Sabbatical

Sabbatical: Die zeitlich begrenzte Auszeit vom Berufsleben

Im immer stressiger werdenden Alltag wünscht sich so manch einer eine kleine Auszeit, auch Sabbatical genannt. Einige belassen es nicht bei diesen Wünschen und machen konkrete Pläne. Und die Auszeit soll dann nicht kurz sein, sondern ein paar Monate oder ein ganzes Jahr dauern.

Sabbat – laut Wikipedia kommt das Wort aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie aufhören, etwas ruhen lassen oder beenden. Im Judentum kennzeichnet der Sabbat einen Ruhetag in der Woche. Das dazugehörige Fest beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend. Auch der Begriff Sabbatjahr lässt sich daher ableiten. So soll das siebte Jahr beispielsweise der Acker brach liegen und nicht bestellt werden. Denn neben der Arbeit brauchen Land und Mensch Ruhe, um sich zu regenerieren.

Ganz ähnlich funktioniert das Sabbatjahr, oder auch Sabbatical genannt. Diese berufliche Auszeit, wie sie heute bekannt ist, begann mit US-amerikanischen Professoren. Um sich ihren Forschungen widmen zu können, unterbrachen sie, meist für ein Jahr, ihre Lehrtätigkeit. Irgendwann schwappte diese Unterbrechung der Arbeitszeit auf die Wirtschaft über und kam auch in Deutschland an.

Verschiedene Motive für eine Auszeit

Die Ziele sind dabei sehr verschieden. Ob der Bau eines Hauses, eine Weiterbildung, das Erlernen oder Vertiefen eines Hobbys oder eine (längere) Reise – alles ist möglich. Im Unterschied zu den digitalen Nomaden, die für ihren Auslandsaufenthalt oft ihren Hauptwohnsitz hierzulande aufgeben, und die von unterwegs arbeiten, behält jemand im Sabbatjahr seine Adresse in Deutschland und will während seiner Auszeit nicht arbeiten. Die digitalen Nomaden dagegen gehen ihren digitalen Jobs nach, um davon ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Für Lehrer und Beamte sind auf Bundesländerebene einige Regelungen für dieses Sabbatical festgelegt, doch auch Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft können mit ihrem Arbeitgeber entsprechende Vereinbarungen treffen. Das Onlineportal sabbatjahr.org hat sieben Formen des Sabbaticals zusammengetragen.

Die beiden häufigsten Varianten sind demnach das Modell des zeitlich begrenzten Lohnverzichts mit Anspar- und Freistellungsphase sowie das Teilzeit-Modell. Ersteres gilt auch für Lehrer und Beamte. Der Arbeitnehmer verzichtet für eine vorher festgelegte Zeit, von in der Regel zwischen einem und zehn Jahren, auf einen Teil seines Gehaltes. Dieses Geld wird angespart. Meist am Ende dieses Zeitraums nutzt der Arbeitnehmer dann seine Auszeit und erhält auch in dieser Zeit das reduzierte Gehalt. Anschließend kehrt er zu den ursprünglichen Bedingungen in seinen Beruf zurück.

Arbeitszeitkonto eine häufige Variante des Sabbatical

Das bereits erwähnte Teilzeit-Modell funktioniert ähnlich. Auch hier wird vorher der Zeitraum festgelegt, in dem der Arbeitnehmer dann seine Arbeitszeit auf Teilzeit reduziert. Tatsächlich arbeitet er weiterhin Vollzeit und sammelt so Stunden, die auf einem Arbeitszeitkonto gesammelt werden. Davon profitiert der Arbeitnehmer während seiner Freistellung.

Auch die noch nicht so verbreitete Möglichkeit des Fondssparmodells funktioniert mit einem Arbeitszeitkonto. Hierauf werden Überstunden, nicht beanspruchte Urlaubstage, Teile des Gehaltes, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und eventuelle Sonderzahlungen eingezahlt. Der Arbeitgeber kann den Wert dieser Leistungen in einen Investmentfonds investieren. Von diesem Kapital lebt der Arbeitnehmer in seiner Auszeitphase.

Eher unfreiwillig für Arbeitnehmer ist das Time-out-Modell. Aufgrund einer für das Unternehmen schwierigen Phase wird der Arbeitnehmer für eine gewisse Zeit freigestellt, zu reduzierten Bezügen. Wenn es wieder besser läuft, kann der Arbeitnehmer zu den vorherigen Bedingungen ins Unternehmen zurückkehren.

Modell des vorgezogenen Ruhestands

Vor allem für ältere Arbeitnehmer interessant ist das Modell des vorgezogenen Ruhestands. Hier gibt es diverse Möglichkeiten, die meist damit enden, dass der Arbeitnehmer nach der Auszeit nicht ins Unternehmen zurückkehrt sondern in den Ruhestand geht.

Neben diesen Lösungen, in denen sich der Arbeitnehmer weiterhin auf Bezüge durch seinen Arbeitgeber verlassen kann, gibt es auch den unbezahlten Urlaub beziehungsweise auch eine Kündigung des Arbeitnehmers. Beim unbezahlten Urlaub müssen sich Unternehmen und Angestellter einigen. Wichtig ist dabei zu bedenken, dass das finanzielle Polster für das Leben während der unbezahlten Auszeit recht hoch sein muss, vor allem auch, wenn eine Reise geplant ist.

Verpflichtung beim Arbeitsnehmer:

Und im Gegensatz zu den anderen Formen des Sabbaticals, bei denen der Arbeitnehmer weiterhin Bezüge erhält, liegt beispielsweise die Verpflichtung zur Zahlung der Beiträge zur Kranken-, Pflege und Rentenversicherung beim Arbeitnehmer. Innerhalb des ersten Monats nach der Abmeldung durch den Arbeitgeber besteht die Versicherung weiter und es passiert noch nichts. Danach wird die Absicherung Sache des Arbeitnehmers.

Die beitragsfreie Familienversicherung ist in dem Fall eine Möglichkeit, wenn während des Sabbaticals kein eigenes Einkommen erzielt wird. Die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung ist die zwei Möglichkeit für die Absicherung.

Wichtig:

Versicherungsschutz prüfen.

Kündigung des Arbeitnehmers

Kündigt der Arbeitnehmer, weil er sich mit seinem Arbeitgeber nicht über ein Sabbatical einigen konnte, droht von Seiten des Arbeitsamtes eine Sperre von bis zu drei Monaten beim Bezug des Arbeitslosengeldes. Auch hier besteht die Krankenversicherung im Rahmen der Nachversicherung im ersten Monat der Arbeitslosigkeit weiter. Ab dem zweiten Monat bis zum Ende der Sperrzeit übernimmt die Agentur für Arbeit dann die Beiträge.

Sabbatical für Schulabgänger oder Absolventen

Als letztere Variante des Sabbaticals muss dasjenige, das im Anschluss an die Schule oder das Studium genutzt wird, erwähnt werden. Natürlich können sich nicht nur Arbeitnehmer eine Auszeit neben, auch viele Schulabgänger oder Absolventen eines Studiums wollen in dieser Lebensphase erst noch die Welt sehen, vielleicht Fremdsprachenkenntnisse erlangen oder vertiefen und reisen deshalb ein paar Monate oder Jahre, bevor sie sich niederlassen.

Wenn ein ganzes Sabbatjahr oder auch nur ein paar Monate davon im Ausland zugebracht werden, sind spezielle Reiseversicherungen wie eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung ratsam.

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