Verbeamtung trotz Übergewicht – geht das?

Verbeamtung trotz ÜbergewichtAdipositas oder auch Fettsucht, ist eine chro­ni­sche Krankheit. Wer sich auf der Laufbahn zum Beamten befindet und adipös ist, stellt sich oft die Frage: Ist eine Verbeamtung trotz Übergewicht überhaupt möglich? Hier erfahren Sie die Antwort.

Weltweit nimmt das Übergewicht der Menschen zu. Für Deutschland hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) zuletzt in einer im Jahr 2014 veröffentlichten Erhebung festgestellt, dass zwei Drittel der Männer (67 Prozent) und die Hälfte der Frauen (53 Prozent) übergewichtig sind. Rund ein Viertel der Erwachsenen, nämlich 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen, ist stark übergewichtig und damit adipös. In den vergangenen zwei Dekaden hat Adipositas, insbesondere bei Männern und im jungen Erwachsenenalter, laut der Studie zugenommen.

Und nicht nur das, auch 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind nach einer Untersuchung des Instituts betroffen. Bei etwa einem Drittel von ihnen ist das Übergewicht bereits so stark, dass sie als adipös gelten. Übergewicht kann, ebenfalls bereits bei Kindern, zu Bluthochdruck, Diabetes und vielen weiteren Krankheiten führen.

Was ist Adipositas?

Von Adipositas spricht man bei einer besonders starken Fettleibigkeit, die bei einem Body-Mass-Index ab 30 beginnt.

Der Body-Mass-Index – oft auch Körpermasseindex bzw. Quetelet-Kaup-Index genannt – ist im Zusammenhang mit der Überprüfung des Gewichts im Verhältnis zur Körpergröße eine weitverbreitete Angabe. Dafür wird eine Formel herangezogen, die das Verhältnis von Gewicht zur Körpergröße im Quadrat ermittelt.

BMI Formel, um den BMI selbst auszurechnen:

Gewicht in KG / Körpergröße in Metern / Körpergröße in Metern 

Als untergewichtig gelten demnach alle, deren BMI unter 18,5 liegt.
Ein normales Gewicht befindet sich bei einem BMI zwischen 18,5 und 24,9.
Ein leichtes Übergewicht liegt zwischen einem BMI von 25 und 29,9.
Ab einem BMI von 30 liegt dann eine Adipositas Grad I.
Ab einem BMI von 35 Adipositas Grad II oder III vor.


Einen BMI-Rechner sowie eine Tabelle zum BMI finden Sie hier.

Beamtenlaufbahn und Übergewicht

Für Menschen, die in Deutschland eine Beamtenlaufbahn anstreben, bedeutet Übergewicht (also ein BMI bis 30) meist keine Einschränkung. Es ist also meist eine Verbeamtung trotz Übergewicht möglich.

Bei Adipositas (also einem BMI-Wert ab 30) kann das anders aussehen. Jedoch muss zweierlei berücksichtigt werden: Zum einen regelt das Grundgesetz, dass „jeder Deutsche nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistungen gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte“ hat (Artikel 33 Absatz 2). Zudem würde hier das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, auch Antidiskriminierungsgesetz, greifen. Denn niemand darf beispielsweise aufgrund seiner Rasse oder Ethnologie, seines Geschlechts, seiner Religion oder wegen einer Behinderung bei ansonsten gleichen Kompetenzen benachteiligt werden.

Auf der anderen Seite gibt es die Feststellung der gesundheitlichen Eignung. Ein Dienstherr muss auf Basis einer gesundheitlichen Untersuchung abwägen, wie wahrscheinlich ein Beamtenanwärter aufgrund seines Übergewichts oder durch eventuelle Folgeerkrankungen vor Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand treten wird. Das Bundesverwaltungsgericht hat allerdings mit einem Urteil im Jahr 2013 (BVerwG, Urteil vom 25.Juli 2013 – 2 C 12.11) die Rechtslage verändert: Nun ist „ein Beamtenbewerber gesundheitlich nicht geeignet, wenn tatsächliche Anhalte die Annahme rechtfertigen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vom Eintritt einer Dienstunfähigkeit vor Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze auszugehen ist.“ Dem Dienstherrn steht nun also weniger Beurteilungsspielraum zu als früher.

Amtsärztliche Untersuchung

Die amtsärztliche Untersuchung ist die Bedingung für die Einstellung eines Beamten. Dabei begutachtet der Amtsarzt die Gesundheit des Anwärters zu dem Zeitpunkt der Einstellung. Der Amtsarzt prüft ob eine Verbeamtung trotz Übergewicht möglich ist. Allein wegen eines BMI von über 30 sah bereits das Verwaltungsgericht München laut einem Beschluss (vom 13. April 2012 3 BV 08.405) keinen Grund, ein Beamtenverhältnis auf Lebenszeit abzulehnen. Adipositas Grad I könne nicht allein als Risikofaktor für eine vorzeitige Dienstunfähigkeit angesehen werden. Wenn keine weiteren auffälligen Untersuchungsergebnisse vorhanden sind, die mit dem Übergewicht im Zusammenhang stehen, sei eine Verbeamtung möglich, so die Richter.

Erfolgt aufgrund des BMI eine Ablehnung des Antrags auf die Beamtenlaufbahn, kann und sollte der Betroffene auf jeden Fall einen Widerspruch mit einem Sachverständigengutachten einreichen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, eine Behinderung anerkennen zu lassen. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden (Aktenzeichen C 254/13), dass starkes Übergewicht eine Behinderung sein kann, wenn es zu deutlichen Einschränkungen bei der Teilhabe am Arbeitsleben führt.

Gesundheitliches Risiko von Übergewicht

Daneben kann sich ein extremes Übergewicht nicht nur nachteilig bei dem Anstreben einer Anstellung als Beamter auswirken. Für den Abschluss einer privaten Krankenversicherung kann das ebenfalls problematisch sein. Denn Adipositas ist eine Krankheit, Übergewicht generell ein Risikofaktor. Private Krankenversicherer wollen möglichst kein Risiko aufnehmen. Entweder lehnen sie einen Antrag daher ab, schließen das Risiko aus oder erheben deswegen Zuschläge.

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