Diabetes – was verbirgt sich genau hinter dieser Diagnose?

In Deutschland leiden mehr als 9,5 Millionen Menschen an Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt. Unterschieden wird dabei zwischen Diabetes Typ 1 und Typ 2. Worin genau die Unterschiede zwischen beiden Typen liegen, welche Symptome auf Diabetes hindeuten, welche Behandlungsmethoden es gibt und welche Präventionsmaßnahmen Patienten ergreifen können, erfahren Sie hier.

Bei der im Volksmund auch Zuckerkrankheit genannten Diabetes mellitus liegt per Definition „eine chronische Störung des Blutzuckerstoffwechsels mit eingeschränkter Aufnahme der Körperzellen von Zucker (Glukose) aus dem Blut vor“, wodurch es zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels („Hyperglykämie“) kommt. Diese Überzuckerung schädigt mit der Zeit sowohl Gefäße als auch Organe. Um das zu vermeiden, muss man die Erkrankung frühzeitig erkennen und behandeln. Neben Nerven-, Nieren- und Augenschäden zählen auch Herzinfarkt oder Schlaganfall zu möglichen Folgen der Erkrankung.

Weltweit beträgt die Anzahl der Diabetiker über 460 Millionen Menschen. Mit rund 116 Millionen Diabetikern ist China dabei der weltweite Hotspot der Erkrankung. Wie die International Diabetes Federation in ihrem „Diabetes Atlas“ schätzt, lag die Anzahl der Diabetiker in Deutschland im Jahr 2019 bei rund 9,5 Millionen Menschen – was einem Bevölkerungsanteil von gut 8,5 Prozent entspricht. Der mit Abstand größte Teil der Erkrankten (um 90 Prozent) leidet an Diabetes mellitus Typ 2. Tendenz steigend: In Ihrer Prognose für die Jahre 2030 und 2045 erwartet die International Diabetes Federation eine signifikante Steigerung auf bis zu 16,6 Millionen Diabetiker in Deutschland.

Der Unterschied zwischen Diabetes Typ I und Typ II

Worin unterscheiden sich die beiden Diabetes-Typen? Bei Diabetes Typ I handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das eigene Immunsystem greift Zellen der Bauspeicheldrüse an, wodurch diese zerstört werden. In der Folge kann das Organ nicht mehr ausreichend Insulin produzieren und der Körper den Blutzuckerspiegel nicht mehr regulieren. Der Patient wird insulinpflichtig.
Bei Diabetes Typ 2 handelt es sich um die erworbene Zuckerkrankheit. Hierbei wirkt das Insulin in den Körperzellen nicht mehr richtig. Das kann zum Beispiel passieren, wenn man regelmäßig Lebensmittel isst, die den Blutzuckerspiegel stark und schnell in die Höhe treiben. Das ständig auf die Zellen einströmende Insulin aufgrund der häufigen Blutzuckerspitzen stresst die Zellen. Diese reagieren immer träger auf das Hormon – eine Insulinresistenz entsteht. Dadurch kann nicht genug Zucker aus dem Blut ins Gewebe gelangen – die Zuckerkonzentration im Blut erhöht sich.

Symptome der Diabetes

Neben Müdigkeit, Schwäche und Leistungsminderung, können auch häufiger Harndrang und ein vermehrtes Durstgefühl auf Diabetes hindeuten.

Gleiches gilt auch für:

• Juckreiz
• Häufiges Hungergefühl
• Deutliche Gewichtsveränderungen
• Eine depressive Gemütslage
• Wiederkehrende Harnwegsinfekte
• Schlecht verheilende Wunden

Wer eines oder mehrere dieser Symptome bei sich beobachtet, sollte seinen Arzt zur Überprüfung seiner Blutzuckerwerte aufsuchen. Auch wer Eltern, Großeltern oder Geschwister mit Typ-2-Diabetes hat oder hatte, sollte wegen des erhöhten erblichen Risikos regelmäßig seinen Blutzuckerwert kontrollieren lassen. Während einer Schwangerschaft sind Kontrollen des Blutzuckers ebenfalls sehr wichtig, um einen Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig zu erkennen.

Oft wird eine Zuckerkrankheit nur zufällig festgestellt, da nur leicht erhöhte Blutzuckerwerte über viele Jahre hinweg wenig bis keine Beschwerden verursachen. Das gilt insbesondere für Diabetes mellitus Typ 2. Im Gegensatz zu Typ 1 zeigt die Erkrankung oft weniger typische Symptome auf und wird deshalb in der Regel erst spät entdeckt. Meist liegen zusätzlich noch Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und eine Fettstoffwechselstörung vor.

Wer an Diabetes-Typ-2 erkrankt ist, gewöhnt sich oft an den schleichenden Verlauf. Bis Folgeerkrankungen aufgrund der dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerte eingetreten sind, können teils bis zu zehn Jahre vergehen. Diabetes mellitus Typ 1 kann man hingegen sehr schnell diagnostizieren: Patienten, die daran erkranken, sind überwiegend schlank und die typischen Beschwerden treten bei ihnen sehr plötzlich auf. Symptome wie starker Durst und starker Harndrang in Verbindung mit deutlicher Gewichtsabnahme, Müdigkeit und Schlappheitsgefühl können sich oft schon innerhalb weniger Tage bis Wochen entwickeln.

Diabetes diagnostizieren

Ein erhöhter Zuckerspiegel im Blut, basierend auf einer Insulinresistenz, ist kennzeichnend für eine Diabetes-Erkrankung. Insulinresistenz bedeutet, dass Körperzellen schlechter auf das körpereigene Hormon Insulin ansprechen. Insulin hat die Aufgabe, Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Zellen zu transportieren, was bei einer Insulinresistenz nur noch unzureichend gelingt.

Der Zucker reichert sich deshalb im Blut an. Ab einer bestimmten Blutzucker-Konzentration wird die überschüssige Glukose dann über den Urin ausgeschieden (hierbei wird von einer „Nierenschwelle“ gesprochen). Der zuckerhaltige Harn zieht mehr Wasser als üblich nach, sodass die Betroffenen jetzt wesentlich öfter als früher Wasser lassen müssen. Der Körper gleicht den Flüssigkeitsverlust aus, indem er ein starkes Durstgefühl erzeugt.

Um den Verdacht auf einen Diabetes zu erhärten oder auszuschließen, wird der Blutzuckerwert des Patienten mit der sogenannten Nüchtern-Blutzuckerbestimmung ermittelt.

Nüchtern-Blutzuckerbestimmung:

Dafür darf der Patient acht Stunden vor der immer morgens stattfindenden Blutentnahme keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Allenfalls ungesüßte und kalorienfreie Getränke wie Tee oder Wasser sind erlaubt.
Der Nüchtern-Blutzucker liegt bei gesunden Personen zwischen 65 und 100 Milligramm pro Deziliter (mg/dl). Ein gestörter Zuckerstoffwechsel („Prädiabetes“) liegt bei Werten zwischen 100 und 125 mg/dl vor. Die Diagnose Diabetes mellitus ist erst bei mehrfach gemessenen Nüchtern-Blutzuckerwerten (an verschiedenen Tagen) über 125 mg/dl wahrscheinlich.


Zu den Standardtests auf Diabetes gehört auch eine Urinuntersuchung. Normalerweise ist kein oder kaum Zucker im Urin enthalten, weil die Niere diesen bei der Blutfilterung zurückhält (resorbiert). Ist der Blutzuckerwert aber deutlich erhöht, reicht die Rückresorptionsfähigkeit der Niere nicht mehr aus. Der Urin enthält also Glukose und das Testfeld auf dem Diabetes-Teststreifen verfärbt sich.

Diabetes therapieren

Der Typ-1-Diabetes wird stets mit künstlich hergestelltem Insulin behandelt. Beim Typ-2-Diabetes kommt Insulin erst zur Anwendung, wenn andere Therapieziele durch mehr Bewegung oder Umstellung der Ernährung nicht erreicht wurden, oder die auch oft eingesetzten blutzuckersenkenden Medikamente nicht vertragen werden.

Die Bedeutung von Insulin für die Diabetes-Therapie, spiegelt sich auch im Arzneimittel-Atlas von 2019 wider. Dieser wird vom unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastruktur- und Gesundheitsfragen IGES veröffentlich. Laut der aktuellen Erhebung wurden deutschlandweit rund 2,21 Milliarden definierte Tagesdosen (DDD) an Antidiabetika verbraucht. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Insuline, die nach Wirkdauer (schnell- und langwirkende beziehungsweise Mischinsuline) und nach biochemischen Merkmalen (Human- beziehungsweise Analoginsuline) unterschieden werden.

Diabetes vorbeugen

Um Diabetes Typ 2 vorzubeugen, gibt die Deutsche Diabetes Stiftung (DDS) einige Tipps. Dazu zählt das Abbauen von Übergewicht – der wohl wesentlichste Risikofaktor für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Vor allem ein großer Bauchumfang gilt laut DDS als ein Indiz dafür, dass sich auch um und in inneren Organen Fett angesammelt hat. Insbesondere die Fettleber spielt bei der Entstehung eines Typ-2-Diabetes eine wichtige Rolle.

Weitere wichtige Präventionsregeln sind:

• Mindestens 30 Minuten täglich bewegen
• Auf eine ausgewogene Ernährung mit weniger Fett, Salz und Zucker achten, auf Softdrinks verzichten
• Nicht mehr rauchen, wenig Alkohol trinken
• Ausreichend schlafen, regelmäßig für Entspannung sorgen
• Blutdruck auf normalem Wert halten

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