Private Krankenversicherung vs. Krankenkasse

Wieso die Bezeichnung „Private Krankenkasse“ falsch ist.

Private Krankenversicherung vs. Krankenkasse. Wieso die Bezeichnung
Viele PKV-Neukunden greifen – der Unwissenheit oder dem Volksmund geschuldet – auf die Bezeichnung „Private Krankenkasse“ zurück, wenn es darum geht, in die PKV zu wechseln oder Leistungen privater Krankenversicherungen zu vergleichen.

Private Krankenkasse oder Private Krankenversicherung?

Der Begriff Krankenkasse kommt aus dem Gedanken der Sozialkassen. Grundlage der Sozialkassen sind die Sozialgesetzbücher (SGB 1 bis SGB 12).

Die Bezeichnung Private Krankenkasse zeugt davon, dass das wirkliche Verständnis dafür fehlt, was die Private Krankenversicherung (PKV) von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – die tatsächlich eine Krankenkasse ist – unterscheidet.

Dass eine Private Krankenversicherung etwas anderes als eine Krankenkasse ist, ist jedoch von hoher Relevanz – und zwar vor allem dann, wenn mit dem Gedanken gespielt wird, sich dort zu versichern.

Allerdings sagt der Volksmund auch gerne, dass jemand bei einer „GKV privat versichert“ wäre oder auch „freiwillig privat GKV versichert“ sei. Das ist ebenfalls falsch.

Wird das Kostenerstattungsprinzip (§ 13 SGB V) gewählt, nähert sich die GKV tatsächlich einer privaten Kostenerstattungsversicherung.

Sozialkassen oder Sozialversicherung?

In einer Sozialkasse und/oder Sozialversicherung ist die Mitgliedschaft per Gesetz gegeben, so dass in so einem Fall von einer Pflichtmitgliedschaft oder Pflichtversicherung gesprochen wird. Besteht keine rechtliche Notwendigkeit mehr, ist es dennoch möglich, seine Mitgliedschaft auch freiwillig fortzusetzen oder sogar der Sozialkasse freiwillig beizutreten.

Dennoch wird eine Sozialkasse oft als Sozialversicherung bezeichnet, was sie aber eben nicht wirklich ist – denn die Versicherungen unterliegen dem Versicherungsaufsichts- und dem Versicherungsvertragsgesetz. Diese beide Gesetze sind jedoch nicht als Grundlage der Sozialversicherung zu sehen, da kein Vertrag abgeschlossen und kein Versicherungsschein ausgestellt wird.

Die Begrifflichkeit Kasse für Sozialversicherungen ist dagegen richtig, weil es ein Umlagesystem ist und das Äquivalenzprinzip (Beitrag und Leistung entsprechen sich) keine Anwendung findet. Die Träger sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und übernehmen letztendlich in eigener Verantwortung die staatlichen Aufgaben.

Zwischen den Leistungserbringern (Ärzte etc.) und den Versicherten besteht kein direktes Rechtsverhältnis. Der Leistungskatalog ist veränderbar: Es besteht kein Besitzstandsrecht.

Wieso die Bezeichnung „Private Krankenkasse“ falsch ist

Die Bezeichnung Private Krankenkasse ist falsch, weil die PKV nur eine Rückversicherung ist und die Kosten erstattet, die durch den Vertrag (gekaufter Inhalt, gekaufter Umfang) abgesichert sind. Auch hier schreitet die Entwicklung voran und die PKV Versicherer haben seit der VVG-Reform am 01.01.2008 weitere zusätzliche Aufgaben, wie zum Beispiel die rechtliche Beratung und Vertretung bei Abrechnungsproblemen mit Leistungserbringern.

Das Rechtsverhältnis ist aber eben ein anderes. Der privat Versicherte ist gegenüber dem Leistungserbringer (z.B. Arzt) ein Selbstzahler – „so wie bei jedem Handwerker im normalen Leben auch“ – und schließt einen Behandlungsvertrag. Er alleine entscheidet gemeinsam mit den Leistungserbringern über die Methoden der Untersuchungen und Behandlungen und ist verpflichtet, die Rechnung für die bestellte Leistung zu bezahlen.

Der Versicherer (Rückversicherung) erstattet den Teil der Kosten, der den vertraglichen Bedingungen (MBKK, Musterbedingungen Krankheitskosten bzw. AVB, allgemeine Versicherungsbedingungen) der Art und Höhe nach entspricht. Gewertet werden medizinische Notwendigkeit, wissenschaftliche Anerkennung und Unangemessenheit der Versorgung oder der Vergütung bzw. Höchstsätze, Jahreshöchstsätze, Unterdeckungen, Begrenzungen und Leistungsausschlüsse. Im Idealfall sind das 100% des Rechnungsbetrages, aber ggf. eben nicht.

In einer PKV wird also das erstattet, was über die AVB eingekauft wurde.

Tipp: Damit die Erwartungen später auch erfüllt werden, ist die richtige Auswahl des bedarfsgerechten Versicherungsvertrages entscheidend.

Die Krankenkasse der PKV

Die PKV bietet den Versicherten auf der Basis gesetzlicher Entscheidungen Sozialtarife an. Dazu gehören neben dem Basistarif (BTN), der die GKV ziemlich exakt abbildet, der Standardtarif (STN), der Notlagentarif (NL) und auch die Private Pflegepflichtversicherung (PPV), die der Sozialen Pflegekasse der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht nur exakt entsprechen, sondern für die bei Streitigkeiten auch die Sozialgerichte zuständig sind.

Beim Basistarif (BTN) könnte man von einer Privaten Krankenkasse sprechen.

Unsere Empfehlung

Für die Kommunikation mit Behörden, privaten Versicherern, Sozialversicherungsträgern und Versicherungsberatern und –vermittlern ist es sinnvoll, wenn man die richtigen Begriffe verwendet:

Sozialversicherungen oder Sozialkassen

  • Deutsche Rentenversicherung (DRV)
  • Berufsgenossenschaft (BG)
  • etc.

Gesetzliche Krankenversicherungen oder Krankenkassen (GKV)

  • ggf. pflichtversichert, freiwilliges Mitglied oder Familienversicherung
  • soziale Pflegekasse der GKV

GKV mit gewähltem Kostenerstattungsprinzip (§ 13 SGB V)

  • ambulante Leistung
  • veranlasste Leistung (Verordnungen / Rezepte)
  • zahnmedizinische Leistung
  • stationäre Leistung
  • ggf. Wahltarife nach § 53 SGB V

Private Krankenversicherung

  • normale Tarife
  • Restkosten- oder Quotentarife (Beamte)
  • Sozialtarife

Auch gegenüber den Leistungserbringern ist es wichtig, sich richtig darzustellen: Nämlich als GKV, GKV mit Kostenerstattungsprinzip, PKV- wahlweise mit Standard-, Notlagen– oder Basistarif.

Lassen sie sich von Ihrem Versicherungsvertreter, Ihrem Versicherungsmakler oder einem unabhängigen Versicherungsberater bzw. Ihrem Ansprechpartner des Versicherers im angestellten Außendienst beraten.

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Dann nutzen Sie unseren kostenlosen PKV-Rechner, um die aktuellen Leistungen der unterschiedlichen Versicherungsanbieter für Ihr heutiges Lebensalter zu vergleichen. Das Schöne daran: Der Tarifvergleich ist komplett anonym, Sie müssen also keine persönlichen Daten eingeben.

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