Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung: Alle wichtigen Infos im Überblick

Von der privaten zurück in die gesetzliche Krankenversicherung - Das ist zu beachtenEin Wechsel von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist nicht ohne weiteres möglich. Erfahren Sie hier, welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen, was Sie bei der Kündigung Ihrer privaten Krankenversicherung beachten sollten und mit welchen GKV Beiträgen Sie rechnen können.

TIPP: Erst genau abwägen, ob der Wechsel in die GKV sinnvoll ist

Bevor Sie zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, prüfen Sie in Ihrer PKV alle Optionen. Denn Sie verlieren meist mehr, als Sie gewinnen. Ein Grund dafür: Viele schaffen die 9/10 Regel nicht mehr und müssen daher alle Einnahmen im Rentenalter bis zum Höchstsatz der GKV verbeitragen. In der PKV steht Ihnen die Wechseloption in einen anderen Tarif nach § 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) offen, z.B. in den Standardtarif „die GKV der PKV“.

Welche Möglichkeiten Ihnen die PKV bietet, lesen Sie in diesem Beitrag:
„Ich möchte meinen PKV Tarif wechseln“

Mehr rund um das Thema 9/10 Regel lesen Sie in diesem Beitrag:
„So wird die PKV im Rentenalter bezahlbar“

Von der PKV in die GKV wechseln: Beispielhafte Rückkehrmöglichkeiten

Als Arbeitnehmer:
Das Gehalt muss zeitweise unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) (2018: 59.400 Euro brutto jährlich) liegen. Nach der Pflichtmitgliedschaft ist der Verbleib als freiwilliges Mitglied in der GKV möglich.

TIPP:
Wenn dieser Schritt erforderlich werden sollte, lassen Sie sich beraten und prüfen Sie eine große oder kleine Anwartschaftsversicherung. So sichern Sie sich wertvolle Rechte. Gegebenenfalls führen Sie Ihre PKV als GKV-Zusatz mit Optionen fort.

Als Student:
Exmatrikulation für mehr als einen Monat zwischen Bachelor- und Masterstudium.
Sozialversicherungspflichtige Anstellung nach dem Studium. Hier lohnt sich das Prüfen einer kleinen Anwartschaftsversicherung.

Als Selbstständiger:
Hauptberufliche Selbstständigkeit aufgeben und eine sozialversicherungspflichtige Stelle antreten.

Als über 55-Jähriger:
Beim Partner mitversichern; dabei darf aber das Einkommen des bisher PKV-Versicherten nicht mehr als 435 Euro (bzw. 450 Euro bei Minijob) im Monat betragen (inklusive z.B. Miet- und Zinseinnahmen). Lassen Sie sich umfassend beraten, bevor Sie diesen Schritt gehen.

GKV-Beiträge: Damit können Sie rechnen

Ob ein Wechsel von der PKV zurück in die gesetzliche Krankenkasse wirklich sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Beiträge in der GKV auf Sie zukommen. Hier erhalten Sie die wichtigsten Zahlen und Fakten, um sich ein Bild zu machen.

Die GKV-Beiträge sind einkommensabhängig und richten sich nach dem Arbeitsentgelt bis zur Beitragsbemessungsgrenze (2018: 4.425 Euro brutto monatlich) sowie dem Beitragssatz.

Höchstbeiträge für freiwillig Versicherte:

  • Krankenversicherung (15,6%) 690,30 Euro
  • Pflegeversicherung 112,84 Euro
  • Pflegeversicherung Kinderlose 123,90 Euro

Die Beiträge steigen automatisch mit dem Lohn oder Gehalt bis maximal zur Beitragsbemessungsgrenze. Diese wird allerdings in der Regel jährlich angehoben.

In beiden Systemen zahlt der Arbeitgeber für Angestellte einen Anteil an der Krankenversicherung. Privat Versicherte erhalten einen Arbeitgeberzuschuss von 50 %, (maximal 323,03 Euro für die Krankenversicherung, Stand 2018). Bei gesetzlich Versicherten beträgt der Arbeitgeberanteil 7,3 %. Den Zusatzbeitrag tragen die Arbeitnehmer alleine. Dieser liegt 2018 bei durchschnittlich 1,0%.

Kündigung der privaten Krankenversicherung

Grundsätzlich können Sie Ihre private Krankenversicherung zum Ende eines jeden Versicherungsjahres mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten kündigen. Ob das Versicherungsjahr mit dem Kalenderjahr übereinstimmt oder zu einem anderen Zeitpunkt endet, erfahren Sie in Ihren Versicherungsunterlagen. Wurde zu Versicherungsbeginn eine Mindestvertragsdauer (diese darf maximal 2 Jahre betragen) vereinbart, können Sie Ihre PKV nicht vor deren Ablauf kündigen.

Ein Sonderkündigungsrecht haben Sie im Falle einer Beitragserhöhung bei Ihrer privaten Krankenversicherung. Die Kündigungsfrist beträgt dann 2 Monate ab Erhalt des Bescheids über eine Erhöhung der Beiträge. Ihre Versicherung bei dieser Gesellschaft endet dann zum Zeitpunkt der Beitragserhöhung.

Das müssen Sie zusätzlich beachten

Da in der Bundesrepublik Deutschland mittlerweile eine gesetzliche Krankenversicherungspflicht besteht, müssen Sie bei einem Wechsel von der PKV in die gesetzliche Krankenversicherung nachweisen, dass Sie weiterhin (ununterbrochen) versichert sind.

Diesen Nachweis müssen Sie bis zum Ende der alten Krankenversicherung vorlegen. Nutzen Sie ein Sonderkündigungsrecht, muss der Nachweis spätestens 2 Monate nach der Kündigung bei Ihrer alten privaten Krankenversicherung eintreffen.

Für Privatversicherte ab 55 Jahren hat der Gesetzgeber die Wechselmöglichkeit zurück in die gesetzliche Krankenversicherung beschränkt. Rückkehrer müssen ab diesem Lebensalter in den letzten 5 Jahren mindestens 24 Monate in einer GKV versichert gewesen sein und dies nachweisen. Diese unrealistische Hürde kann aber über die „kostenlose“ Familienversicherung bei einer GKV umgangen werden. Sofern diese Möglichkeit besteht, empfiehlt es sich, diese zu prüfen. Denn sie steht auch den privat Krankenversicherten ab 55 Jahren noch offen.

PKV kündigen wegen erneuter Versicherungspflicht in der GKV

Wer in der GKV wieder versicherungspflichtig wird, kann seine private Krankenversicherung zum Eintritt der Versicherungspflicht kündigen und zurück in die gesetzliche Krankenkasse gehen. Das ist auch noch rückwirkend innerhalb von 2 Monaten nach Beginn der Versicherungspflicht möglich. Dabei wird die PKV einen Nachweis der Versicherungspflicht in der GKV anfordern.

Wenn Sie nicht versicherungspflichtig werden, sondern einen Anspruch auf Familienversicherung in der GKV oder einen dauerhaften Anspruch auf Heilfürsorge erhalten, gelten für die private Krankenversicherung die gleichen Kündigungsfristen. Bisher bei Ihrem privaten Krankenversicherer angesparte Alterungsrückstellungen können dann auf Tarifbeiträge in der GKV-Zusatzversicherung angerechnet werden, so dass der GKV-Zusatzbeitrag günstiger wird. Welche Zusatztarife dafür in Frage kommen, erfahren Sie bei Ihrer derzeitigen privaten Krankenversicherung.

Gut zu wissen: Ihre private Krankenversicherung darf Ihnen nicht kündigen. Wenn Sie allerdings bei der Gesundheitsprüfung falsche Angaben machen oder eine andere schwerwiegende Vertragsverletzung begehen (z.B. Betrug), ist eine außerordentliche Kündigung möglich.

Wechsel von GKV zu GKV: Diese Voraussetzungen gibt es

Wenn Sie von einer GKV in eine andere GKV wechseln wollen, müssen Sie zunächst Ihre Krankenkassen-Mitgliedschaft kündigen. Dabei gilt, dass Sie erst nach 18 Monaten Pflichtmitgliedschaft bei einer Kasse schriftlich zum Ende des übernächsten Kalendermonats kündigen können (z.B. Kündigung im Januar => Kassenmitgliedschaft endet zum 31. März).

Sie haben aber ein Sonderkündigungsrecht, wenn Ihre jetzige GKV die Beiträge ändert oder einen Zusatzbeitrag erhebt bzw. ändert. Für die Kündigung reicht dann ein formloser Brief mit Ihrer Krankenversicherungsnummer und Unterschrift, in dem Sie zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen.

TIPP:
Ein Wechsel von GKV zu GKV kann Beiträge frei machen, um z.B. ein Krankentagegeld, einen Zahntarif, oder ein Pflegetagegeld damit zu finanzieren.

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