Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird ab 2021 digital

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird ab 2021 digital

In etwa einem Jahr sollen bürokratische Vorgänge deutlich verringert werden. Das ist das Ziel des Dritten Gesetzes zur Entlastung von Bürokratie, das jüngst das Bundeskabinett passierte. Dazu gehört auch die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zum Januar 2021.

Trotz zahlreicher digitaler Prozesse, die ohne den Einsatz von Papier auskommen, sind die Deutschen Spitzenreiter im Pro-Kopf-Verbrauch von Papier, Pappe und Karton. Unter Berufung auf Angaben der Bundesregierung als Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen berichten Medien, dass die Bundesbürger im Jahr 2018 knapp 242 Kilogramm des wertvollen Rohstoffs verbrauchten. Damit landet Deutschland unter den G-20-Ländern auf Platz 1. Die USA folgen mit 211 Kilogramm.

Ein Teil davon könnte demnächst eingespart werden. Denn die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, oder auch „gelber Schein“ genannt, die derzeit laut Techniker Krankenkasse im Jahr bundesweit rund 75 Millionen Mal ausgestellt wird und auf diese Weise rund 225 Millionen bedruckte Blätter produziert, soll komplett durch eine digitale Variante ersetzt werden.

Bereits im Mai 2019 ist dazu das Terminservice- und Versorgungsgesetz des Bundesgesundheitsministeriums in Kraft getreten. Es besagt unter anderem, dass die Kommunikation zwischen Krankenversicherung und Arzt hinsichtlich einer Krankschreibung eines Versicherten ab Januar 2021 digital erfolgen muss.

Krankschreibung nur noch digital übermitteln

Im September 2019 beschloss das Bundeskabinett zusätzlich die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) als Teil des Gesetzes zur Bürokratieentlastung (Drittes Gesetz zur Entlastung von Bürokratie, Bürokratieentlastungsgesetz – BEG III). Insbesondere die mittelständische Wirtschaft ist Ziel dieser Entlastung bürokratischer Vorgänge. Damit soll also der dahinterstehende Aufwand deutlich verringert werden. Zusätzlich könnte zumindest das Papier für Krankschreibungen hierzulande eingespart werden. Ab dem Jahr 2021 soll die eAU sowohl in Richtung Krankenversicherung als auch in Richtung Arbeitgeber vollständig eingeführt sein.

Bislang muss der Arbeitnehmer im Falle einer Erkrankung spätestens am dritten Tag zum Arzt gehen, um einen „gelben Schein“ zur Vorlage beim Arbeitgeber zu erhalten. Manche Unternehmen fordern bereits ab dem ersten Tag ein ärztliches Attest. Der Mitarbeiter bekommt vom Arzt die Krankschreibung in dreifacher Ausfertigung ausgedruckt. Einen Zettel – ohne die Diagnose – muss er zum Arbeitgeber schicken. Den zweiten Durchschlag bekommt seine Krankenkasse und der dritte bleibt bei seinen Unterlagen.

Dieses Vorgehen ist in der digitalen Zeit längst nicht mehr passend und soll daher jetzt vereinfacht werden. Künftig soll dieser Prozess durchweg digital geschehen und kein Papier mehr eingesetzt werden. Sobald die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgefüllt ist, werden die Daten verschlüsselt an die Krankenkasse übermittelt. Daraus wird eine elektronische Meldung erstellt, die der Arbeitgeber, ebenfalls verschlüsselt, abrufen kann.

Viele Vorteile der eAU (elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung)

Neben dem Abbau der Bürokratie und dem Einsparen des Papiers hat die elektronische Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung noch einen weiteren Vorteil: Konflikte, die immer wieder darüber entstehen, ob die Dokumente rechtzeitig beim Arbeitgeber oder – das ist insbesondere wichtig, wenn Krankengeld bezogen wird – bei der Krankenkasse vorlagen, werden so vermieden. Und ganz nebenbei fallen der Weg zu einem Postkasten sowie die Portokosten, die der Arbeitnehmer für die Briefe an Arbeitgeber und Krankenkasse tragen muss, ebenfalls weg.

Der Weg zwischen Arzt und Krankenkasse funktioniert beispielsweise bei der Techniker Krankenkasse bereits. Mit einem Klick kann aus der Praxissoftware der Arztpraxis die Information an die TK geschickt werden. Im September 2017 startete die Hamburger Krankenkasse das Pilotprojekt eAU zunächst in Schleswig-Holstein. Im Juli meldete die TK, dass die 100.000er-Marke der eAU erreicht wurde. Desweiteren sind mittlerweile das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) sowie die Techniker Krankenkasse selbst als Arbeitgeber in dem Projekt eingebunden. Ihre Mitarbeiter müssen den gelben Schein somit schon jetzt nicht mehr persönlich oder per Brief einreichen.

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