Wahltarife in der GKV

Wahltarife in der GKVJahrzehntelang waren gesetzlich Krankenversicherte in ein enges Korsett gezwängt. Bei welcher Kasse sie sich letztlich befanden, diese Frage war qualitativ weitgehend eine rein hypothetische. So etwas wie Wahltarife gab es in der GKV nicht.

Bis zur Öffnung der Betriebs- und Innungskrankenkassen (BKK und IKK) für den uneingeschränkten Publikumsverkehr mit dem allgemeinen Kassenwahlrecht im Jahr 1996 spielte nicht mal der Beitrag eine große Rolle. Die Folge dieser Gesetzesänderung war logischerweise eine Wanderungsbewegung weg von den großen Playern der Branche und vor allem hin zu den kleineren und wendigeren BKK’s. Warum für dieselbe Leistung viel zahlen, wenn es sie anderswo deutlich preiswerter gab? Doch darüber hinaus bot die GKV ganz allgemein auch weiterhin eher trübes Einerlei. Dann kam es zur Revolution.

Im Jahr 2004 hieß es per Gesundheitsreform „Vorhang auf für Kooperationstarife mit der PKV“, drei Jahre später mit einer weiteren Gesundheitsreform „Vorhang auf für GKV-Wahltarife“. Allein: Wie jede Systemumwälzung hat auch diese nicht nur bis dato unbekannte Freiheiten gebracht, sondern auch so manchen Schatten – mitunter sogar gravierenden.

Das sind Kooperationstarife

Bei vielen gesetzlichen Krankenkassen können deren Mitglieder in Kooperation mit PKV-Unternehmen speziell für sie kreierte Zusatztarife abschließen – etwa für den Zahn- oder den ambulanten Bereich. Vorteile sind häufig ein besonders günstiger Beitrag oder eine vereinfachte Versicherungsfähigkeit hinsichtlich der Gesundheitsprüfung. Der jeweilige Kooperationstarif gilt allerdings nur so lange, wie man Mitglied der ihn anbietenden Krankenkasse ist.

Mehr Informationen finden Sie im Fachartikel „GKV-Kooperationstarife“ hier auf KV-Fux.

Das sind Wahltarife

  • Tarife mit Selbstbehalt. Der Patient zahlt einen klar definierten Teil der Kosten aus dem eigenen Portemonnaie (maximal 20 % des Jahresbeitrages, begrenzt auf 600 Euro p.a., und wird im Gegenzug mit einer Prämie (z.B. Auslandsreisekrankenversicherung) belohnt.
  • Tarife mit Kostenerstattung. Der Patient zahlt alle Rechnungen zunächst selbst und stellt diese anschließend seiner Kasse in Rechnung. Diese Tarife sollen u einem höheren Kostenbewusstsein führen. Da nur im Rahmen der GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) erstattet wird, lassen sich mögliche privatärztliche Differenzen mitunter über eine zusätzliche Restkostenabsicherung einer PKV abdecken. Durch die Wahl der Kostenerstattung wird das GKV-Mitglied zum Selbstzahler wie ein PKV Versicherter auch.
  • Tarife mit auf 20 % bzw. maximal 600 Euro p.a. Beitragsrückerstattung, wenn gegenüber der Kasse ein Jahr lang keine Leistungen in Anspruch genommen werden. Ausgenommen davon sind Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen gesetzlicher Programme und Kinderschutzimpfungen.
  • Tarife mit – stark limitierter – Kostenübernahme für apothekenpflichtige, jedoch verschreibungsfreie Medikamente im Rahmen der Pflanzenheilkunde, Homöopathie oder Anthroposophie.
  • Krankengeldtarife für Arbeitnehmer oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2018: > 103,20 Euro pro Tag).
  • Krankentagegeldtarife für bei der Künstlersozialkasse versicherte Künstler und Publizisten ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit.
  • Tarife für ein zusätzliches Krankenhaustagegeld.

Nachteile der Wahltarife

Einer der großen Nachteile sind die durch die Entscheidung für einen Wahltarif ausgelösten und darüber hinaus sehr unterschiedlichen Bindefristen. Wer ein solches Angebot seiner Krankenkasse in Anspruch nimmt, darf anschließend in der Regel ein Jahr lang nicht zu einer anderen Kasse wechseln. Bei Selbstbehalt- oder Krankengeldtarifen ist dies sogar für drei Jahre ausgeschlossen. In Zeiten unterschiedlich hoher Zusatzbeiträge über den allgemeinen Beitragssatz hinaus kann das ganz schön happig sein. Oder wenn eine „andere“ Krankenkasse ein neues Bonusprogramm auflegt, das man individuell vielleicht sehr gut brauchen könnte, bei seiner eigenen jedoch verzichten muss.

Doch das ist längst noch nicht alles. Einher mit der prächtig laufenden deutschen Wirtschaftskonjunktur und der immensen Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften quer durch alle Branchen gehen dauerhafte überproportionale Gehaltssprünge. Für so manch einen dieser GKV-Versicherten, aber auch ganz allgemein für viele schon länger freiwillig versicherte Kassenmitglieder könnte ein Wechsel in die private Krankenversicherung höchst attraktiv sein. Nix da, sagt jedoch der GKV Spitzenverband: Vor dem Ablauf der jeweiligen Bindefrist kommt man aus der GKV nicht heraus, sofern ein Wahltarif abgeschlossen worden ist.

Das muss man wissen: Wer Wahltarife kauft bindet sich an seine GKV.

TIPP: Es gibt zu diesem Thema keine höchstrichterliche Rechtsprechung – und wird sie nach Expertenmeinung so schnell wohl auch nicht geben. Vorsicht ist deshalb die Mutter der Porzellankiste. Die Entscheidung für einen Wahltarif sollte besser dreimal überdacht werden. Es gibt mit privaten Zusatzversicherungen attraktive Alternativen die solche Bindefristen an eine GKV nicht kennen.

Das Bundesversicherungsamt hingegen – Aufsichtsbehörde über nahezu alle Kassen (außer AOK`s = Landesaufsicht) – zeigt mit seinem Rundschreiben vom 3. März 2011 mit dem Aktenzeichen II3 – 5303.1-528/2011 die ungeheure Problematik der Bindefristen:

„(…) ist es unzulässig, einem Pflichtmitglied bei Überschreiten der JAEG (§ 6 Abs. 4 SGB V ) und Abgabe einer Austrittserklärung (§ 190 Abs. 3 SGB V) das Ende der Mitgliedschaft und eine entsprechende Bestätigung mit der Begründung zu verweigern, er sei gemäß § 53 Abs. 8 SGB V bis zum Ende der Mindestbindung an die Kasse gebunden.“ Denn gleichzeitig heißt es fort: „(…) Zuletzt möchten wir der Vollständigkeit halber darauf hinweisen, dass für den Fall, dass keine Austrittserklärung nach § 190 Abs. 3 SGB V abgegeben wird und die Mitgliedschaft als eine freiwillige fortgeführt wird, die Mindestbindung aus dem Wahltarif fort gilt.“

Beim Überschreiten der Pflichtversicherungsgrenze gelten die Bindefristen demnach nicht, für schon länger freiwillig versicherte GKV-Mitglieder aber sehr wohl.

Der PKV-Verband hingegen vertritt die genau gegenteilige Meinung. In keinem Fall soll demnach eine durch einen Wahltarif bedingte Bindungsfrist ein zeitliches Hindernis für den Wechsel in eine private Krankenversicherung darstellen.

Wahltarife: gibt es Alternative?

Aber es gibt einen Ausweg aus diesem Dilemma für alle GKV-Mitglieder, die mehr wünschen als das übliche Einerlei. Statt eine Wahltarifs können sie eine private Zusatzversicherung mit integrierter Option abschließen – und sich so den späteren Umstieg in eine private Krankenversicherung deutlich vereinfachen. Eine solche Police besteht aus einzelnen Bausteinen – etwa für die ambulante oder die stationäre Versorgung, die Zahnbehandlung oder die Kieferorthopädie oder aber auch alternative Heilmethoden – wobei eines dieser Puzzleteile eine Option enthält, die komplette Zusatzversicherung später in einen Vollversicherungsschutz umzuändern. Und zwar ohne erneute Gesundheitsprüfung.

TIPP: Der Optionsbaustein muss mit dem später gewünschten privaten Vollversicherer übereinstimmen. Weitere Bausteine können Sie auch anderweitig versichern. Treffen Sie Ihre Entscheidung jedoch nie ohne einen versierten Versicherungsmakler, Versicherungsvermittler oder Versicherungsberater an Ihrer Seite. Er verfügt auch über die erforderliche professionelle Software, um für Sie die beste Tarif- und Versichererauswahl treffen zu können.

Mehr zu den Optionstarifen lesen Sie im PKV-Glossar von KV-Fux.

Dass es diese Alternative zu überaus erschwinglichen Beiträgen gibt, zeigt folgende Beispiel zu zwei unterschiedlichen Eintrittsaltern:

Alte Oldenburger Tarif EG Basis monatlicher Beitrag 16,43 € Eintrittsalter 43 (Zahn)
Barmenia Tarif EG UTopS monatlicher Beitrag 26,67 € Eintrittsalter 37 (stationär)

Mehr solcher Tarife finden Sie hier bei KV-Fux, am besten zusammen mit einem Versicherungsvermittler oder Versicherungsberater.

Es lohnt sich also auch finanziell, über diesen Ausweg aus einem vermeintlichen Dilemma mehr als intensiv nachzudenken.

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