Akzeptanz virtueller Arztbesuche wächst – So funktioniert die Telemedizin

Seit Beginn der Corona-Pandemie nutzen immer mehr Patienten lieber Telemedizin, also die Online-Sprechstunde ihres Arztes, als persönlich in die Praxis zu kommen. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ist die Zahl der virtuellen Arztbesuche in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Lesen Sie hier, welche Vorteile die Telemedizin für Arzt und Patient bringt, welche rechtlichen Vorgaben gelten und was die Krankenkassen zahlen.

Vor zwei Jahren hat der Bundesärztetag das bis dahin gültige Fernbehandlungsverbot für Ärzte aufgehoben. Seitdem dürfen Mediziner ihre Patienten auch telefonisch oder per Videochat beraten. Mittlerweile bieten rund 20.000 Ärzte und Psychotherapeuten entsprechende Leistungen an. Die Krankenkassen tragen die Kosten.

Voraussetzung Telemedizin:

Voraussetzung für eine telefonische Beratung ist allerdings, dass der Patient mindestens einmal in den vergangenen sechs Quartalen persönlich in der Praxis gewesen ist. Eine Videoberatung ist dagegen auch schon beim ersten Kontakt zwischen Arzt und Patient zulässig.

So einfach funktioniert der virtuelle Arztbesuch

Der Videochat mit dem Doktor ist sehr einfach: Patienten benötigen nur einen Internet-Zugang und einen Computer, ein Tablet oder Smartphone mit Kamera. Um den Rest kümmert sich der Arzt. Er wählt einen Videodienstanbieter aus, über dessen Software die virtuelle Sprechstunde läuft.

Alternativ können Patienten auch über Online-Dienstleister wie Jameda oder Teleclinic medizinischen Rat einholen. Die Medizin Start-ups vermitteln einen Online-Kontakt zu einem Facharzt oder Allgemeinmediziner.

Telemedizin spart Zeit und stoppt Infektionsketten

Für Patienten ist der virtuelle Praxisbesuch bequem und spart viel Zeit für An- und Abfahrt. Wer sich schlecht fühlt oder in seiner Mobilität eingeschränkt ist, muss sich nicht mühsam in die Praxis schleppen und dort womöglich lange warten. Auch Rezeptvergaben und Überweisungen laufen bereits vielfach digital. Umgekehrt profitiert der Arzt, weil der Arbeitsaufwand für das Praxispersonal deutlich sinkt.

Sicherheit durch Telemedizin:

Im Hinblick auf Infektionen bietet die Telemedizin absolute Sicherheit. Mit dem direkten Kontakt entfällt auch die Ansteckungsgefahr für Personal und Patienten. So schont die Videosprechstunde die Gesundheit aller. Das ist besonders für ältere Menschen, chronisch Kranke und andere Risikogruppen ein großer Vorteil.

Schneller Online-Termin beim Facharzt

Die Terminvergabe ist ähnlich unkompliziert wie der virtuelle Arztbesuch selbst. In aller Regel bekommen Patienten binnen weniger Tage, manchmal schon nach Stunden einen Online-Gesprächstermin beim Allgemeinmediziner oder einem Facharzt. Das ist auch in den Fällen sehr praktisch, in denen der Patient rasch eine Zweitmeinung benötigt oder sich aus dem Auslandsurlaub von seinem vertrauten Hausarzt beraten lassen möchte.

Nach Einschätzung von Gesundheitsexperten kann die Telemedizin zudem dazu beitragen, die medizinische Versorgung auf dem Land zu verbessern. Auch wenn es vor Ort keinen Arzt mehr gibt, ist virtuell immer ein Mediziner erreichbar.

Was die Telemedizin nicht leisten kann

Doch auch die Telemedizin stößt in manchen Fällen an ihre Grenzen. Nicht immer kann sie den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient ersetzen. Das gilt besonders bei unklaren oder schweren Erkrankungen sowie für technisch-diagnostische Verfahren. Ein EKG, mit dem die Herzaktivität kontrolliert wird, lässt sich nicht via Internet erstellen. Auch für zahnärztliche, orthopädische und radiologische Dienstleistungen wie Röntgen, CT oder MRT eignet sich die virtuelle Sprechstunde nicht. Dennoch erwarten Experten eine erhebliche Verbesserung und Beschleunigung der ärztlichen Versorgung durch die Telemedizin

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