Die passende Selbstbeteiligung in der PKV finden

Die passende Selbstbeteiligung in der PKV findenWie bei der Kfz-Versicherung, können Kunden auch bei der privaten Krankenversicherung ihren Beitrag durch einen Selbstbehalt senken. Lesen Sie, welche Möglichkeiten es gibt, für wen es sich ein Eigenanteil lohnt und wie man die richtige Höhe findet.

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Beitragshöhe in der privaten Krankenversicherung nicht einkommensabhängig. Stattdessen wird sie vor allem vom Alter und Gesundheitszustand bei Versicherungsbeginn sowie vom Umfang der versicherten Leistungen bestimmt. Daneben gibt es weitere Schrauben, mit denen der monatliche Beitrag justiert werden kann. Eine solche gern genutzte Schraube ist der Selbstbehalt. In der Tarifwelt der privaten Krankenversicherer zählen Angebote mit einer Selbstbeteiligung des Versicherten zum Standardrepertoire.

Mit einer Selbstbeteiligung verpflichtet sich der Versicherungsnehmer, einen bestimmten Anteil an den Krankheitskosten selbst zu tragen. Im Gegenzug zahlt er einen geringeren Beitrag als bei einem Tarif, bei dem der Versicherer die Kosten voll übernimmt. Es gilt: Je höher die Selbstbeteiligung, desto geringer der monatlich zu zahlende Beitrag. Allerdings gibt es hier einen Deckel. Im Versicherungsvertragsgesetz ist geregelt, dass der Eigenanteil für die ambulante und stationäre Behandlung nicht höher als 5.000 Euro im Jahr sein darf. Einige Vorsorgeuntersuchungen können im Vertrag vom Selbstbehalt ausgenommen sein, diese zahlt dann der Versicherer auf jeden Fall.

Verschiedene Formen der Selbstbeteiligung

In der privaten Krankenversicherung gibt es verschiedene Arten des Selbstbehalts, die gängigsten Modelle sind die absolute und die prozentuale Selbstbeteiligung.

  • Bei der absoluten Selbstbeteiligung wird vertraglich ein jährlicher Betrag festgelegt, bis zu dem der Versicherte die Kosten zunächst selbst trägt. Ist dieser Betrag erreicht, übernimmt der Versicherer die weiteren anfallenden Kosten in dem Jahr. Das spart dem Versicherer nicht nur die Behandlungskosten, sondern senkt auch den Verwaltungsaufwand, da weniger oder – bei guter Gesundheit des Kunden – vielleicht gar keine Rechnungen eingereicht werden.
  • Bei der prozentualen Selbstbeteiligung übernimmt der Versicherte einen festgelegten Teil jeder Rechnung, zum Beispiel 20 Prozent. Die restlichen 80 Prozent trägt der Versicherer. Dieser prozentuale Eigenanteil kann mit einem absoluten Wert gedeckelt sein. So zahlt der Versicherte jeweils die vereinbarten 20 Prozent des Rechnungsbetrags bis er insgesamt eine bestimmte Summe, beispielsweise 500 Euro, in einem Kalenderjahr aus eigener Tasche bestritten hat. Darüber hinausgehende Beträge gehen voll zu Lasten der Versicherungsgesellschaft.

Der Selbstbehalt muss sich nicht zwingend auf die gesamte Versicherung beziehen. Bei modular aufgebauten Angeboten kann er auch nur bei ausgewählten Bausteinen zum Einsatz kommen, zum Beispiel bei Zahnbehandlungen.

Selbstbehalte für Selbstständige und Freiberufler besonders attraktiv

Für Preisorientierte ist eine Selbstbeteiligung häufig interessant. Denn der günstigere Beitrag ist das entscheidende Argument, sich an eventuellen Kosten zu beteiligen. Ob sich dies tatsächlich lohnt und wie hoch die Selbstbeteiligung ausfallen sollte, muss im individuellen Fall entschieden werden. Oft liegt die Beitragsersparnis aber über der Selbstbeteiligung. Dies gilt vor allem für Selbstständige und Freiberufler, die ihre Krankenversicherung komplett selbst tragen müssen.

Zur Erklärung ein fiktives Beispiel:
Die monatliche Prämie bei einem Tarif ohne Selbstbeteiligung liegt für den Versicherten bei 500 Euro. Mit einem Eigenanteil von maximal 600 Euro im Kalenderjahr kann er den Monatsbeitrag auf 400 Euro drücken. Er spart also im Jahr 1.200 Euro Beitragszahlungen und muss maximal 600 Euro selbst zusteuern. Für Angestellte mit privater Versicherung fällt die Rechnung etwas weniger attraktiv aus, da sich der Arbeitgeber am Beitrag, aber nicht am Selbstbehalt beteiligt. Muss der Arbeitnehmer also nur die Hälfte des Monatsbeitrags (250 beziehungsweise 200 Euro) zahlen, spart er im Selbstbeteiligungstarif auch nur 600 Euro (zwölfmal 50 Euro).

Hoher Eigenanteil bringt hohe Ersparnis, aber auch Risiken

Jeder sollte sich also vor Abschluss seinen persönlichen Vorteil ausrechnen und dabei sich auch die Auswirkungen unterschiedlicher Höhen der Selbstbeteiligung betrachten. Je stärker der Versicherte ins Risiko geht, desto mehr kann er häufig sparen. Gerade für Menschen, die selten zum Arzt gehen, scheint eine hohe Selbstbeteiligung attraktiv. Womöglich kommt es gar nicht zur Zahlung der kompletten Eigenleistung. Aber Vorsicht: Keiner sollte auf ewige Gesundheit spekulieren. Der vereinbarte Selbstbehalt sollte daher im Finanzbudget immer zur Verfügung stehen. Dies kann gerade bei der Hauptzielgruppe, den Selbstständigen und Freiberuflern, eine Herausforderung werden, wenn eine längere Krankheit eintritt, die nicht nur zu hohen Krankheitskosten führt, sondern auch zu Einnahmeausfällen. Zudem können die Anbieter im Rahmen der Beitragsanpassungen auch Selbstbehalte erhöhen. Die Höhe des Selbstbehalts sollte also mit Bedacht gewählt werden und falls möglich entsprechende Rücklagen gebildet werden.

Bei der Wahl der richtigen Höhe sollte zudem bedacht werden, dass die Selbstbeteiligung mehr oder weniger eine Einbahnstraße ist. Ein Wechsel von einem Normaltarif zu einem Selbstbehalt-Tarif oder eine Erhöhung der Selbstbeteiligung stellt in der Regel keinerlei Problem dar. Die Gegenrichtung ist jedoch nicht so leicht zu beschreiten. Bei einer gewünschten Senkung oder gar der kompletten Aufhebung des Selbsthalts spielen Versicherer nicht so einfach mit.

Junge, gesunde Menschen sollten also nicht nur aufgrund des günstigen Preises zu einer hohen Selbstbeteiligung greifen, sondern bedenken, dass sie ihre Krankenversicherung idealerweise fürs ganze Leben abschließen und sich ihr Gesundheitszustand verschlechtern kann.

Steuerliche Behandlung von Selbstbeteiligungen

Auch Steueraspekte sind bei der Auswahl zu beachten. Die Beitragsanteile einer privaten Kranken- und Pflegeversicherung, die der Absicherung der Leistungen auf Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen, sind vollständig als Sonderausgaben in der Steuererklärung absetzbar. Selbstbehalte können die Steuerersparnis schmälern, denn sie zählen nicht zu den Sonderausgaben. Das hat der Bundesfinanzhof 2016 bestätigt (Az. X R 43/14). Sie sind theoretisch als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig, diese kommen aber nur zum Tragen, wenn individuelle Belastungsgrenzen überschritten sind.

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