Wechsel in die private Krankenversicherung: Was Arbeitnehmer wissen müssen

Wechsel in die private Krankenversicherung: Wichtige Infos und Tipps für ArbeitnehmerWenn Sie als Arbeitnehmer ausreichend verdienen, haben Sie die Möglichkeit, von der gesetzlichen in eine private Krankenversicherung (PKV) zu wechseln. Das bringt einige Vorteile mit sich. Trotzdem sollten Sie sich vorab über die Voraussetzungen und Bedingungen informieren, damit Sie die richtige Entscheidung treffen. Wir haben Ihnen alles Wissenswerte zusammengestellt.

Private Krankenversicherung: Diese Voraussetzungen müssen Arbeitnehmer erfüllen

In eine private Krankenversicherung können Sie als Arbeitnehmer wechseln, wenn Sie

  • freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert sind. In diesem Fall haben Sie jederzeit die Möglichkeit, zum Ende des übernächsten Kalendermonats bei der GKV zu kündigen. Ein Beispiel: Wenn Sie im Januar kündigen, endet Ihre GKV-Mitgliedschaft zum 31. März und Sie sind ab 01. April privat krankenversichert.
  • im Laufe des Jahres 2017 eine Gehaltserhöhung erhalten, wodurch das hochgerechnete Jahres-Brutto-Gehalt sowohl die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) für das Jahr 2017 von 57.600 Euro als auch die JAEG für 2018 übersteigt. Dann können Sie als Arbeitnehmer zum 1. Januar 2018 von der GKV in eine private Krankenversicherung wechseln.
  • in 2017 eine Beschäftigung neu aufnehmen (z.B. nach einem Arbeitgeberwechsel oder Studium) und mit Ihrem prognostizierten Jahres-Brutto-Gehalt über der JAEG von 57.600 Euro liegen. Sie können sich dann direkt ab Beginn der Beschäftigung privat krankenversichern.

Gut zu wissen:
Die Feststellung der so genannten Versicherungsfreiheit nimmt der Arbeitgeber vor und meldet dies der zuständigen gesetzlichen Krankenkasse. Gleichzeitig werden auch Sie als Arbeitnehmer darüber informiert.

Wie hoch sind Arbeitgeberzuschuss und Arbeitnehmeranteil?

Arbeitgeber beteiligen sich mit bis zu 50 Prozent an den Beiträgen der privaten Krankenversicherung. Der Arbeitnehmeranteil umfasst den restlichen Betrag.

Maximaler Arbeitgeberanteil 2017 für Arbeitnehmer

Bis zu diesen Höchstsätzen sind die Beiträge für privat krankenversicherte Arbeitnehmer einschließlich Ehepartner und Kinder zuschussfähig. Dabei müssen gesetzliche Voraussetzungen eingehalten werden. Zum Beispiel darf das Einkommen des Ehepartners nicht mehr als 415 Euro pro Monat betragen bzw. einen Minijob mit monatlich 450 Euro nicht überschreiten.

Folgende Beiträge sind für Sie als Arbeitnehmer zuschüssfähig:

Abschluss einer privaten Krankenversicherung: Darauf sollten Sie als Arbeitnehmer achten

Bevor Sie eine private Krankenversicherung abschließen, sollten Sie die verschiedenen Leistungspunkte in Ihrem Wunschtarif überprüfen und sich fragen, ob dieser Leistungsumfang tatsächlich Ihren Bedürfnissen entspricht.

Tipps zur Auswahl des Tarif-Beitrags

Die PKV ist kein „Beitrags-Sparvertrag“. Sie ist für die Menschen eine Alternative, die es vorziehen, ihren eigenen Krankenversicherungsschutz individuell zusammenzustellen – um dadurch bei Arzt, Zahnarzt, Krankenhaus, Behandlungsmethoden und Medikamenten ein Mitspracherecht zu haben.

Am GKV-Höchstsatz orientieren

Orientieren Sie sich bei der Wahl des PKV-Beitrags am GKV-Höchstbeitrag. Davon profitieren Sie langfristig am meisten. Denn: Wer in der gesetzlichen Krankenkasse freiwillig versichert ist, zahlt meist schon nach ein bis zwei Jahren den Höchstbeitrag, also ca. 805 Euro pro Monat. Für den gleichen Betrag bekommen Sie als Arbeitnehmer in der privaten Krankenversicherung mehr und vor allem garantierte Leistungen. Mehr noch: Sie sind flexibler, da Sie mehr Wechseloptionen haben als in der GKV.

Bei zu geringen Tarif-Beiträgen sind Sie in der Regel unterversichert, was Sie irgendwann teuer zu stehen kommen kann.

Eine optimale PKV beinhaltet sechs Bausteine:

  • Ambulant
  • Stationär
  • Zahn
  • Krankentagegeld
  • Beitragsentlastung im Ruhestand
  • Pflege
1. Ambulant

Selbstbeteiligung (SB): Der Arbeitgeber beteiligt sich fast nie an der SB, dafür aber bis zu 317,55 Euro (Stand: 2017) am Tarifbeitrag. Für Arbeitnehmer empfiehlt es sich daher, beim Wechsel in eine private Krankenversicherung keine oder nur eine geringe SB zu vereinbaren (der höhere Beitrag baut auch höhere Alterungsrückstellungen auf und das Finanzamt bezahlt am Beitrag über das Bürgerentlastungsgesetz (BEG) mit).

2. Stationär

Wahlleistungen (Volksmund: „Chefarzt“) und 2-Bett-Zimmer sollten für die optimale PKV mindestens vereinbart werden.

3. Zahn

Je nach persönlicher Ausgangssituation (finanzielle Mittel) sollte eine entsprechende Erstattungsleistung gewählt werden. 50 % oder mehr für Zahnbehandlung und Zahnersatz sollten es mindestens sein.

4. Krankentagegeld

Eine Absicherung des Verdienstausfalls durch eine Krankentagegeldversicherung ist aus wirtschaftlich existentiellen Gründen ein Muss. Der gewählte Tarif des Krankenversicherers sollte regelmäßig eine Erhöhung des Krankentagegeldes ohne Gesundheitsprüfung zulassen, mindestens jedoch in den ersten zwei Monaten nach Gehaltserhöhung.

5. Beitragsentlastung im Ruhestand

Im Ruhestand entfallen der Arbeitgeberzuschuss, der gesetzliche Beitragszuschlag von 10 % und der Beitrag für das Krankentagegeld. Es ist empfehlenswert, den Wegfall des Arbeitgeberzuschusses durch eine Beitragsentlastungskomponente (BEIA) zu versichern. Wenn Arbeitnehmer in einer privaten Krankenversicherung sind, ist diese höchst interessant. Denn die BEIA ist während der Erwerbsphase arbeitgeberzuschuss- und BEG-fähig.

6. Pflege

Allein durch die gesetzlich vorgeschriebene Pflegepflichtversicherung sind zukünftige Pflegekosten schon heute kaum mehr zu decken.

TIPP:
Sorgen Sie rechtzeitig vor und kombinieren Sie eine private Pflegetagegeldversicherung mit einer fundierten Altersvorsorge. So sind Sie optimal abgesichert.

Wichtiges zur Beitragsrückerstattung

Eine im Tarif enthaltene Beitragsrückerstattung (BRE) sollte kein alleiniges Auswahlkriterium für eine Tarifentscheidung sein. Wenn jedoch alle anderen Auswahlkriterien passen, ist eine BRE ein willkommenes Instrument, um damit kleinere, die Gesundheit erhaltende Maßnahmen selbst zu bezahlen. Denn wenn im Versicherungsjahr keine Krankheitskosten für den Versicherten anfallen, steht die Beitragsrückerstattung zur freien Verfügung.

Gut zu wissen:
Arbeitnehmern steht eine Beitragsrückerstattung zu 100 % zu, wenn sie einen BRE-fähigen Tarif abgeschlossen haben. Sie bezahlen den Tarifbeitrag in voller Höhe und bestimmen den Leistungsumfang ihrer PKV im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften selbst.

TIPP:
Nutzen Sie eine BRE genauso wie eine Beitragsersparnis gegenüber einer GKV, um fürs Alter vorzusorgen, und sparen Sie diese an.

Steuerfreies Krankentagegeld in der privaten Krankenversicherung

Das privat versicherte Krankentagegeld soll Ersatz für das ausfallende Nettoeinkommen bei Arbeitsunfähigkeit bzw. Krankheit sein. Seine Bedeutung als notwendige Absicherung gegen den Verdienstausfall wird in der Praxis leider oft unterschätzt.

Der Grund: Wenn Sie als Arbeitnehmer eine private Krankenversicherung abschließen, wird das Krankentagegeld zwar einmal richtig bemessen, dann aber oft über Jahre hinweg nicht mehr angepasst. Das Ergebnis: Aufgrund des mittlerweile gestiegenen Gehalts kommt es im Krankheitsfall zu einer Unterversicherung. Das Einkommen sinkt und laufende Kosten sind schwer bzw. nicht mehr bezahlbar. Das „Abrutschen“ in die sozialen Sicherungssysteme bis hin zu Hartz IV geht schnell. Im Vergleich dazu ist der geringe Betrag für das Absichern des Einkommensverlustes durch Krankheit gut investiert.

Fehlt es am Krankentagegeld, kann eine langwierige Krankheit oder eine länger andauernde Unfallfolge das finanzielle Ein- und Auskommen gefährden. Sichern Sie sich deshalb vor Einkommensverlust ab.

Gut zu wissen:
Das Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist zwar auch steuerfrei, erhöht aber – im Gegensatz zur privaten Krankentagegeldversicherung – den Steuersatz auf andere Einkünfte (Progressionsvorbehalt).

 

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