Tarifwechsel-Leitlinien des PKV Verbandes

Tarifwechsel-Leitlinien des PKV VerbandesDie Tarifwechsel-Leitlinien gelten seit 2016 und sollen einen kundenorientierten Tarifwechsel gewährleisten, bei dem das Versicherteninteresse im Mittelpunkt steht.

Am 01.01.2016 trat die Offensive des PKV-Verbands in Kraft, die dem privat Versicherten die Unterstützung seines Versicherers garantieren soll, wenn er durch einen Tarifwechsel nach §204 VVG seinen Vertrag umstellen und die Vertragsinhalte verändern möchte. Vor allem ältere PKV-Kunden setzen oft aus politisch oder medial getriebener Sorge vermehrt auf diese Strategie, um die Beiträge zu senken. Ein Wechsel des Versicherers würde zu viele Nachteile bedeuten.

Inhalt der Tarifwechsel-Leitlinien kurz zusammengefasst

Die Leitlinien garantieren, dass innerhalb von 15 Arbeitstagen eine Kundenanfrage zum Tarifwechsel bearbeitet und beantwortet wird. Bereits vor Stellen einer solchen Anfrage soll sich der PKV-Kunde darüber klar werden, ob sein Anliegen die Erweiterung seines Versicherungsschutzes betrifft oder auf eine Beitragssenkung gerichtet ist. Der Krankenversicherer verspricht, dass er Vorschläge unterbreitet,

„die sich am individuellen Bedarf des Versicherten und seinen Wünschen orientieren…“ und transparent die Tarifalternativen nennt. Nur so sei es möglich, die „Wahlfreiheit zwischen Tarifen mit Leistungs- und Preisunterschieden kompetent auszuüben…“.
(Zitat aus den Leitlinien)

Die Versicherungswirtschaft hat erkannt, dass es dazu einer qualifizierten Beratung bedarf, die ihr auch vom Gesetzgeber bereits 2008 ausdrücklich auferlegt wurde. Der Paragraph 6 Absatz 4 VVG regelt, dass eine Beratung des Versicherungsnehmers auch nach Vertragsabschluss Aufgabe des Versicherers ist.

Hinweis: Sollte der PKV-Vertrag von einem Versicherungsmakler vermittelt worden sein, dann ist der Versicherer laut Paragraph 6 Absatz 6 VVG nicht mehr zu Beratung verpflichtet. Dagegen erlischt die Beratungsverpflichtung des Versicherers nicht, wenn der Vertrag nur von einem Versicherungsmakler betreut wird, aber nicht ursprünglich vermittelt wurde.

BGH IV ZR 165/12 vom 29.05.2013 Urteil zu Korrespondenzpflicht (Rn 21).

Sollte es zu einer Gesundheitsprüfung kommen, dann informiert er über die Mehrleistungen und einen möglichen Risikozuschlag.

Alle Versicherten, die von einer Beitragsanpassung betroffen sind, erhalten bereits mit Vollendung des 55. Lebensjahres alternative Vorschläge, mit denen der Beitrag gesenkt werden kann. Das ist eine Verbesserung gegenüber der gesetzlichen Regelung, die das erst ab dem Alter 60 vorschreibt.

Die beigetretenen Krankenversicherer verpflichten sich zur Einhaltung aller niedergeschriebenen Punkte der Leitlinien und lassen das auch überprüfen.
Bescheinigen sollen das eigens dazu beauftragte unabhängige Wirtschaftsprüfer.

Diese Krankenversicherer versprechen, sich an die Tarifwechsel-Leitlinien zu halten:

Zu den Mitgliedern des PKV-Verbandes gehören 42 Krankenversicherer. Zu den Tarifwechsel-Leitlinien haben sich noch nicht alle bekannt. 25 Versicherer sind beigetreten.

Dazu zählen:
  • Allianz Private Krankenversicherungs-AG
  • Alte Oldenburger Krankenversicherung AG
  • ARAG Krankenversicherung AG
  • AXA Krankenversicherung AG
  • Barmenia Krankenversicherung a. G.
  • Bayerische Beamtenkrankenkasse
  • CONCORDIA Krankenversicherungs-AG
  • Debeka Krankenversicherungsverein a. G.
  • Deutscher Ring Krankenversicherung a. G.
  • DEVK Krankenversicherung AG
  • DKV Deutsche Krankenversicherung AG
  • Gothaer Krankenversicherung AG
  • HALLESCHE Krankenversicherung auf Gegenseitigkeit
  • HUK-COBURG-Krankenversicherung AG
  • INTER Krankenversicherung a. G.
  • LVM Krankenversicherung AG
  • Mecklenburgische Krankenversicherung AG
  • NÜRNBERGER KRANKENVERSICHERUNG AG
  • Pax-Familienfürsorge Krankenversicherung AG
  • Provinzial Krankenversicherung AG
  • R+V Krankenversicherung AG
  • SIGNAL IDUNA Krankenversicherung a. G.
  • SDK Süddeutsche Krankenversicherung a. G.
  • UKV UNION KRANKENVERSICHERUNG AG
  • Württembergische Krankenversicherung AG.

 

Nach eigenen Angaben repräsentieren diese 25 Unternehmen 80 Prozent des PKV-Marktes.

Diese Vorteile ergeben sich für PKV-Kunden

PKV-Kunden können sicher sein, dass ihr Anliegen gehört wird. Die Versicherer haben sich verpflichtet, innerhalb von 15 Arbeitstagen zu antworten, das entspricht einem Zeitraum von ungefähr drei Wochen.

Den Leitlinien zufolge haben Versicherte einen Anspruch darauf, qualifiziert beraten zu werden, wobei die Unternehmen garantieren, das Kundeninteresse in den Mittelpunkt zu stellen und transparent über mögliche Alternativen zu informieren.

Mit Beitritt zu den Tarifwechsel-Leitlinien bestätigt jeder Krankenversicherer die Verbindlichkeit und genau daran müssen sie sich dann auch messen lassen.

Unbedingt zu beachten:
Tarifwechsel sehen die Krankenversicherer immer kritisch, denn Wanderbewegungen können auch zur Entmischung von Tarifen führen und das führt in der Folge zu weiteren Beitragssteigerungen in diesen Tarifen. Daran ändern auch die Tarifwechsel-Leitlinien nichts. Sie signalisieren nur dem Kunden, dass die Branche sich des Problems bewusst ist und daher einen Maßnahmenkatalog erarbeitet hat, um Abhilfe zu schaffen und betroffenen Kunden zu helfen. Das klappt bei einigen Versicherern bereits gut. Andere sind auf dem Weg, tun sich gerade mit der internen Umsetzung noch schwer.

Auch wenn das Tarifwechselrecht bereits seit 1994 Bestandteil des Versicherungsvertragsgesetzes ist, stellt es die Krankenversicherer vor große organisatorische und personelle Herausforderungen. Um sich den Aufgaben zu stellen, wurde letztlich auch der Leitfaden entwickelt. Die Versicherer bemühen sich, dem gerecht zu werden und kommunizieren das auch der Öffentlichkeit.

Das wollen die Versicherer erreichen

Seit Einführung des Tarifwechselrechts haben sich die Krankenversicherer mit der Umsetzung schwer getan. Die Versicherer haben lange gebraucht, um den Kundennutzen zu realisieren und letztlich auch die Rechtslage, die sich aus Sicht der PKV-Kunden ergibt, richtig einzuschätzen. Man hat sich zunächst viel Zeit dafür gegeben und sich nicht tief genug mit dem Kundenrecht auseinandergesetzt. In der Folge führte das bis zur Blockade und Abwehr von Umstellungswünschen.

Durch das Zögern der Versicherer konnte sich jedoch eine ganz neue Art von Versicherungsdienstleistung etablieren, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Bereich abzudecken, den die Krankenversicherer schwerlich übernehmen wollen und bislang können.

Betroffenen PKV-Kunden wird dabei geholfen, rechtmäßige Ansprüche bei ihrem Krankenversicherer durchzusetzen. Dieser sogenannte Optimierungsmarkt wird von den Krankenversicherern teilweise auch zu recht durchaus kritisch gesehen. Dafür gibt es zwei Gründe:

1. Ein Wechsel in preisgünstigere Tarife führt zu Beitragsverlust. Das ist nicht im Sinne des Versicherers – und des versicherten Kollektivs – im Gegenteil, der Versicherer möchte die Beitragseinnahmen steigern.


2. Wanderbewegungen von älteren zu neueren Tarifen führen langfristig zur Entmischung. Wenn gesündere Versicherte in andere Tarife wechseln, um Beitrag zu sparen, dann verbleiben die kränkeren im Tarifkollektiv. Das nennt man dann in der Fachsprache Entmischung. Steigen die Ausgaben, dann entsteht zusätzlicher Anpassungsbedarf. Es kann sogar dazu führen, dass beide Tarife stärker von einer Beitragsanpassung (BAP) betroffen sind.

Beide Gründe sind durchaus nachvollziehbar und das Problem der PKV ist, dass sie nicht zu unterscheiden vermag zwischen Freund und Feind. Während sich PKV-Experten aus dem Lager der Tarifoptimierer bemühen, den Versicherungsschutz durch einen Tarifwechsel zu erhalten oder bestenfalls zu erweitern, versuchen reine Beitragsoptimierer die größtmögliche Beitragsersparnis (Differenz alt zu neu) zu erreichen. Diese geht grundsätzlich zu Lasten des Leistungsversprechens und ist oft mit der Einschränkung oder dem Verlust von späteren Handlungsoptionen des Kunden verbunden.

Durch die Tarifwechsel-Leitlinien möchte die PKV einerseits dem Kunden signalisieren:

„Du brauchst dir keine Hilfe mehr zu holen, denn wir machen jetzt mit und helfen dir bei deinem vermeintlichen Wunsch, weniger Beitrag zu bezahlen.“

Andererseits ist es gerade das erklärte Ziel, die reinen Beitragsoptimierer kaltzustellen. Es wird alles unternommen, um sie aus der Kundenbeziehung herauszuhalten oder wieder hinauszudrängen. Bedauerlicherweise trifft das auch die guten.

So sieht es in der Praxis aus

Manche Krankenversicherer haben ein Tarifauswahlsystem geschaffen, durch das eine bewusste Steuerung des Kunden möglich ist. Dadurch lassen sich bestimmte Tarife zeigen und andere verschweigen. Die Tarifauswahl trifft der Versicherer und das geschieht nicht unbedingt zum Vorteil des Kunden, wenn der Versicherer nicht alle für die Beratung erforderlichen Lebensumstände oder Auswahlparameter kennt.

Betroffene PKV-Kunden verlassen sich oftmals nicht ausschließlich auf ihren Anbieter, sondern kaufen sich gezielt die Expertise eines Tarifwechselspezialisten ein. Leider tun sich zahlreiche Versicherer schwer dabei, einen Unterschied zwischen den reinen Beitragsoptimierern und externen Fachleuten zu machen, obwohl gerade sie am Ende den Krankenversicherern sogar dabei helfen, noch aufzubauende Beratungskompetenz abzubilden, um das bestmögliche Ergebnis für den PKV-Kunden zu erreichen.

Erfahrung und Sachkunde sind in diesem Bereich unersetzlich. Der Fachmann erkennt auf den ersten Blick, ob die Vorschläge des Krankenversicherers tatsächlich die in den Tarifwechsel-Leitlinien verbriefte Transparenz über die Alternativen widerspiegeln und die Wünsche des Kunden im Mittelpunkt stehen. Sollte sich hier ein Fehler eingeschlichen haben, lässt er sich durch die Expertise ohne Folgen heilen.

Handlungsempfehlung:

Die Redensart „Hüte dich vor Griechen, die mit Geschenken kommen“, sollten betroffene PKV-Kunden unbedingt beachten, wenn sie sich für einen Tarifwechsel interessieren. Es ist nicht grundsätzlich davon auszugehen, dass Krankenversicherer oder die reinen Beitragsoptimierer ausschließlich das Kundeninteresse im Auge haben, oder dieses erkennen, wenn es um die Auswahl tariflicher Alternativen geht.

Als Betroffener sind Sie gut beraten, wenn Sie sich die Expertise eines Tarifwechselspezialisten holen, und sei es nur, um die Vorschläge des Versicherers auf Bedarf, Inhalt und Preis-Leistungsverhältnis hin zu überprüfen.

Das Tarifwechselrecht ist nur bei PKV-Anbietern unbeliebt, die zahlreiche Tarifwerke haben. Hier ist der Tarifwechsel an sich eher unerwünscht, entsprechende Kundenanfragen unbequem und der Tarifwechsel-Experte nicht unbedingt gerne gesehen. Speziell Versicherer, die ihre Strategie in einem großen Kollektiv verwirklichen oder nur wenige Tarife haben, sehen hier weniger bis keine Probleme.

Trotzdem sind die Chancen für betroffene PKV-Kunden enorm und mithilfe eines Fachmanns werden sie nutzbar. Damit hält die PKV – Zitat der DKV – ein Leben lang.

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