Tarifwechselberatung: Honorar- und Vergütungsmodelle verschiedener Anbieter, Berater, Vermittler

TarifwechselberatungSeit der Neufassung des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) ist das Tarifwechselrecht umbenannt und erweitert worden. Obwohl es bereits seit 1994 Bestandteil des Gesetzes war, ist das Tarifwechselrecht lange gar nicht wahrgenommen worden.

Heute ist es unter der Bezeichnung § 204 VVG bekannt. Schon zu Beginn haben sich die privaten Krankenversicherer (PKV) mit dem Tarifwechsel schwergetan und betroffene Kunden wurden nur sehr zögerlich bei der Umsetzung unterstützt.

Durch diese Haltung hat sich eine neue Dienstleistung am Markt etabliert: die Tarifwechselberatung. Seit einigen Jahren spezialisieren sich manche Versicherungsmakler und einige Versicherungsberater darauf, PKV-Kunden bei der Umgestaltung ihrer Krankenversicherung zu helfen, denn das erfordert ein hohes Maß an Kenntnis der Tarif-, Sach- und Rechtslage.

Unterschiedliche Beratungsansätze der Tarifoptimierer

In der Tarifwechselberatung gibt es unterschiedliche Beratungsansätze. Vor allem sollte zunächst das Motiv eines Tarifwechsels hinterfragt werden. Geht es um Beitragsersparnis oder um Erweiterung des Versicherungsschutzes?

Während bei jüngeren PKV-Kunden bei einer Tarifwechselberatung häufig um eine Verbesserung des Leistungsumfangs geht, ist gerade bei älteren Kunden in der Regel die Beitragsentlastung das Ziel. Allerdings geht es dabei selten um die höchst mögliche Beitragsersparnis, sondern letztlich darum, den Versicherungsschutz so weit wie möglich zu erhalten, den Beitrag zu senken bzw. zu halten.

Wer kann bei einem Tarifwechsel behilflich sein

Die Frage, die sich betroffene Kunden immer wieder stellen ist, warum sie jemanden kostenpflichtig beauftragen sollten, ihnen bei dem Tarifwechsel zu helfen, wenn sie doch einfach zu ihrem Versicherer oder dessen Vertreter gehen können.

Die Frage ist berechtigt und die Antwort darauf genauso einfach wie einleuchtend. Der Versicherer hat ein berechtigtes Interesse an dem im Augenblick vorherrschenden Zustand. Er möchte Wanderbewegungen in Tarifen (in der Fachsprache auch Entmischung oder Risikoselektion genannt) genauso vermeiden, wie Beitragsrückgang. Daher ist der Krankenversicherer nicht daran interessiert, dass ein PKV-Kunde durch einen Tarifwechsel seinen Beitrag senkt. Der Versicherungsvertreter ist der Erfüllungsgehilfe des PKV-Anbieters und als solcher weisungsgebunden. Selbst wenn er helfen könnte, würde er gegen die Interessen des Arbeitgebers handeln. Auch wenn nicht alle Versicherungsvertreter abhängig beschäftigt sind, sondern zum Teil auch als Handelsvertreter selbstständig, gilt dennoch ihm gegenüber die Weisungsbefugnis des Versicherungsunternehmens.

Bei einem Tarifwechsel-Spezialisten handelt es sich in der Regel um einen Versicherungsberater, manchmal auch um einen Versicherungsmakler. Beide sind nur ihrem Auftraggeber – also dem PKV-Versicherten – verpflichtet und vertreten ausschließlich seine Interessen.

Allerdings könnte es beim Versicherungsmakler unter Umständen zu einem Interessenskonflikt führen, wenn der betroffene Versicherer, bei dem der Tarifwechsel durchgeführt werden soll, die Courtagezusagen (das ist die Vereinbarung über die Bezahlung des Versicherungsmaklers) widerruft oder das zumindest in Aussicht stellt. Versicherungsmakler erhalten für Versicherungsabschlüsse Provisionen und Courtagen, sofern eine entsprechende Zusage des jeweiligen Versicherungsunternehmens besteht. Damit kann eine gewisse Abhängigkeit bzw. ein Druckmittel vermutet werden, die sich u.U. in einer Tarifwechselberatung widerspiegeln kann.

Im Gegensatz dazu ist der Versicherungsberater in erster Linie ein Rechtsdienstleister, der zudem einem Provisionsannahmeverbot unterliegt. Daher besteht zu keinem Zeitpunkt eine wirtschaftliche Abhängigkeit zu einem Versicherungsunternehmen.

Unterschiedliche Vergütungsmodelle

Die Tarifwechselberatung ist eine Dienstleistung, die in Rechnung gestellt wird. Je nach Geschäftsmodell, gibt es verschiedene Vergütungsarten:

  • Die überwiegende Mehrheit der Anbieter berechnen ein erfolgsabhängiges Honorar. Grundlage ist bei diesem Modell die erzielte Beitragsersparnis. Sie wird mit einem entsprechenden Faktor multipliziert und ergibt so die entsprechende Vergütung des Dienstleisters. Die Multiplikatoren liegen je nach Anbieter zurzeit zwischen 5 und 12. Normalerweise kommt noch die gesetzliche Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent dazu.

    Beispiel:

    Beitrag alt Beitrag neu Differenz Multiplikator Vergütung
    650 EUR 450 EUR 200 EUR 5 1.000 EUR
    650 EUR 450 EUR 200 EUR 12 2.400 EUR

    Der Erfolg definiert sich darüber, ob es dem Dienstleister gelungen ist, eine Umstellung mit dieser Beitragsersparnis beim Krankenversicherer durchzusetzen. In den Dienstleistungsvereinbarungen wird auf eine Bindefrist hingewiesen. Dadurch ist sie für einen Zeitraum gültig, der zwischen 18 und 48 Monaten liegt. Sollte innerhalb dieser Zeitspanne einer der vorgeschlagenen Tarifwechsel durch welchen Dritten auch immer erfolgen, dann ist das entsprechende Honorar an den ersten Dienstleister zu bezahlen. Es wird der Anschein erweckt, dass es solange kostenfrei ist, wie der Vorschlag nicht umgesetzt wird. Aber bei der Umsetzung ist es unerheblich, ob das durch den jeweiligen Dienstleister geschieht oder vom PKV-Kunden selbst, oder einen neu beauftragen Dritten durchgeführt wird.

  • Einige Anbieter berechnen eine Pauschale für ihre Beratung und Unterstützung. Hier reichen die Preise zwischen 420 EUR bis hin zu 1.600 EUR. Bei diesem Modell wird die Beratung an sich vergütet, unabhängig von der erzielten Ersparnis. Dieses Modell sollte eine Komplettlösung von A bis Z sein. Daher ist zu prüfen, was in der Dienstleistung alles beinhaltet ist. Manchmal erfolgt auch ein Garantieversprechen, dass es dem Dienstleister gelingt ein unterschriftsreifes Angebot des Versicherers vorzulegen.
  • Eine weitere Art der Vergütung ist die Berechnung analog zum RVG – zum Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Hier bildet auch der Beitrag, bzw. die erzielte Beitragsdifferenz die Grundlage zur Berechnung des Gegenstandswertes, woraus sich dann die entsprechende Geschäftsgebühr ableitet. Dieses Vergütungsmodell ist selten anzutreffen und kann nur von Versicherungsberatern angeboten werden, da sie ebenfalls zu den Rechtsdienstleistern gehören, genauso wie Rechtsanwälte und Rentenberater.
  • Ein paar ganz wenige Anbieter haben ihre Beratungsleistung modular aufgebaut. Nach jedem Beratungsbaustein kann man sich als Kunde neu entscheiden, ob man zusätzliche Unterstützung in Anspruch nehmen möchte, oder die weitere Umsetzung selbst in die Hand nimmt. Dieses Modell schafft von vorneherein ein hohes Maß an Transparenz und Flexibilität. Die Preise für die einzelnen Beratungsbausteine liegen in der Regel zwischen 300 EUR und 500 EUR.
  • Es gibt auch noch einen Anbieter, der den Tarifwechsel ohne zusätzliche Kosten für den Kunden abwickelt, sofern man als betroffener PKV-Kunde bereit ist, seinen PKV- Vertrag in den Bestand des Maklerhaus zu übertragen und damit seinen beratenden betreuenden Makler auszutauschen. Um durch den sogenannte Bestandsübertrag eine laufende Courtage für den PKV-Vertrag zu erhalten, hat sich die Firma an vier verschiedene große Makler-Pools angeschlossen. Der Tarifwechsel ist hier nicht unbedingt das Ziel, sondern vielmehr der Aufhänger, um neue Kunden zu gewinnen. Durch den zu unterschreibenden Makler-Auftrag, hat der Versicherungsmakler die Möglichkeit, dem Kunden auch andere Finanz- und Versicherungsprodukte anzubieten, um Neuabschlüsse zu machen.

Anbieter prüfen

Es gibt derzeit am Markt Tarifwechselberater mit dem Ansatz der Neuausrichtung des inhaltlichen und preislichen Versicherungsschutzes und Beitragsoptimierer mit dem Ziel der höchsten Beitragsersparnis. Ausgeführt meist von Versicherungsmaklern oder Versicherungsberatern. Egal wie sich diese Firmen im Firmennamen auch bezeichnen. Den Rechtsstatus Ihres Dienstleisters ob Sie einen Vertreter, Makler oder Berater beauftragen prüfen Sie im Impressum der Webseite oder in der gesetzlich vorgeschrieben Erstinformation die Ihnen beim ersten Kontakt zugänglich zu machen ist.

Grundsätzlich sollten sich betroffene PKV-Kunden, die an einem Tarifwechsel interessiert sind und dabei auf professionelle Hilfe nicht verzichten wollen, von der Expertise und dem Umfang der Beratungsleistung überzeugen.

Folgende Kriterien sollten dabei zum Ansatz kommen:

  • Verfügt der Dienstleister über eine fundierte Sachkenntnis?
  • Wie lange ist er bereits in dieser Eigenschaft als Tarifwechselberater tätig?
  • Ist das Angebot transparent oder gibt es unklare Vertragsklauseln, wie z. B. eine Bindefrist?
  • Ist ein Interessenskonflikt auszuschließen?
  • Gibt es Referenzen?

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