Zahlt eine Krankenhauszusatzversicherung für jedes Krankenhaus?

Zahlt eine Krankenhauszusatzversicherung für jedes Krankenhaus?

Wer gesetzlich versichert ist, sollte ein Krankenhaus in der Umgebung des eigenen Wohnortes aufsuchen. Eine private Zusatzversicherung bietet wesentlich mehr Wahlfreiheit, doch auch hier kann es Einschränkungen geben.

Immer mehr Kliniken haben sich auf bestimmte Erkrankungen spezialisiert oder genießen in bestimmten Fachbereichen einen besonders guten Ruf. Wer sich einem Eingriff unterziehen muss, informiert sich meist entsprechend und entscheidet dann gern selbst, in welchem Krankenhaus die Behandlung stattfinden soll. Bei gesetzlich Versicherten sind die überweisenden Ärzte indes laut Paragraf 39 II Sozialgesetzbuch V angewiesen, das nächstgelegene geeignete Krankenhaus für die Behandlung zu wählen. Erfüllen mehrere Kliniken diese Vorgabe, kann der Arzt dem Versicherten auch mehrere Alternativen anbieten.

Manche gesetzlichen Krankenkassen gewährleisten ihren Versicherten zudem eine freie Auswahl unter allen Vertragskrankenhäusern der gesetzlichen Krankenversicherung. Privatkliniken fallen nicht darunter. Die freie Krankenhauswahl ist für Kassenpatienten demnach unter der Vorgabe von Effektivität und Kostenersparnis begrenzt.

Bei freier Krankenhaus Wahl drohen theoretisch Mehrkosten

Wenn ein Patient von dieser Regelung abweicht und eine andere Klinik wählt, dürfen die gesetzlichen Krankenkassen eventuelle Mehrkosten ganz oder teilweise im Nachgang einfordern. Faktisch geschieht dies in der Praxis aber in den letzten Jahren kaum noch. Denn seit 2004 ist die Abrechnung nach Fallpauschalen verbindlich für alle Krankenhäuser, die somatische (körperliche) Leiden behandeln. Das bedeutet, dass sich die Kosten etwa für eine Blinddarmentfernung oder eine Bypass-OP in allen Kliniken, die gesetzlich Versicherten offenstehen, ungefähr auf dem gleichen Niveau bewegen. Folglich fallen in der Regel keine relevanten Mehrkosten an, wenn der gesetzlich Versicherte die Vorgabe missachtet.

Die privaten Krankenzusatzversicherungen werben hingegen mit komplett freier Wahl sowohl des Krankenhauses als auch des behandelnden Arztes. Laut Paragraf 4 Absatz 4 der MB/KK 2009 (den aktuell gültigen Musterbedingungen der PKV) hat ein privat Versicherter bei einer medizinisch notwendigen und stationären Heilbehandlung „die freie Wahl unter den öffentlichen und privaten Krankenhäusern, die unter ständiger ärztlicher Leitung stehen, über ausreichende diagnostische und therapeutische Möglichkeiten verfügen und Krankengeschichten führen“.

PKV benötigt meist Deckungszusage bei gemischten Anstalten

Allerdings gibt es hier Ausnahmen für die sogenannten gemischten Anstalten . Darunter versteht man Krankenhäuser, die neben der akuten Versorgung von Patienten auch Reha-Maßnahmen oder Kur- und Sanatoriums-Behandlungen anbieten. Von den insgesamt rund 6.000 Krankenhäusern in Deutschland sind rund 660 gemischte Krankenanstalten.

Privat Versicherte sollten daher vor einer stationären Behandlung in einer gemischten Anstalt eine Deckungszusage ihres Krankenversicherers einholen. Geschieht dies nicht, zum Beispiel aus Unkenntnis oder weil der Versicherte nach einem Unfall in die nächstgelegene gemischte Anstalt eingeliefert wird, kann die private Kasse die Leistungsübernahme verweigern. PKV-Versicherte sollten daher die Musterbedingungen zu ihrer Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung überprüfen. Manche Anbieter haben die Bedingungen bereits insoweit ergänzt, dass eine schriftliche Leistungszusage nicht mehr erforderlich ist.