Verhaltensbasierte Tarife: Wie Krankenversicherer ihre Kunden belohnen

Verhaltensbasierte Tarife: Wie Krankenversicherer ihre Kunden belohnen

Immer mehr deutsche Krankenversicherer gehen dazu über, ihre Mitglieder für eine gesunde Lebensführung zu belohnen. Versicherte, die regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen gehen oder sportlich aktiv sind, können mit Beitragsrabatten, Sachprämien, Boni und anderen Vergünstigungen rechnen. Doch lohnt es sich für Versicherte, in einen verhaltensbasierten Tarif zu wechseln? Ein Überblick.

31 Prozent der deutschen Krankenversicherer bieten verhaltensbasierte Tarife an oder wollen sie in Zukunft als Ergänzung zum bestehenden Tarifsystem einführen. Das geht aus einer Marktstudie des Sachverständigenrates für Verbraucherfragen (SVRV, Berlin) aus dem Jahr 2018 hervor.

Der Markt dafür ist da:

Etwa einem Drittel der Bundesbürger gefällt die Idee, für gesundheitsförderndes Verhalten von der Krankenversicherung belohnt zu werden. Sie stehen verhaltensbasierten Tarifen positiv gegenüber, ergab eine weitere repräsentative SVRV-Umfrage.

Wer gesund lebt, spart Geld

Der Ansatz verhaltensbasierter Tarife ist einfach: Wer gesund lebt und regelmäßig für Früherkennungsuntersuchungen und Check-ups zum Arzt geht, bleibt tendenziell länger von Krankheiten verschont und hilft seiner Krankenversicherung dabei, Behandlungskosten zu sparen. Die Gesellschaften geben einen Teil dieser Ersparnis an die Versicherten zurück. In diesem Modell profitieren somit Anbieter und Versicherte gleichermaßen. Für beide Seiten zahlt sich Gesundheitsprävention aus.

Versicherte profitieren sogar doppelt. Die Aussicht auf Vergünstigungen stärkt die Motivation, mehr auf die eigene Gesundheit zu achten und den individuellen Lebensstil zu verbessern. Auf diesem Weg bieten verhaltensbasierte Tarife indirekt einen gesundheitlichen Nutzen, sagen die Befürworter.

Verhaltensbasierte Tarife: Das bieten die Krankenversicherer

Eine Reihe großer privater und gesetzlicher Krankenversicherer bietet ihren Mitgliedern mittlerweile verhaltensbasierte Tarife an. So hat beispielsweise die DKV eine Aktiv-Prämie im Angebot und unterstützt Versicherte durch einen Zuschuss für einen Fitnesstracker. Die Allianz bietet einen Zusatz-Versicherungsbaustein für sportlich Aktive an. Bei AOK, Techniker Krankenkasse und Barmer können aktive Mitglieder Punkte sammeln und profitieren über ein Bonusprogramm.

Bei einigen Gesellschaften können sich die jährlichen Vergünstigungen für Versicherte auf mehrere 100 Euro addieren. Doch nicht immer lässt sich der Mehrwert genau beziffern, vielfach ist der finanzielle Nutzen eher gering.

Im Gegenzug für Vergünstigungen durch verhaltensbasierte Tarife müssen die Versicherten teils sensible persönliche Daten preisgeben. So zeichnen Fitnesstracker, Apps oder Smart Watches Gesundheitsdaten auf. Von Interesse sind hier beispielsweise Daten wie Blutdruck, Schlafverhalten oder sportliche Aktivitäten wie die tägliche Schrittzahl.

Bonuspunkte für Blutspender

All das geschieht freiwillig. Wer keinen verhaltensabhängigen Tarif wünscht, muss keinen höheren Beitrag zahlen oder andere Nachteile fürchten. Das Modell basiert ausschließlich auf dem Belohnungsprinzip und kann sich für all die Versicherten rechnen, die aktiv auf ihre Gesundheit achten und Gesundheitsprävention betreiben.

Neben Bedenken bezüglich der Sicherheit persönlicher Daten von Versicherten und der Sorge vor permanenter Überwachung hat eine Reihe verhaltensbasierter Tarife noch andere Schwächen. Einige Krankenversicherer belohnen auch Aktivitäten, die keinerlei gesundheitlichen Nutzen haben. So können Versicherte Bonuspunkte sammeln, indem sie Blut spenden, gemeinnützige Arbeit verrichten, an Erste-Hilfe-Kursen teilnehmen, eine Patientenverfügung hinterlegen oder sich als Organ- oder Knochenmarkspender registrieren lassen. All das ist zwar gesellschaftlich wünschenswert. Doch bringt es keinerlei positive Gesundheitseffekte, wohl aber finanzielle Vorteile für Versicherte.