Alterungsrückstellungen: Das Wesensmerkmal der privaten Krankenversicherung

Alterungsrückstellungen in der privaten Krankenversicherung: So werden sie gebildetin der privaten Krankenversicherung (PKV), auch PKV Altersrückstellungen genannt, verhindern, dass mit dem Älterwerden automatisch die Beiträge zur PKV steigen. Erfahren Sie hier, wie Alterungsrückstellungen gebildet werden und welche Maßnahmen ältere Versicherte außerdem vor überproportionalen Beitragsanpassungen schützen.

So werden die Beiträge in der GKV kalkuliert

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist ein Umlagesystem, das mit Beiträgen arbeitet, die abhängig vom Einkommen des Versicherten sind. So gehen jeweils X Euro vom Einkommen an die GKV. Für das System der Krankenkassen bedeutet das: Viele Beschäftigte mit hohem Einkommen ergeben viel Geld, Arbeitslosigkeit und geringe Einkommen ergeben wenig Geld. Und das völlig unabhängig von den Krankheitskosten, die die Versicherten bzw. Kassenpatienten verursachen. Dabei ist leider Fakt: Künftig stehen in Deutschland immer mehr ältere Versicherte mit hohen Krankheitskosten immer weniger jungen Beitrag zahlenden Versicherten gegenüber. Mehr zur Beitragsentwicklung in der GKV lesen Sie hier.

So werden die Beiträge in der PKV kalkuliert

Die private Krankenversicherung ist kapitalgedeckt und wird aus Beiträgen unabhängig vom Einkommen der privat Versicherten finanziert. Ausschlaggebend für den zu zahlenden PKV Beitrag sind ausschließlich folgende Faktoren:

  • das erreichte Lebensalter im Verhältnis zum Versicherungsbeginn,
  • der Gesundheitszustand,
  • der Umfang des Versicherungsschutzes (je nach Tarif),
  • die im jeweiligen Tarif statistisch noch entstehenden Krankheitskosten im Laufe des Restlebens.

Privat Krankenversicherte finanzieren sich zu 100 % selbst und teilen sich innerhalb einer Tarifgemeinschaft Leistungsinanspruchnahme und Beitragsentwicklung.

Vereinfacht ausgedrückt kalkuliert eine PKV anhand von zu erwartenden Krankheitskosten einen Gesamtbeitrag und verteilt diesen zu gleichen Teilen auf die Lebenserwartung. Das führt dazu, dass in jüngeren Jahren mehr PKV Beitrag eingezahlt wird, als es für krankheitsbedingte Kosten erforderlich ist. Dieser tarifliche Mehrbeitrag wird in der PKV Alterungsrückstellung oder Altersrückstellung genannt und vom Krankenversicherer angelegt.

Alterungsrückstellungen: Wichtiges Polster für später

Ziel der PKV Altersrückstellung ist es, die höheren Krankheitskosten im Alter anzusparen und damit auszugleichen. Ein privat Krankenversicherter legt also Geld für später zurück. Und je früher diese Ansparphase für das Alter beginnt, desto mehr kann angespart werden und desto geringer fällt auch der monatliche PKV Beitrag aus. Das folgende Beispiel macht dies deutlich.

 

Alterungsrückstellungen PKV: Kostenentwicklung am Beispiel eines Versicherten

Quelle: KVpro.de

 

Die Alterungsrückstellungen sind so aufgebaut, dass sie genau bis zum kalkulierten Endalter ausreichen, um bei gleich bleibenden Bedingungen (ohne Betrachtung des medizinischen Fortschritts) zusammen mit dem PKV Beitrag die Versicherungsleistungen zu decken, die mit zunehmendem Alter steigen.

Gut zu wissen:
Nur die PKV bildet Altersrückstellungen und wirkt damit der demografischen Entwicklung entgegen. So wuchsen die Rückstellungen im Zeitraum von 2001 bis 2016 von 68 auf 233 Milliarden Euro an.

Schutz älterer Versicherter vor überproportionalen Beitragsanpassungen

Wenn Beitragsanpassungen aufgrund des medizinischen Fortschritts bei der privaten Krankenversicherung erforderlich werden, fallen diese bei älteren Versicherten höher aus als bei jüngeren. Denn die Zeit, um für die Mehrleistungen entsprechend mehr Alterungsrückstellungen aufzubauen, ist bei Älteren kürzer.

Deshalb beschäftigte sich Mitte der 90er Jahre eine Kommission mit der Frage, wie diese überproportionalen Belastungen für ältere Versicherte in der PKV vermieden werden können. Die Vorschläge wurden im Jahr 2000 durch ein Gesundheitsreformgesetz umgesetzt. Die beiden wichtigsten Neuerungen der Gesundheitsreform 2000 stellen wir Ihnen hier vor.

Gesetzlicher Zuschlag in der PKV von 10 %

Zu den Maßnahmen der Gesundheitsreform 2000 zählte unter anderem die Einführung eines gesetzlichen Zuschlags in Höhe von 10 % auf den eigentlichen Tarifbeitrag der PKV. Ziel dieses Beitragszuschlags ist es, Kostensteigerungen aufgrund des medizinischen Fortschritts aufzufangen. Er wird bis zum 60. Lebensjahr von den privat Versicherten gezahlt und ab dem 65. Lebensjahr beitragsstabilisierend eingesetzt.

Seit dem Jahr 2000 ist der zehnprozentige gesetzliche Zuschlag bei allen Neuverträgen der PKV verpflichtend. In Altverträgen wurde er freiwillig in Zweiprozent-Schritten eingeführt. Seitdem darf die PKV also auch Vorsorge für etwas betreiben, was es noch gar nicht gibt: die unbekannten, teuren medizinischen Innovationen von Morgen, die garantiert kommen!

90 % der Zinserträge werden gutgeschrieben

Mit der Gesundheitsreform 2000 wurde ebenfalls vom Gesetzgeber vorgeschrieben, dass 90 % der erwirtschafteten Überzinsen den privat Krankenversicherten gutgeschrieben werden müssen.

Wenn also bei einem Rechnungszins von 3,5 % (gesetzliche Höchstrechnungszins) eine PKV eine tatsächliche Nettoverzinsung von 5 % erzielt, fallen 1,5 % Überzinsen an. Davon muss die PKV 90 % verzinslich ansammeln und bei ihren Versicherten ab dem 65. Lebensjahr zusätzlich beitragssenkend einsetzen.

Fazit: Die Altersvorsorge in der PKV besteht aus drei Säulen: Alterungsrückstellungen, Zinserträge und gesetzlicher Zuschlag in Höhe von 10 %.

 

Die 3 Säulen der Altersvorsorge in der PKV

Quelle: KVpro.de GmbH

Mehr Informationen rund um das Thema „PKV im Rentenalter“ finden Sie hier.

Möchten Sie sich privat krankenversichern?

Dann nutzen Sie unseren PKV-Rechner, um die verkaufsoffenen Tarife der führenden privaten Krankenversicherer auf dem deutschen Markt zu vergleichen. So haben Sie transparente und fundierte Informationen.

Zum PKV Rechner

 
Die Seite wird geladen ...
nach oben