Eine Option bei steigenden Beiträgen: Private Krankenversicherung wechseln

An so manchem Jahresende bekommen Versicherte Post von der privaten Krankenversicherung (PKV) mit der Ankündigung, dass die Beiträge für ihren Tarif im nächsten Jahr steigen.

Warum ist das so?
PKV-Beiträge dürfen erst erhöht werden, wenn so genannte auslösende Faktoren eintreten. Das heißt, wenn die Kalkulation im Tarif von den tatsächlichen Kosten um einen bestimmten Prozentsatz (meistens 5 bis 10 %) abweicht. In dem Fall muss der Versicherer bei der Kalkulation z.B. den Rechnungszins und die Sterbetafel und somit den Beitrag anpassen.

Gründe für Beitragsanpassungen können zum Beispiel sein:

  • Medizinische Inflation: Die Behandlungen kosten mehr.
  • Die Lebenserwartung steigt: Neue Sterbetafeln müssen eingepreist werden.
  • Reduzierung der Zinseinnahmen für Geldanlagen: Der Rechnungszins muss gesenkt werden.

In einzelnen Fällen kann es sinnvoll sein, die private Krankenversicherung zu wechseln. Aber auch ein PKV Tarifwechsel kommt in Frage. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie hier.



PKV wechseln: Das ist bei der Wahl des passenden Anbieters entscheidend

Niemand kann seriös Beitragsentwicklungen in der PKV vorhersagen. Dafür gibt es zu viele unbekannte Faktoren, wie z.B. politische Entscheidungen aus Berlin, die sowohl die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) als auch die PKV betreffen. Es ist jedoch möglich, bei der Wahl der passenden PKV auf bestimmte Kriterien zu achten, die darauf hindeuten, dass man von einer moderaten Beitragsentwicklung in der Zukunft ausgehen kann.

TIPP:
Behalten Sie immer nur die absoluten Zahlen im Auge, wenn Sie überlegen, die private Krankenversicherung zu wechseln. Genau wie der PKV-Beitrag steigt auch der GKV-Beitrag durch Änderungen der Bemessungsgrenze, der Beitragssätze und der individuellen Zusatzbeiträge je Kasse in Euro und nicht in Prozent. Mehr zum Thema „GKV und PKV im Vergleich“ finden Sie hier.

Bei der Wahl einer PKV spielt die Prüfung der Qualität des Versicherungsunternehmens eine sehr wichtige Rolle. Dies geschieht unter anderem durch PKV-Kennzahlen. Wer mit seiner privaten Krankenversicherung nicht mehr zufrieden ist und deshalb den Anbieter wechseln möchte, sollte deshalb sowohl auf die PKV-Kennzahlen als auch auf die Gesellschaftsform AG oder VVaG achten.

Denn entscheidend beim Vergleich privater Krankenversicherungen ist die Gegenüberstellung von zu zahlenden Tarif-Beiträgen, Tarifleistungen nach den allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) und PKV-Kennzahlen.

Diese PKV-Kennzahlen sind wichtig:

1. Nettoverzinsung

Eine der wichtigsten PKV-Kennzahlen ist die Nettoverzinsung. Diese gibt an, wie gut eine private Krankenversicherung die von den Kunden in Verwahrung gegebenen Gelder (hauptsächlich die Alterungsrückstellungen) angelegt hat. Sie spiegelt also die Qualität der Kapitalanlagepolitik des Krankenversicherers wider.

Je höher die Nettoverzinsung ausfällt, desto besser ist es für die Versicherten und die zukünftige Beitragsentwicklung. Deshalb beachten  Sie diese Kennzahl, wenn Sie die PKV wechseln möchten. Jedoch nicht alleine.

2. RfB-Quote

Die RfB-Quote (Rückstellung für Beitragsrückerstattung) bringt zum Ausdruck, über welche Mittel – bezogen auf die Beitragseinnahmen – eine PKV zusätzlich für Beitragsentlastungen oder Barausschüttungen in den nächsten 3 Jahren verfügt.

Barausschüttungen finden in Form einer Beitragsrückerstattung (BRE) in Euro an die Versicherten statt. Unter Beitragsentlastungen versteht man:

  • Beitragsreduzierungen
  • Milderung von Beitragsanpassungen
  • Finanzierung von Mehrbeiträgen aufgrund von Leistungsverbesserungen

Grundsätzlich gilt: Je höher diese Quote ist, desto besser. Eine niedrige Quote kann bedeuten, dass der Krankenversicherer einen jungen Bestand / hohen Neuzugang hat bzw. nur in der Lage ist, weniger Rückstellungen zu bilden.

Umgekehrt kann eine hohe Quote auf einen überalternden Bestand hinweisen. Sie kann aber auch bedeuten, dass das Unternehmen gerade überdurchschnittlich hohe Rückstellungen aufbaut und sich in einer guten Lage befindet. Die RfB-Quote sollte daher im Zusammenhang mit dem Wachstum in der Vollversicherung interpretiert werden.

Über die Verwendung der RfB-Quote entscheidet der Vorstand. Unternehmenskennzahlen sind eben Kennzahlen des Unternehmens und unterliegen Marktgegebenheiten. Garantiert sind die Tarif-Leistungen durch die allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB).

3. Weitere Kennzahlen

Das versicherungsgeschäftliche Ergebnis und das Wachstum stellen weitere Kennzahlen dar. Wichtig ist: Betrachten Sie PKV-Kennzahlen immer zusammen und auf einen längeren Zeitraum, wenn Sie die private Krankenversicherung wechseln möchten.

Fazit:
PKV-Kennzahlen helfen bei der PKV- und Tarifwahl nur bedingt, zeigen aber, wie ein Unternehmen „denkt“: für die Aktionäre oder für die Versichertengemeinschaft.

Private Krankenversicherung wechseln: Das müssen Sie über Alterungsrückstellungen wissen

Wer die PKV wechseln möchte, muss in der Regel mit Mehrkosten rechnen, da persönlich angesammelte Alterungsrückstellungen nicht einfach zu einer anderen PKV mitgenommen werden können. Und gerade diese Alterungsrückstellungen sind so etwas wie ein Sparbuch, das im Alter dazu dienen soll, höhere Beiträge wegen altersbedingt zunehmenden Krankheitskosten zu verhindern. Mehr Informationen zum Thema Alterungsrückstellungen finden Sie hier.

Übertragbarkeit der Alterungsrückstellungen

Um die Wechselmöglichkeiten der PKV-Versicherten zu stärken und den Wettbewerb der privaten Krankenversicherungen zu intensivieren, wurde mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) eine Übertragbarkeit von Teilen der Alterungsrückstellungen auch zwischen den verschiedenen PKV eingeführt.

Bis zur Einführung des Basistarifs beschränkte sich der Wettbewerb der privaten Krankenversicherer im Wesentlichen auf die Neuversicherung von jungen und damit höchstwahrscheinlich gesunden Personen. Für schon länger privat Krankenversicherte war das Wechseln der privaten Krankenversicherung allerdings mit erheblichen Beitragserhöhungen verbunden und damit „der Zug praktisch abgefahren“.

Diese höheren Beiträge gab es, weil die Alterungsrückstellungen nicht zu einem neuen Krankenversicherer mitgenommen werden konnten. Privatversicherte, die ihren Krankenversicherer wechselten, mussten also ihre Alterungsrückstellungen bei der neuen PKV komplett neu aufbauen. Das machte die Beiträge mit dem dann höheren Eintrittsalter normalerweise deutlich teurer. So war das Wechseln der privaten Krankenversicherung bei annähernd gleichen Tarifleistungen praktisch immer mit höheren Beiträgen verbunden.

Gut zu wissen:
Wenn Sie bei einem Wechsel in eine andere PKV in Bezug auf die Übertragbarkeit der Alterungsrückstellungen schlecht beraten wurden, haben Sie ggf. Anspruch auf Schadenersatz. Hier erfahren Sie mehr dazu.

Änderungen durch Einführung des Basistarifs

Seit der Einführung des Basistarifs ist es privat Krankenversicherten nun möglich, die Alterungsrückstellungen mitzunehmen, wenn sie die PKV wechseln. Beim neuen Anbieter werden Wechsler dann so gestellt, als ob sie dort in dem Alter eingetreten wären, in dem sie den Tarif  bei ihrer alten PKV abgeschlossen haben.

Wichtiger Hinweis:
Für alle Tarife gilt (auch für die, die über den Leistungsumfang des Basistarifs hinausgehen), dass die Übertragbarkeit nur in Höhe des standardisierten Basistarifs gegeben ist. Das heißt: Bei leistungsstarken Tarifen muss weiterhin damit gerechnet werden, dass beim Wechseln des privaten Krankenversicherungsanbieters Alterungsrückstellungs-Verluste zu verkraften sind.

Wechselmöglichkeiten eines PKV-Versicherten
Handlungsoptionen / Wechsel nach § 204 VVG

In der PKV versichert seit mind. Ende 2008

(BiSex – alte Welt)

In der PKV versichert seit Anfang 2009

(BiSex – neue Welt)

In der PKV versichert seit
21.12.2012
Standardtarif (ST) Ja Nein Nein
Basistarif (Basis) Ja Ja Ja
BiSex-Beitrag Ja Ja Nein
UniSex-Beitrag Nein Nein Ja
Tarifwechsel in BiSex-Tarif Ja Ja Nein
Tarifwechsel in UniSex-Tarif Ja Ja Ja
Beachte Gesellschaftswechsel mit hohem Alterungsrückstellungs-Verlust verbunden Gesellschaftswechsel mit geringem Alterungsrückstellungs-Verlust verbunden (teilweise Mitnahme)

Versicherer (Kennzahlen)

Qualitätstarif

Was genau ist der Übertragungswert?

Private Krankenversicherungen, die ab dem 01.01.2009 abgeschlossen wurden, enthalten einen so genannten Übertragungswert. Das heißt: Sie können einen Teil der gesamten Rückstellungen beim Wechseln der privaten Krankenversicherung mitnehmen. Dieser Übertragungswert richtet sich jedoch nach dem Umfang des seit 01.01.2009 gesetzlich vorgeschriebenen Basistarifs. Das heißt: Nur die Rückstellungen, die dem Basistarif entsprechen, können an den neuen privaten Krankenversicherer übertragen werden. Dasselbe gilt für die angesparten Rückstellungen aus dem 10-prozentigen gesetzlichen Zuschlag und die Rückstellungen aus der Pflegepflichtversicherung. Alle anderen angesammelten Rückstellungen verbleiben beim bisherigen Kollektiv.

Die beste Entscheidung ist daher, die private Krankenversicherung überhaupt nicht wechseln zu müssen – indem man bereits vor dem Kauf auf die langfristige Wirkung seiner Kaufentscheidung achtet.

Wie hoch ist der Übertragungswert?
Die Höhe der übertragbaren (Alterungs-)Rückstellungen, hängt von diesen Faktoren ab:

  • von der Dauer der privaten Krankenversicherung
  • vom gewählten Versicherungsschutz bzw. Tarif
  • vom Alter, und bei Versicherungen, die bis zum 21.12.2012 zustande kamen, zusätzlich vom Geschlecht

Gut zu wissen:
Seit 2013 sind private Krankenversicherungen dazu verpflichtet, Ihnen diesen Wert einmal jährlich mitzuteilen.

Möchten Sie in die private Krankenversicherung wechseln?

Dann nutzen Sie unseren kostenlosen PKV-Rechner, um die aktuellen Leistungen und Tarife der unterschiedlichen Versicherungs-Anbieter für Ihr heutiges Lebensalter zu vergleichen. Das Schöne daran: Der Tarifvergleich ist komplett anonym, Sie müssen also keine persönlichen Daten eingeben.

Zum PKV Vergleich

 
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