Warum Pflegeprävention so wichtig ist – für alle Beteiligten

Warum Pflegeprävention so wichtig ist – für alle Beteiligten

In Deutschland sind rund 4 Millionen Menschen pflegebedürftig. 2050 könnten es nach einer Berechnung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung schon 5,4 Millionen sein. Deshalb rückt auch das Thema Pflegeprävention immer stärker in den Vordergrund. Gemeint ist damit die Vermeidung gesundheitlicher Probleme bei Pflegebedürftigen selbst – und auch bei den pflegenden Angehörigen. Worauf es dabei ankommt.

Erfreulicherweise lässt sich der Eintritt von Pflegebedürftigkeit heute durch die sogenannte „primäre Prävention“ länger hinauszögern als noch vor 20 oder 30 Jahren: Die Bedeutung einer gesunden Lebensweise, von Bewegung und ausgewogener Ernährung haben die meisten Menschen mittlerweile erkannt. Auf der anderen Seite dauert die Lebensphase, in der jemand pflegebedürftig ist, immer länger.

Ein Grund dafür ist der medizinische Fortschritt und die damit einhergehende steigende Lebenserwartung. Deshalb wird es für alle Beteiligten immer wichtiger, sich mit dem Thema Pflegeprävention zu beschäftigen.

Pflegeprävention ist nie zu spät

Durch gezielte Maßnahmen kann die gesundheitliche Situation auch von solchen Patienten stabilisiert werden, die bereits pflegebedürftig und/oder chronisch krank sind.

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) nennt als wichtigste Maßnahmen zur Pflegeprävention unter anderem:

  • Bewegungsförderung

Pflegebedürftige sollten animiert werden, möglichst viele Angelegenheiten des Alltags so weit möglich selbst zu erledigen (zum Beispiel Ankleiden, Körperpflege und so weiter). Auch ein leichtes Bewegungstraining ist sinnvoll, etwa ein paar Schritte zu gehen. Hier sollten Pflegende aber vorher unbedingt mit dem Arzt sprechen, was in diesem Bereich möglich ist.

  • Flüssigkeitsmangel vorbeugen

Dehydration kann schwere Gesundheitsschäden zur Folge haben. Pflegebedürftige sollten deshalb angehalten werden, ausreichend zu trinken. Ein festgelegter Trinkplan kann dabei helfen. Auch sollte Tag und Nacht immer ein Getränk bereitstehen. Wasserreiche Lebensmittel wie Gurken, Obst und Suppen unterstützen den Schutz vor Flüssigkeitsmangel.

  • Hygienemaßnahmen

Nicht nur in Corona-Zeiten sind vor allem ältere Menschen einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Sorgfältiges Händewaschen nach jeder Berührung mit Gegenständen, auf denen sich Keime befinden könnten, gehört zu den elementaren Schutzmaßnahmen. Ebenso wichtig ist es, Bettwäsche (mindestens alle zwei Wochen) und Handtücher (zweimal wöchentlich) zu wechseln und auf einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln zu achten.

  • Soziale Kontakte

Die Einbindung in ein soziales Netz stärkt die geistigen und physischen Fähigkeiten von Pflegebedürftigen. Regelmäßige Besuche von Bekannten und Verwandten oder – falls nicht vorhanden – auch von ehrenamtlichen Helfern sind sehr wichtig. Wenn möglich sollten regelmäßige, gemeinsame Ausflüge unternommen werden, und sei es nur ein kurzer Spaziergang oder ein Besuch im Café.

Wer Pflegebedürftige betreut, sei es als Angehöriger in häuslicher Krankenpflege oder als Pflegeprofi in einem Heim, ist psychisch und körperlich stark gefordert. Für sie kommt es laut ZQP vor allem darauf an, Überlastungen zu vermeiden. Erste Warnzeichen wie Schlafstörungen, Verspannungen, Magen-Darm-Probleme, Niedergeschlagenheit oder Gereiztheit sollte man unbedingt ernst nehmen.

Pflegeberatung

Experten raten außerdem dazu, die in Deutschland kostenlose Pflegeberatung zu nutzen. Sie kann bei der Pflegeversicherung beantragt werden. Hier erfahren Angehörige auch, wie sie in ihrer individuellen Situation durch Pflegeprävention entlastet werden können, etwa durch Hilfsangebote der ambulanten Pflege.

Oberster Grundsatz:

Alle Pflegenden sollten immer auch auf die eigene Gesundheit achten und die eigenen Grenzen ausloten. Im Zweifel ist es besser, Aufgaben abzugeben – für alle Beteiligten.

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