtung Eltern zu werden, übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Aufbewahrung dieses Gewebes.

Diese und viele weitere Punkte, etwa eine neue Regelung zur Versorgung durch Hebammen oder zu Betreuungsdiensten oder auch eine Erhöhung der Festzuschüsse für Zahnersatz von 50 auf 60 Prozent der Kosten für die Regelversorgung, sind in dem neuen Gesundheitsgesetz, Terminservice- und Versorgungsgesetz geregelt. Ob damit das Ende der oft zitierten Zwei-Klassen-Medizin eingeläutet ist, sei allerdings dahingestellt. Denn ob es sich für jemanden, der die Voraussetzungen erfüllt, lohnt, privat versichert zu sein, wird sich nicht allein daran bemessen, wie schnell er einen Termin beim Facharzt erhält. Viele andere Leistungsmerkmale der unterschiedlichen Tarife in der privaten Krankenversicherung (PKV) gilt es, untereinander zu vergleichen – und natürlich auch dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gegenüber zu stellen, inklusive möglicher freiwilliger Sonderleistungen, wie etwa einer professionelle Zahnreinigung.

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Ein Generikum (Plural Generika), oder auch Nachahmer-Präparat, ist laut Wikipedia „eine wirkstoffgleiche Kopie eines bereits unter einem Markennamen auf dem Markt befindlichen Medikaments. Von diesem Originalpräparat kann sich das Generikum bezüglich enthaltener Hilfsstoffe und Herstellungstechnologie unterscheiden.“

Umstellung auf Generikum:

Insbesondere bei einer Umstellung eines Patienten von einem Originalmedikament auf Generikum oder auch von einem Generikum auf ein anderes können sich diese Unterschiede, auch wenn sie noch so gering sind, bemerkbar machen.

Ein Sprecher des Apothekerverbandes Nordrhein wies gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk darauf hin, dass die abweichenden Zusatzstoffe in den Nachahmern in anderer Zusammensetzung vorkommen und damit auch andere Nebenwirkungen auslösen können. Je nach Krankheit sollte in manchen Fällen, der Experte nennt als Beispiel eine Schilddrüsenerkrankung, immer dasselbe Medikament eingenommen werden. Bereits Unterschiede im Mikrogramm-Bereich könnten den Hormonhaushalt in erheblichem Maße beeinflussen.

85 Prozent der verordneten Arzneimittel sind Generika

Bei vielen Medikamenten gegen Volksleiden dagegen spielt es keine Rolle, ob es sich um das Originalmedikament oder Generikum handelt. Das sehen wohl auch Ärzte , Apotheker und vor allem die Krankenkassen so. Der Einsatz von Generika hat sich in Deutschland bewährt: Die Verordnungsquoten liegen bei über 85 Prozent. Das schreibt jedenfalls der Verband der Ersatzkassen. Generika seien in ihrer Wirkstoffzusammensetzung und Wirkung vergleichbar mit dem Originalpräparat. Sie könnten kostengünstiger angeboten werden und würden keine Nachteile gegenüber dem Originalpräparat haben.

Allerdings können sie sich beispielsweise in der Farbe unterscheiden, etwa durch andere während der Produktion zugesetzte Konservierungs- und Geschmacksstoffe. Der Kostenvorteil dieser Nachahmerpräparate beträgt bis zu zwei Drittel gegenüber dem Original. Er liegt insbesondere darin, dass der Aufwand für Forschung und klinische Studien deutlich geringer ist.

Doch was bedeutet das nun für den Patienten? Originalmedikament oder Generikum?

Beim Gang in die Apotheke kann der Kunde bei freiverkäuflichen Medikamenten mit entscheiden, ob es das teurere oder das günstigere sein soll. Wurde ihm ein Arzneimittel verschrieben, wählt der Apotheker eines von denjenigen aus, die vorgegeben sind. Denn die Krankenkassen vereinbaren regelmäßig über Rabattverträge Konditionen für die Medikamente. Und zwar gilt das für die originalen ebenso wie für die nachgemachten.

Wenn der Patient über keine Unverträglichkeit gegen einen der abweichenden Zusatzstoffe verfügt, sollte er auch mit einem Nachahmerpräparat keine Probleme haben. Besteht jedoch aus medizinischer Sicht die Notwendigkeit, dass der Versicherte das Original erhält, kann der Arzt das auf dem Rezept entsprechend vermerken, unter dem lateinischen Begriff „aut idem“ („das Gleiche“).

Verbraucherschützer machen darauf aufmerksam, dass der Arzt in „medizinisch begründeten Ausnahmefällen“ auf einem ganz bestimmten Präparat bestehen kann – und den Austausch in der Apotheke verhindern. Dazu müsse er das Aut-idem-Kästchen auf dem Rezept durchstreichen. Der Apotheker muss exakt das Medikament an den Patienten aushändigen, das der Arzt verschrieben hat. Bei einigen Medikamenten ist zudem laut Verbraucherzentrale ein Wechsel von vorne herein ausgeschlossen. Das wird in der sogenannten Substitutionsausschlussliste geregelt.

Darüber hinaus kann auch der Versicherte darauf bestehen, dass er das Originalmedikament erhält. Allerdings muss er die Kostendifferenz zum Generikum dann zunächst selbst übernehmen. Anschließend kann er versuchen, diesen Betrag über seine Krankenkasse erstattet zu bekommen.

Im Mai 2018 kippte der Bundesärztetag in Erfurt das sogenannte Fernbehandlungsverbot. Ärzte dürfen in Zukunft Patienten also beispielsweise auch per Videochat beraten. Ausnahme bilden jedoch die Bescheinigung über eine Arbeitsunfähigkeit und das Verordnen von Medikamenten bei unbekannten Patienten.

Mit überwältigender Mehrheit haben die Delegierten den Antrag angenommen“, zitierte die Ärztezeitung Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). Grund zur Freude angesichts dieses dann doch eindeutigen Ergebnisses bestand durchaus. Denn viele Ärzte äußerten ihre Bedenken gegenüber einer Fernbehandlung. Vor allem die Beziehung zwischen Arzt und Patienten müsse bedacht werden. Die Versorgungsqualität und der Datenschutz seien weitere heikle Themen. Eine Befürchtung ist demnach, dass niedergelassene Ärzte künftig durch Call-Center ersetzt werden könnten.

Gekipptes Fernbehandlungsverbot ebnet Digitalisierung

Mitgestaltung:

Doch betont Josef Mischo, Vorsitzender der Berufsordnungsgremien der BÄK, gegenüber der Ärztezeitung, wie wichtig das persönliche Verhältnis zwischen Arzt und Patient auch zukünftig sei. Andererseits könne eine Fernbehandlung bei manchen Beschwerden als Ergänzung angesehen werden. Es sei wichtig, dass Ärzte die Digitalisierung und Fernbehandlung aktiv mitgestalten.

Nachdem nun der Weg in die Digitalisierung der Medizin durch die Bundesärztekammer jedoch prinzipiell geebnet wurde, müssen die Landesärztekammern nachziehen. Im September verkündete prompt Rheinland-Pfalz seine Zustimmung, im November Hessen. Die weiteren Bundesländer werden die Ergebnisse ihrer Beratungen in den kommenden ein bis zwei Jahren ebenfalls bekanntgeben.

Einige Monate nach der Entscheidung der Ärzte, haben sich auch die Psychotherapeuten im Rahmen des 33. Deutsche Psychotherapeutentages als Bundesdelegiertenversammlung der Bundespsychotherapeutenkammer für eine Fernbehandlung ausgesprochen. Jedoch unter Beachtung besonderer Sorgfaltspflichten. Unbekannte Patienten ausschließlich aus der Ferne zu behandeln, lehnen die Delegierten ab. „Zur Diagnostik gehört immer auch das persönliche Gespräch. Der klinische Eindruck ist wichtig, der sich auch im Geruch und im Händedruck zeigt“, sagte Petra Adler-Corman gegenüber dem Ärzteblatt. Bis zum 1. April soll nun der Bewertungsausschuss die Regelungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) für die Videosprechstunden erarbeiten.

Was ist Telemedizin?

Diese Sprechstunden per Video sind eine der Möglichkeiten im Rahmen der sogenannten Telemedizin. Dabei handelt es sich laut BÄK um einen Sammelbegriff für verschiedenartige ärztliche Versorgungskonzepte, die sowohl bei der Diagnostik, der Therapie als auch der Rehabilitation und bei der ärztlichen Entscheidungsberatung über räumliche Distanz oder zeitlichen Versatz mithilfe der Informations- und Kommunikationstechnologie hinweg erbracht werden können.

Einer telemedizinischen Beratung stehen viele Deutsche offen gegenüber. Das ergab die Studie „Future Health 2018“, eine repräsentative Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers. 43 Prozent der Deutschen begrüßen demzufolge die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes. Für weitere 42 Prozent bleibt das Arzt-Patienten-Verhältnis jedoch weiterhin wichtig. Und 74 Prozent wünschen sich noch mehr Beratungsangebote im Internet.

Doch die Frage, wie die Krankenkassen diese digitalen Besuche honorieren können, scheint noch nicht geklärt. Die Techniker Krankenkasse beispielsweise hat nach eigenen Angaben, „bereits die Initiative ergriffen und die Einführung einer entsprechenden Pauschale bei den dafür auf Bundesebene zuständigen Stellen angeregt.“

Bitkom:

Auch der Digitalverband Bitkom hat sich damit befasst. Denn im internationalen Vergleich hinken die Digitalisierung im Gesundheitswesen und damit auch die Telemedizin in Deutschland anderen Ländern, darunter vielen europäischen Nachbarländern, hinterher. Bitkom schlägt daher vor, etwa Online-Sprechstunden der Versorgung vor Ort gleichzustellen. Ob in der Praxis oder digital dürfe für die Vergütung keine Rolle spielen.

„Der Leistungserbringer entscheidet zusammen mit dem Patienten, welche Form die geeignetere ist. Damit digitale Arztbesuche ihre volle Wirkung entfalten, braucht es auch durchgängig digitale Prozesse. Dazu gehören das elektronische Rezept, die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die elektronische Überweisung sowie die Möglichkeit, die elektronische Gesundheitskarte aus der Ferne beziehungsweise digital auszulesen“, so die Empfehlung von Bitkom in einem Positionspapier.