Bluthochdruck: Symptome, Ursachen und Behandlung der Volkskrankheit

Bluthochdruck: Wann es gefährlich wird

Fast jeder Dritte in Deutsche leidet an Bluthochdruck – damit liegt Deutschland in dieser unrühmlichen Kategorie an der Spitze in Europa. Und die Zahl der Menschen mit diagnostizierter Hypertonie – dem Fachbegriff für Bluthochdruck – steigt Jahr für Jahr an. Welche Ursachen hat Bluthochdruck und wie sehen die Symptome aus? Das erfahren Sie hier ebenso, wie Therapiemöglichkeiten und was Sie zur Prävention machen können.

Bluthochdruck ist die Volkskrankheit Nummer 1 in Deutschland. Etwa 20 bis 30 Millionen Bundesbürger sind laut dem Berliner Robert-Koch-Institut davon betroffen. Nach dem BKK Gesundheitsreport 2019 lag die essentielle Hypertonie (Bluthochdruck, der keine ersichtliche Ursache hat) mit 24,7 Prozent im Jahr 2018 unter den häufigsten ambulanten Einzeldiagnosen in Deutschland an erster Stelle – noch vor Rückenschmerzen und akuten Infektionen der oberen Atemwege. Auch die Zahlen, die aus einer Untersuchung des Versorgungsatlas im Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervorgehen, klingen besorgniserregend: Demnach ist die Zahl der betroffenen gesetzlich krankenversicherten Patienten in Deutschland zwischen 2009 und 2018 von fast 17 Millionen auf rund 19 Millionen gestiegen. Die möglichen Folgen sind nicht ohne: Allein die Hälfte aller Schlaganfälle und Herzinfarkte lässt sich auf Bluthochdruck zurückzuführen.

Entscheidet der Wohnort, wer an Bluthochdruck erkrankt?

In einer groß angelegten Analyse kam die Krankenkasse Barmer zu dem Schluss, dass es deutliche regionale Unterschiede bei den Diagnoseraten zur Hypertonie gibt. So leiden etwa im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt 34,9 Prozent der Bevölkerung an Bluthochdruck. In Bremen liegt die Hypertonie-Quote dagegen bei 24,4 Prozent der Einwohner und fällt damit im Vergleich um 43 Prozent geringer aus. Auch in Mecklenburg-Vorpommern (34,4 Prozent), Thüringen (33,9 Prozent), Brandenburg (33,2 Prozent) und Sachsen (31,9 Prozent) gibt es hohe Hypertonie-Raten. Nach Bremen liegt der Anteil der Bevölkerung mit Bluthochdruck in Hamburg mit 24,7 Prozent und Bayern mit 25 Prozent deutschlandweit am niedrigsten.

Die Barmer benennt unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunden Stress als Faktoren, die zu Bluthochdruck führen können. Wie das Statistische Bundesamt im „Mikrozensus – Körpermaße der Bevölkerung 2017“ aufschlüsselte, liegen die fünf neuen Bundesländer beim Anteil von Übergewichtigen teils deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Ab wann ist der Blutdruck hoch?

Ärzte sprechen von Bluthochdruck und empfehlen eine Behandlung, wenn der untere Wert der Blutdruckmessung dauerhaft höher als 90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) oder der obere Wert langfristig höher als 140 mmHg liegt. Optimale Blutdruckwerte liegen bei 120/80 und niedriger. Werte bis zu 129/84 werden von Medizinern noch als normal betrachtet. Als gerade noch normal gilt ein Blutdruck von 130-139/85-89. In ihrer Blutdruck-Normalwert-Tabelle gibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verbindliche Grenzwerte der Blutdruckmessung an. Dort wird ein Blutdruck von 140-159/90-99 als leichte Hypertonie, Werte von 160-179/100-109 als mittlere Hypertonie und alles was höher als 180/110 liegt, als schwere Hypertonie bezeichnet.

Was ist Blutdruck?

Durch die Aktivität des Herzens entsteht Blutdruck. Bei jedem Herzschlag wird Blut aus dem Herzen in die Blutgefäße gepumpt, das dann von innen Druck auf die Gefäßwände ausübt. Bei jedem Menschen sind dabei gewisse Schwankungen normal. Bei körperlicher Anstrengung und Aufregung steigt der Blutdruck, im Schlaf oder im Ruhezustand sinkt er. Der Körper passt sich an die jeweilige Situation an. Bei gesunden Menschen pendeln sich die Werte nach Anstrengungen von selbst wieder im Normalbereich ein.

Ist der Blutdruck allerdings dauerhaft zu hoch, muss er therapiert werden. Warnsignale wie Ohrensausen, Schwindel, Nasenbluten, Kurzatmigkeit sowie Schmerzen in Brust oder Kopf sollte man daher ernst nehmen und seinen Blutdruck ärztlich kontrollieren lassen. Besonders Menschen im hohen Alter laufen Gefahr, an Hypertonie zu erkranken. Das besagt auch die Auswertung der Barmer.

Demnach dürfte die Volkskrankheit in den kommenden Jahren durch den demographischen Wandel weiter zunehmen. Jetzt aber schon haben nach dem Robert-Koch-Institut drei von vier Menschen, die zwischen 70 und 79 Jahre alt sind, eine Hypertonie. Aber auch bei immer mehr Kindern werden erhöhte Blutdruckwerte festgestellt. Mittlerweile gilt jedes siebte Kind in Deutschland als übergewichtig. 15,4 Prozent der Kinder und Teenager zwischen 3 und 17 Jahren sind zu dick. 5,9 Prozent sind sogar fettleibig. Körperliche Aktivitäten und Normalgewicht sind daher nicht nur für Kinder der wichtigste Schutz vor Bluthochdruck.

Ursachen für Bluthochdruck: Nicht immer hausgemacht

Auch wenn sich die eigentlichen Ursachen für eine Hypertonie noch nicht felsenfest benennen lassen, so herrscht in medizinischen Kreisen doch Einigkeit darüber, dass Wechselwirkungen zwischen Genen, Umwelt und Lebensstil die Wahrscheinlichkeit, an Bluthochdruck zu erkranken, erhöhen können. Dabei gelten genetische Veranlagung, familiäre Häufung von Bluthochdruck, Übergewicht, hoher Salz- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Rauchen und ein höheres Lebensalter (bei Männern ab 55 Jahren, bei Frauen ab 65 Jahren) als Risikofaktoren.

Folge-Krankheiten, die durch Bluthochdruck gefördert werden

Eine leichte Hypertonie bereitet kaum spürbare Beschwerden und bleibt daher im Alltag über eine lange Zeit meist unerkannt. Herrscht im Blutkreislauf des Körpers aber dauerhaft ein zu hoher Druck, erhöht sich auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zudem können Gefäße vorzeitig altern und die Betroffenen an Arteriosklerose (Verengung der Arterien durch Ablagerungen) erkranken. Bluthochdruck gilt neben Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Rauchen und Fettstoffwechselstörungen als wesentlicher Verursacher von Herz- und Kreislauferkrankungen. Wird er nicht behandelt, steigt das Risiko, dadurch schwer zu erkranken, signifikant an.

Bluthochdruck lässt sich behandeln

Wenn ein Betroffener von seinem Bluthochdruck weiß, lässt er sich in der Regel auch behandeln – das soll laut Robert-Koch-Institut bei 88 Prozent der Patienten der Fall sein. Dafür spricht auch der sehr hohe Verbrauch von Arzneimitteln zur Behandlung von Bluthochdruck. Laut Arzneimittel-Atlas summierte sich dieser im Jahr 2017 deutschlandweit auf rund 15,51 Milliarden definierte Tagesdosen (DDD).

Dabei könnte sich schon durch einen anderen Lebensstil Bluthochdruck vermeiden lassen. Etwa durch Abnehmen, gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung. Auch der Verzicht aufs Rauchen sowie Stressabbau durch Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga gelten durchaus als erfolgsversprechende Maßnahmen.

Wenn der Blutdruck hoch und das individuelle Risiko für Folgeerkrankungen groß ist, muss die Behandlung von Hypertonie intensiv durch einen Arzt begleitet werden. Das gilt auch, wenn der Patient ein höheres Alter und eventuell bestehende Grunderkrankungen wie etwa Diabetes mellitus hat.

Die Deutschen Hochdruckliga empfiehlt den Blutdruck auf unter 140/90 mmHg zu senken. Dafür stehen diese fünf Hauptgruppen von Arzneimitteln (Antihypertensiva) zur Therapie gegen Hypertonie zur Verfügung, die zuverlässig den Blutdruck senken und als gut verträglich gelten:
  • ACE-Hemmer
  • AT1-Antagonisten (Angiotensin-Rezeptorblocker, Sartane)
  • Kalzium-Antagonisten
  • Beta-Blocker
  • Diuretika (Entwässerungsmittel)

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