Portabilität der Alterungsrückstellung beim Tarifwechsel

Portabilität von Alterungsrückstellung beim Tarifwechsel

Was ist bei der Mitnahme meiner Alterungsrückstellung (AR) von Versicherer (A) zu (B) zu beachten?

Alte Tarifwelt bis 31.12.2008

Der Gesetzgeber hat die Krankenversicherer durch die Gesundheitsreform vom April 2007 verpflichtet, den Wechsel des Anbieters einfacher zu gestalten. Bis zu diesem Zeitpunkt verblieb bei einer Kündigung des PKV Tarifes die gesamte Alterungsrückstellung (AR) in der Versichertengemeinschaft beim bisherigen Krankenversicherer.

Somit gilt:

Keine Mitnahme der Alterungsrückstellung von Versicherer (A) nach (B) für Versicherungsverträge, in denen ein Versicherungsbeginn vor dem 31.12.2008 steht.

Seit dem 01.01.2009 sind Alterungsrückstellungen, die in der privaten Krankenversicherung gebildet werden, portabel.

Neue Tarifwelt ab 01.01.2009

2009 brach ein neues Zeitalter in der privaten Krankenversicherung an. Deshalb spricht man auch von der sogenannten „Neuen Tarifwelt“, denn erstmals ist seitdem ein Teil der Alterungsrückstellung übertragbar, so dass bei einer Kündigung diese Übertragungswerte zu einem neuen Krankenversicherer mitgenommen werden können.

Unisex Tarifwelt ab 21.12.2012

Das gilt auch für die seit dem 21.12.2012 gültigen Unisextarife, bei denen die Beitragskalkulation nicht mehr zwischen Frauen und Männern unterscheidet. Seit Einführung der Unisextarife sind alle Tarife der so genannten Bisex-Welt nicht mehr für den Neuzugang geöffnet. Ausnahmen gibt es nur beim Tarifwechsel nach § 204 VVG innerhalb der eigenen Gesellschaft und in der Kindernachversicherung.

Welcher Personenkreis hat dadurch Vorteile?

Übertragungswerte in der PKV sind nur für Versicherte interessant, die ihren PKV-Vertrag nach dem 01.01.2009 neu abgeschlossen haben. Alle Kunden, deren PKV nach dem 01.01.2009 begonnen hat, haben durch die Bildung von Übertragungswerten einen Vorteil.

Betroffen sind nur PKV-Kunden der Neuen Tarifwelt und der Unisexwelt. Die Übertragungswerte werden ausschließlich durch Kündigung aktiviert, das heißt, bei einem Wechsel des Anbieters durch Kündigung bleibt ein Teil der bei Versicherer (A) gebildeten Alterungsrückstellung für den Kunden erhalten und wird zu seinem neuen Krankenversicherer (B) übertragen.

Was genau ist übertragbar?

Übertragungswerte entstehen in der Krankheitskosten-Vollversicherung. Übertragen wird nicht die gesamte Alterungsrückstellung, die gebildet wurde, sondern lediglich der Teil, der dem Basistarif entspricht. (Siehe Grafik: Blauer Sockel – Portabilität der (AR) aus Basistarif ab 01.01.09)

Außerdem werden in der Privaten Pflege Pflichtversicherung (PPV) Übertagungswerte gebildet. Im Unterschied zur Krankenvollversicherung wird hier die gesamte Alterungsrückstellung bei Kündigung auf einen neuen Anbieter übertragen. Auch wenn das erst seit dem 01.01.2009 durch den Gesetzgeber festgelegt wurde, gilt diese Regelung auch für Verträge, die älter sind. Im Gegensatz zur Krankenvollversicherung, bei der diese Regelung nicht auf ältere Verträge anwendbar ist.

Hinweis: Auch wenn vielfach der Grundsatz gilt, „Pflegepflichtversicherung folgt der Krankenvollversicherung“, ist es möglich, bei einem Wechsel des PKV-Anbieters die Pflegepflichtversicherung beim bisherigen Krankenversicherer zu belassen, um sich dadurch das bisherige Eintrittsalter und auch den früheren Gesundheitszustand und den meist niedrigeren Tarifbeitrag zu erhalten.

Gut zu wissen: Die Übertragung der Alterungsrückstellung auf einen anderen Versicherer entsteht ausschließlich durch Kündigung.

Portabilität von Alterungsrückstellung

Die grünen Flächen zeigen den Aufbau der Alterungsrückstellung (AR) bei Versicherer (A). Die blaue Fläche ist der Teil der (AR), der im Basistarif entstanden wäre, wenn Sie als Kunde dort versichert gewesen wären. Dieser Teil der Alterungsrückstellung (AR), der im Basistarif entstanden wäre, ist beim Wechsel von Versicherer (A) portabel und kann zu Versicherer (B) mitgenommen werden.

Wie erfahre ich die Höhe meiner Übertragungswerte?

Seit dem 01.01.2009 können Versicherte bei ihrem PKV-Anbieter jederzeit die Höhe der Übertragungswerte in der Krankenvollversicherung und in der Pflegepflichtversicherung schriftlich erfragen. Der Krankenversicherer ist verpflichtet, seinem Versicherungsnehmer auf Anfrage diese Auskünfte zu erteilen.

Übertragungswerte bei einem Tarifwechsel nach § 204 VVG

Ein Tarifwechsel innerhalb des Unternehmens nach § 204 VVG hat nichts mit einer Kündigung gemeinsam, sondern ist lediglich eine interne vertragliche Umstellung innerhalb des eigenen Unternehmens, die das Leistungsversprechen (Tarifinhalt) betrifft. Die Übertragungswerte hingegen werden ausschließlich dazu gebildet, um bei einer Kündigung zu einem anderen Krankenversicherer übertragen zu werden. Streng genommen sind Übertragungswerte nichts anderes, als eine Form der Alterungsrückstellung. Dennoch sind sie zweckgebunden.

Bei einem Tarifwechsel innerhalb des Unternehmens nach § 204 VVG bleibt die gebildete Alterungsrückstellung (AR) (die grüne und blaue Fläche der AR aus dem Schaubild) zu 100% erhalten und wird auf den neuen Tarif angerechnet. Eventuell bestehende Übertragungswerte bleiben dabei unberücksichtigt.

In welchen Fällen sollte der Wechsel des Versicherers geprüft werden?

Manchmal kann es auch sinnvoll sein, den Versicherer zu wechseln. Ein Anbieterwechsel sollte aber vorwiegend nur dann in Betracht gezogen werden, wenn man sich erstmalig nach dem 01.01.2009 privat krankenversichert hat, gesund ist, Übertagungswerte aus der Krankenvollversicherung zur Verfügung stehen und es auch nach reiflicher Überlegung und Abwägung der Möglichkeiten keine andere Lösung gibt.

Das könnte zutreffen, wenn beispielsweise…

  • ein Risikozuschlag bei Versicherungsbeginn vereinbart werden musste, in der Zwischenzeit die Ausheilung erfolgt ist und von einem behandelnden Arzt bescheinigt wurde, aber der Krankenversicherer sich weigert, den Zuschlag zu reduzieren, obwohl bereits alle Mittel eingesetzt wurden und nur noch der Klageweg bleibt. Sollte durch die bisherige Versicherungszeit bei einem anderen Krankenversicherer die bereits ausgeheilte Erkrankung nicht mehr in den zu erfragenden Zeitraum von 3, 5 oder gegebenenfalls 10 Jahren fallen, dann ist das eine Chance, durch die Kündigung den Risikozuschlag dauerhaft zu vermeiden.
  • Oder überproportionale Beitragsanpassungen erfolgen und es gibt keine tariflichen Alternativen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Stehen keine anderen Tarife zur Verfügung, die preiswerter sind und zumindest annähernd ein ähnliches Leistungsversprechen haben, dann kann der Wechsel des Anbieters durchaus ein Mittel sein, sich zu verbessern.
  • Die Tariflandschaft, vielleicht auch der Versicherer, mit den neuen eigenen Wünschen und Bedürfnissen mangels ungeeigneter Alternativen nicht mehr passend ist. Es kann u.U. nach eingehender Beratung und Prüfung aller Vor- und vor allem der Nachteile sinnvoll sein, den Versicherer zu wechseln, wenn das Alter und der Gesundheitszustand dies zulässt und die Zeit bis und im Ruhestand den Verlust einer aufgebauten Alterungsrückstellung und anderer erworbener Vorteile und Rechte durch den Wechsel mit anderen geeigneten Maßnahmen ausgleichen lässt.

Da seit 2009 bei Kündigung ein Teil der Alterungsrückstellung (AR) übertragen wird, ist der zu erleidende Verlust in dieser Hinsicht möglicherweise vergleichsweise gering.

Trotzdem besteht die Gefahr einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung. Außerdem beginnen durch einen Neuabschluss die Verjährungsfristen von vorne. Bei einem Neuabschluss wird das neue Eintrittsalter zugrunde gelegt und er ist außerdem mit einer Gesundheitsprüfung verbunden. Alle diese Auswirkungen und möglichen Nachteile sollten vor einer Kündigung gründlich bedacht werden.

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