Das alles leisten Hebammen bei Schwangerschaft und Entbindung

Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung

Der Beruf der Hebamme soll künftig nur durch ein duales Studium zu erlernen sein. Ein entsprechender Referentenentwurf dazu liegt vor. Im Januar 2020 soll das Gesetz in Kraft treten.

Bereits im Jahr 2005 verlangte eine Richtlinie des Europäischen Parlamentes eine Novellierung des Gesetzes über den Beruf der Hebamme und des Entbindungspflegers. Die Folge: Eine Akademisierung des Berufsstandes. Dazu wird unter anderem die Zugangsvoraussetzung neu geregelt. Während bisher eine zehnjährige Schulausbildung ausreichte, müssen es künftig zwölf Jahre allgemeine Schulausbildung sein.

Seit März 2019 liegt nun ein Referentenentwurf für ein entsprechendes Gesetz vor. Das soll im Januar 2020 in Kraft treten. Ziel ist, den Beruf „zukunftsgerecht weiterzuentwickeln, attraktiver zu machen und die Qualität der Ausbildung zu verbessern. (…) Hebammen sollen den Anforderungen des komplexer werdenden Gesundheitssystems durch eine anspruchsvolle, stärker wissenschaftlich ausgerichtete und gleichzeitig berufsnahe Ausbildung begegnen können und so der herausragenden Verantwortung, die der Hebammenberuf mit sich bringt, gerecht werden“.

Hoher Praxisteil im Studium

Dazu gehört, dass Frauen und Männer, die sich für diesen Job entscheiden, an einer Hochschule einen Regelstudiengang absolvieren müssen. Dafür benötigen sie die Hochschulreife. Das duale Studium soll weiterhin einen hohen Praxisteil aufweisen. Eine Alternative zu diesem Ausbildungsweg gibt es laut Referentenentwurf jedoch nicht: „Eine Teilakademisierung kommt für diesen Beruf nicht in Betracht“. Die ohnehin schon kleine Berufsgruppe der Hebammen und Entbindungspfleger solle nicht noch weiter zersplittert werden und es soll eine bundesweit einheitliche Regelung umgesetzt werden.

„Mit der EU-Richtlinie wird nicht nur der notwendigen Angleichung der deutschen Hebammenausbildung an die der anderen europäischen Länder Rechnung getragen, sondern auch dem Wandel der beruflichen Anforderungen“, sagt Claudia Dachs, Beirätin für den Bildungsbereich beim Deutschen Hebammenverband (DHV). Seit Jahren fordere der Verband diesen Schritt. Denn in 24 der 27 Länder der Europäischen Union ist die bevorstehende Aufwertung des Hebammenberufs bereits Standard.

Hebammen- und Entbindungspfleger-Mangel: Immer mehr Kreißsäle geschlossen

Laut Online-Portal Statista gab es 2017 insgesamt 24.000 Hebammen und Entbindungspfleger. Damit ist die Zahl zwar in den vergangenen Jahren leicht gestiegen, gleichzeitig aber werden immer mehr Kreißsäle geschlossen. In den vergangenen Jahren sind die Geburtshilfeeinrichtungen laut Statistischem Bundesamt um rund 40 Prozent zurückgegangen. Und die erst im Juli 2019 von der Bertelsmann Stiftung aufgestellte Forderung, Krankenhäuser zu schließen, würde sich zusätzlich auf die Geburtshilfe auswirken.

Eine für den Deutschen Hebammenverband beunruhigende Entwicklung. So forderte der Verband zuletzt anlässlich des Internationalen Hebammentages am 5. Mai 2019 mehr Personal für die Geburtshilfe, damit sich die Situation in den Kreißsälen nicht weiter verschlechtert.

„Die Geburtshilfe muss gestärkt werden“, sagt Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des DHV. „Wir brauchen mehr Hebammen und eine gute Betreuung rund um die Geburt. Die Situation im Kreißsaal ist mittlerweile so dramatisch, dass einzelne Maßnahmen nicht helfen werden. Wir brauchen ein Geburtshilfe-Stärkungsgesetz.“

Studium der Hebammenwissenschaft in Lübeck

Die nun anstehende Akademisierung dieses Berufes sei ein erster Schritt, aber noch lange nicht das Ziel. „Wir wollen die bestmögliche Geburtshilfe mit dem bestmöglichen Hebammenwissen“, so Geppert-Orthofer. „Hebammen sind wertvolle Expertinnen. Ihre Rolle muss sich weiterentwickeln. Nur wenn Hebammen die Geburtshilfe wieder so gestalten können, wie sie das wollen und gelernt haben, nur wenn sich Arbeitsbedingungen verbessern, werden wieder mehr Hebammen dauerhaft in den Kreißsälen arbeiten“, so die Verbands-Präsidentin.

Die Inhalte der Gesetzesvorlage aus dem Bundesgesundheitsministerium sind in der Hansestadt Lübeck bereits Realität. An der dortigen Universität gibt es den dualen Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft. Sechs Semester lang lernen die Studierenden den theoretischen Teil der Geburtshilfe in den Hörsälen und die Praxis an Partnerkrankenhäusern. Die Zugangsvoraussetzung ist mindestens ein Fachabitur.

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