Das alles leisten Hebammen bei Schwangerschaft und Entbindung

Das alles leisten Hebammen bei Schwangerschaft und Entbindung

Seit vielen Jahrhunderten begleiten Frauen andere Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit, mache Frauen haben dies zu ihrem Beruf gemacht und heißen Hebammen. Bei allen Fragen, Sorgen und Nöten standen und stehen Hebammen den werdenden Müttern zur Seite. Doch das Berufsbild hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gravierend geändert.

Die Arbeit der Hebamme zählt zu den ältesten Berufen der Welt – und wurde 2016 von der Unesco zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Doch in der Mitte des 20. Jahrhunderts vollzog sich der „größte Wandel in der Geschichte der Geburtshilfe“, so der Deutsche Hebammenverband (DHV). Die Geburt verlagerte sich demnach zunehmend in die Krankenhäuser und die Hebammentätigkeit hat sich dadurch in nur wenigen Jahrzehnten gravierend verändert. Das zeigt sich beispielsweise an der Kaiserschnittrate, die weltweit, aber auch in Deutschland, seit Jahren steigt. Im Jahr 2017 kam hierzulande mittlerweile fast jedes dritte Baby per Operation zur Welt. 1991 waren es noch rund 15 Prozent – laut Weltgesundheitsorganisation liegt die optimale Kaiserschnittrate zwischen zehn und 15 Prozent.

Eine Geburtshelferin für fünf schwangere Frauen

Dass ein Kaiserschnitt gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind birgt, ist der Bundesregierung nicht verborgen geblieben. Der einstige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erklärte, dass ein solcher Eingriff nur vorgenommen werden sollte, wenn er medizinisch notwendig sei. „Im Zentrum muss immer der Schutz von Mutter und Kind stehen“, so Gröhe 2017.

Doch laut Hebammenverband reduziert die Medizin Schwangerschaft und Geburt auf ein „organmedizinisch riskantes Lebensereignis“, das „korrigierend und intervenierend durch die Medizin begleitet werden müsse“. Die Hebamme betrachte dagegen die Geburt als „normales und physiologisches Ereignis“. Frauen brauchen während der Schwangerschaft und der Geburt demnach eher Ermutigung und liebevolle Bestätigung in „ihrer Fähigkeit, normal gebären zu können“.

Das ist in den Krankenhäusern jedoch kaum noch möglich, da vor allem dort ein Mangel bei Geburtshelfern besteht. Die Situation verschlechtert sich laut DHV in Deutschlands Kreißsälen weiter. Seit Jahren sei die Geburtshilfe unterfinanziert und der Personalmangel steige. Inzwischen betreuen Hebammen in den Kliniken dauerhaft bis zu fünf Gebärende gleichzeitig und damit mehr als doppelt so viele wie das bei Hebammen in anderen europäischen Ländern üblich ist.

Hebammen-Verband fordert mehr Personal

Der DHV setzt sich daher immer wieder für eine politische Lösung ein. Ein Geburtshilfestärkungsgesetz müsse her und eine Hebammen-Sonderstellungsprogramm soll für mehr Personal in den Kreißsälen sorgen.

Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des DHV:

„In der Geburtshilfe muss wieder der Mensch im Mittelpunkt sein. Frauen benötigen eine individuelle und zugewandte Betreuung rund um die Geburt. Hebammen brauchen bessere Arbeitsbedingungen. Wir fordern deshalb einen Wandel in der Geburtshilfe und entschiedene politische Maßnahmen“.

Die Hebammen können bereits eine Schwangerschaft feststellen und den Mutterpass ausstellen. Sie betreuen die werdenden Mütter und unterstützen den natürlichen Verlauf von Schwangerschaft und Geburt. Bis auf die Ultraschalluntersuchungen kann die Schwangere sich komplett bei der Hebamme untersuchen lassen. Dort wird das Gewicht kontrolliert und auch die Blut- und Urintests regelmäßig durchgeführt. Verläuft etwas nicht, wie es sollte, wird ein Arzt hinzugezogen.

Welche Kosten die Krankenkassen tragen

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt diese Betreuungskosten und auch diejenigen, die bei Beschwerden während der Schwangerschaft, wie Übelkeit, auftreten. Viele Hebammen besitzen dafür Zusatzqualifikationen wie Akupunktur . In solchen Fällen kann es sein, dass zusätzliche Kosten entstehen, die die Schwangere selbst übernehmen muss. Die Hebammen führen auch durch die Geburtsvorbereitungskurse, die von den Kassen bezahlt werden. Die regelmäßigen Ultraschalluntersuchungen beim Arzt werden ebenfalls von der Krankenkasse übernommen. Darüber hinaus gibt es dort diverse Zusatzleistungen, die in der Regel von der werdenden Mutter beziehungsweise den werdenden Eltern selbst gezahlt werden müssen.

Vorsorgeuntersuchungen , Behandlungen beim Arzt aufgrund der Schwangerschaft ebenso wie die Entbindung sind auch in der PKV im Versicherungsschutz enthalten. Sollte eine medizinische Behandlung des Kindes im Mutterleib notwendig sein, ist das im vertraglichen Umfang ebenfalls abgedeckt. Das Kind kann direkt nach der Geburt im Rahmen der Kindernachversicherung ohne Wartezeit und ohne Gesundheitsprüfung , ganz gleich, ob kerngesund oder mit schwersten Erkrankungen oder Behinderungen, privat krankenversichert werden.

Auch nach der Geburt hört die Betreuung der Hebammen nicht auf

Macht sich nun das Kind auf den Weg, das Licht der Welt zu erblicken, unterstützt die Hebamme die werdende Mutter. Sie greift in den Geburtsvorgang nur ein, wenn es medizinisch notwendig ist. Ein Arzt wird nur dann hinzugezogen, wenn ein Notfall besteht.

Hebamme muss anwesend sein:

In Deutschland ist gesetzlich geregelt, dass bei jeder Geburt eine Hebamme anwesend sein muss. Sie darf die Geburt ohne Arzt durchführen. Ein Arzt dagegen darf das üblicherweise nicht ohne Hebamme.

In der Zeit nach der Geburt betreut die Hebamme Mutter und Kind zu Hause. Innerhalb von acht Wochen kann sie auf Kosten der Krankenkasse 16-mal mit Rat persönlich zur Seite stehen. Sie ist Ansprechpartnerin bei Unsicherheiten, beim Stillen und gesundheitlichen Problemen von Mutter und Kind. Auch Rückbildungskurse, die ebenfalls zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung gehören, können von der Mutter genutzt werden. Laut DHV zeigen Untersuchungen, dass eine gute Hebammenbetreuung zu weniger Frühgeburten, weniger medizinischen Eingriffen während der Geburt, zu kürzeren Krankenhausaufenthalten und zu längerem und häufigerem Stillen führen kann.

Digitale Hebammenberatung

In der Geburtshilfe hat ebenfalls die Technologie Einzug gehalten. So gibt es Start-ups, wie Call-a-Midwife (auf Deutsch: „Ruf die Hebamme“) oder Kinderheldin, die eine Beratung durch Hebammen per Chat oder Telefon anbieten. Auch die Handy-App „Onelife Health“ verspricht werdenden Eltern Unterstützung.

Daniela Erdmann, Hebamme in Köln und DHV-Beirätin, im Gespräch mit „Baby und Familie“:

„Der Hebammenberuf ist ein sehr haptischer Beruf. Ich untersuche die Frau oder das Baby mit den Händen und führe oft sehr persönliche Gespräche. Nur so kann ich eine Frau gut beraten“.

Bei den digitalen Angeboten gehe das eben nicht. Allerdings würden sie die Hebammen vor Ort auch nicht ersetzen wollen, so Call-a-Midwife-Gründerin und Hebamme Sabine Kroh gegenüber „Baby und Familie“. Vielmehr gehe es um die Antworten auf allgemeinere Fragen und zusätzliche Informationen, die vielleicht beim Arztbesuch offen geblieben seien.

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