Beitragsanpassung in der PKV – wann kommt es dazu?

Beitragsanpassung in der PKV – wann kommt es dazu?

In der privaten Krankenversicherung (PKV) kommt es immer wieder zu Beitragsanpassungen. Warum das von Zeit zu Zeit unvermeidlich ist, welche rechtlichen Vorgaben die Versicherer dabei befolgen müssen und wer sie kontrolliert, erklären wir Ihnen hier.

Die private Krankenversicherung garantiert ihren Kunden konstanten Zugang zu medizinischer Top-Qualität. Der vertraglich vereinbarte Leistungsumfang bleibt dabei dauerhaft unverändert. Der Versicherer kann ihn nicht etwa von sich aus kürzen. Da aber die durchschnittliche Lebenserwartung und die Kosten im Gesundheitswesen immer weiter steigen (etwa durch neue Behandlungsmethoden oder die Entwicklung neuer Arzneien und medizinischer Geräte), ist von Zeit zu Zeit eine Beitragsanpassung (BAP) in der PKV nicht zu vermeiden.

Andernfalls könnten die Versicherungsunternehmen ihre Leistungsfähigkeit nicht aufrechterhalten. Das gilt für die private Krankenversicherung ebenso wie für die Pflegeversicherung oder eine Zusatzversicherung.

Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) beobachtet BAP

Diese Anpassung kann jedoch nur erfolgen, wenn die strengen Vorgaben des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) erfüllt sind. Es schreibt vor, dass die Versicherer jedes Jahr die von ihnen kalkulierten Leistungsausgaben mit den tatsächlichen Ausgaben vergleichen müssen. Dieser Vergleich wird immer innerhalb einer sogenannten Beobachtungseinheit angestellt. Frauen, Männer und Kinder sowie weibliche und männliche Jugendliche bilden je eine Beobachtungseinheit. Bei Unisex-Tarifen gibt es nur drei Beobachtungseinheiten, nämlich Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Für diese Aufgabe sind in den Unternehmen verantwortliche Aktuare zuständig, die bei ihren Berechnungen komplizierte versicherungsmathematische Formeln und Statistiken verwenden. Vereinfacht gesagt funktioniert das Ganze so: Sollte der jährliche Vergleich zwischen kalkulierten und tatsächlichen Kosten eine dauerhafte Abweichung von mehr als 10 Prozent (in einigen Fällen 5 Prozent) ergeben, muss die bestehende Kalkulation aktualisiert, beziehungsweise neu erstellt werden.

Im Ergebnis kann es daraufhin auch vorkommen, dass die Beiträge gesenkt werden, wie es in der Vergangenheit einige Male bei der privaten Pflegeversicherung der Fall war. Normalerweise ist allerdings eine Beitragserhöhung die Folge. Wichtig ist dabei, dass es sich tatsächlich um eine dauerhafte Abweichung handeln muss. Eine nur kurzzeitige Differenz, etwa durch eine Grippewelle, darf keine Erhöhung nach sich ziehen.

Kontrolle bei Beitragsanpassungen in der PKV

Kontrolliert wird der Vorgang von zwei Instanzen. Zunächst prüft ein unabhängiger, mathematischer Treuhänder die Berechnungen des Aktuars. Er kontrolliert auch, ob dabei alle Vorschriften des Versicherungsaufsichtsgesetzes beachtet wurden. Nur wenn er der geplanten Beitragsanpassung zustimmt, kann sie wirksam werden. Der Treuhänder wird wiederum von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beaufsichtigt, die ebenfalls Zugriff auf die Berechnungen des Versicherungsaktuars hat. Auf diese Weise werden willkürliche Erhöhungen der Versicherungsbeiträge in der privaten Krankenversicherung ausgeschlossen.

Sonderkündigungsrecht:

Versicherte müssen mindestens einen Monat vorher über die geplante Anpassung informiert werden. Sie haben dann ein zweimonatiges Sonderkündigungsrecht. Eine solche Kündigung ist aber in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Als Alternative kommt beispielsweise eine höhere Selbstbeteiligung oder der Verzicht auf bestimmte Leistungen in Betracht. Wer den erhöhten Beitrag nicht zahlen will oder kann, sollte zunächst das Gespräch mit seinem Versicherungsvermittler suchen.

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