Altersrückstellung in der Privaten Krankenversicherung

Mit zunehmendem Alter steigt das individuelle Risiko, mehr medizinische Leistungen in Anspruch nehmen zu müssen. Während in der gesetzlichen Krankenversicherung die Jüngeren für die Älteren mit zahlen, spart die private Krankenversicherung (PKV) für jedes Mitglied ein Polster an, damit die Beiträge auch im Alter bezahlbar bleiben und das Versichertenkollektiv geschützt wird: die sogenannten Altersrückstellungen oder auch Alterungsrückstellungen. Erfahren Sie wie hoch diese sind und wie genau sie den Beitrag im Alter entlasten.

Das Wichtigste zur Altersrückstellungen auf einen Blick:

  • Altersrückstellungen, auch Alterungsrückstellungen, dienen dazu, die höheren Behandlungskosten älterer Mitglieder zu finanzieren.
  • Für die Bildung von Altersrückstellungen in der PKV gibt es gesetzliche Regelungen. Private Krankenversicherungen sind gesetzlich dazu verpflichtet, diese zu bilden.
  • Wer in eine andere PKV wechselt, kann einen Teil des angesparten Geldes mitnehmen, wenn der Vertrag bei der alten Gesellschaft frühestens 2009 abgeschlossen wurde.
  • Um Verluste der Altersrückstellungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, vor einem Versicherungswechsel erst einen Wechsel in einen anderen Tarif beim aktuellen Anbieter zu prüfen.

Was sind Altersrückstellungen in der privaten Krankenversicherung?

Die private Krankenversicherung kalkuliert ihre Beitrage nach versicherungsmathematischen Gesichtspunkten. Da die Versicherten mit zunehmendem Lebensalter einem immer höheren Erkrankungsrisiko unterliegen und sich damit die Behandlungskosten erhöhen, müssten die PKV-Beiträge im Alter deutlich ansteigen. Um das zu verhindern, spart die PKV während der gesamten Vertragslaufzeit festverzinsliche Rücklagen an – die sogenannten Altersrückstellungen. Diese wird genutzt, um höhere Ausgaben älterer Kunden und Kundinnen zu decken.

Seit dem 1. Januar 2000 gilt bezüglich der Altersrückstellungen eine verbindliche gesetzliche Regelung. Nach dieser müssen die PKV einen Beitragszuschlag erheben, dessen Gegenwert für die Bildung der Rücklage zu verwenden ist. Berechnet wird der Zuschlag für Versicherte ab dem 22. Lebensjahr bis zum 61. Geburtstag. Nach dem 65. Lebensjahr muss die Versicherung die Altersrückstellungen einschließlich Zins und Zinseszins für die Beitragsentlastung einsetzen.

Ab dem 80. Lebensjahr sollen die PKV noch nicht verwendete Rückstellungsmittel zur Beitragssenkung nutzen. In der Praxis kommt es jedoch häufig nicht dazu, da ausbleibende Zinserwartungen und steigende Ausgaben dies verhindern. Folglich können sich die Beiträge trotz Altersrückstellungen weiter erhöhen.

Zusatz-Tarife ohne Altersrückstellungen

Altersrückstellungen werden auch bei Zusatzversicherungen gebildet. Im Unterschied zur Vollversicherung existieren hierfür keine gesetzlichen Vorgaben. Am Markt gibt es Tarife mit und ohne Altersrückstellungen.

Tarife ohne Rückstellungen wirken auf den ersten Blick preiswerter, da die Versicherungsbeiträge niedriger ausfallen. Allerdings steigen die Beiträge im Laufe der Zeit stärker an als bei Tarifen mit Rückstellungen. Bevor Sie sich für einen besonders günstigen Tarif entscheiden, sollten Sie die jeweiligen Konditionen unbedingt einer genauen Prüfung unterziehen.

Wie hoch sind die Altersrückstellungen in den Tarifen der PKV?

Der Staat schreibt einen Aufschlag von mindestens zehn Prozent des Monatsbeitrags vor. Die tatsächliche Höhe der zusätzlichen Rückstellungen hängt vom Versicherer und vom Tarif ab. Zur Berechnung nutzen die PKV eine mathematische Formel, in die zum Teil auch das exakte Eintrittsalter, der Sparanteil pro Jahr sowie der Zinssatz einfließen.

Je früher der Wechsel in die PKV erfolgt desto besser

Je später Sie in die private Krankenversicherung wechseln, desto höher ist der Rückstellungsanteil. Das liegt daran, dass weniger Zeit bleibt, um die Altersrückstellungen anzusparen.

Zusätzlich zur gesetzlichen Altersrückstellung bieten die PKV sogenannte Beitragsentlastungstarife an. Bei diesen legen die Versicherten einen Sparanteil zurück, der im Alter zur Stabilisierung der Beiträge dient. Im Gegensatz zur Rückstellung werden hierbei die Höhe der Rücklagen und der Auszahlungstermin individuell festgelegt. Damit ist diese Variante deutlich flexibler als die Altersrückstellungen.

Was macht die PKV mit den Altersrückstellungen?

Die PKV dürfen die angesparten Beitragsanteile nicht nach Gutdünken verwenden. Sie sind verpflichtet, sie verzinslich anzulegen und dafür zu nutzen, spätere Beitragserhöhungen abzufangen. Die erwirtschaftenden Zinsen müssen sie ebenfalls den Versicherten gutschreiben.

Der Rechnungszins für die Rückstellungsbildung darf laut Krankenversicherungsaufsichtsverordnung (KVAV) maximal 3,5 Prozent betragen. Angesichts der allgemeinen Zinsentwicklung wird derzeit jedoch mit niedrigeren Zinsen kalkuliert. Damit sinken die Zinserträge. Geringere Rechnungszinsen wirken sich auch auf die Beiträge aus, da ein höherer Beitragsanteil für die Rückstellung erforderlich ist.

Zwar lösen Änderungen bei den Rechnungsgrundlagen für Altersrückstellungen nicht direkt Anpassung der Beiträge aus, jedoch können sie sich auswirken, wenn eine Beitragsanpassung aus anderen Gründen nötig wird.

Versicherungsinfo: Zusätzliche Zinserträge werden als Beitragsentlastung genutzt

Übersteigt die Verzinsung der Anlagen am Kapitalmarkt den Rechnungszins, können die PKV zusätzliche Erträge aus „Überzinsen“ erwirtschaften. Diese müssen sie mehrheitlich ebenfalls den Rückstellungen zuführen und für Beitragsentlastungen im Alter nutzen.

Die Nutzung der Altersrückstellungen in der PKV unterliegt Regelungen. Sie ist durch das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) geregelt. Gemäß diesem muss die private Krankenversicherung die angelegten Summen komplett und abzugsfrei verwenden, um etwaige Beitragserhöhungen abzufedern.

Hoehe Beitraege und Gesundheitsausgaben
Gesundheitskosten und Höhe der Beiträge zur PKV

Wann gehen die gezahlten Altersrückstellungen verloren?

Wollen Sie Ihren Versicherungsvertrag kündigen oder beenden, können die angesparten Altersrückstellungen teilweise oder vollständig verfallen. Hierbei sind drei Situationen zu unterscheiden:

Szenario 1: Wechsel in GKV

Da es in den gesetzlichen Krankenkassen keine Altersrückstellungen gibt, verbleibt die gesamte Summe bei einem Wechsel beim privaten Versicherer. Die Rücklagen kommen denen zugute, die weiterhin privat abgesichert sind. Eine Auszahlung der Altersrückstellungen ist grundsätzlich nicht möglich.

Zusatzinfo: Müssen Sie Ihren Versicherungsschutz in der PKV temporär aufgeben, beispielsweise, weil Sie versicherungspflichtig in der GKV werden oder vorübergehend ins Ausland ziehen, wo Sie sich im jeweiligen System krankenversichern, sollten Sie über eine Anwartschaftsversicherung nachdenken. Hiermit bleiben Ihnen alle Rechte und Pflichten aus Ihrem Versicherungsvertrag erhalten, auch wenn Sie zwischenzeitlich in der GKV oder im Ausland versichert sind. Sobald Sie in die private Krankenversicherung zurückkehren, wird Ihr bisheriger Vertrag fortgesetzt. Eine erneute Gesundheitsprüfung ist dafür nicht erforderlich.

Unterschieden wird zwischen der kleinen und der großen Anwartschaft. Erstere friert lediglich Ihren Gesundheitszustand ein, während Letztere auch das ursprüngliche Eintrittsalter beibehält. Die bereits gebildete Altersrückstellungen bleibt Ihnen ebenfalls erhalten. Die große Anwartschaft ist zwar teurer, zahlt sich jedoch in Zukunft aus. Zu empfehlen ist sie vor allem für Versicherte, die sich in einem fortgeschrittenen Alter befinden oder schon erhebliche Rückstellungen angespart haben.

Verzichten Sie auf die Anwartschaft, fangen Sie bei einer Rückkehr in die private Krankenversicherung mit dem Ansparen der Altersrückstellungen wieder bei null an.

Versicherungstipp:

Wechseln Sie von der PKV in die GKV, möchten aber bei ihrer privaten Krankenversicherung eine Zusatzversicherung (z. B. Krankenhauszusatzversicherung oder Zahnzusatzversicherung) abschließen, kann die Altersrückstellung auf diese angerechnet werden, sodass Ihre dafür geleisteten Zahlungen nicht umsonst waren.

Szenario 2: Wechsel der PKV

Vorausgesetzt, Sie sind gesund und es gibt keine Probleme mit der Gesundheitsprüfung, können Sie jederzeit den Versicherer wechseln. Zu empfehlen ist ein Anbieterwechsel jedoch nur in den seltensten Fällen. Grund ist, dass die Altersrückstellungen größtenteils verloren gehen würden. Eine Mitnahme ist grundsätzlich nur für Rückstellungen möglich, die nach dem 1. Januar 2009 angespart wurden. Vor diesem Stichtag gebildete Sparanteile verfallen komplett.

Wechseln Sie zu einem anderen PKV-Anbieter, muss Ihr bisheriger Versicherer die Altersrückstellung teilweise an die neue Gesellschaft übertragen, jedoch nur auf Grundlage des Basistarifs. Waren Sie vorher in einem umfangreicheren Tarif versichert, müssen Sie sich auf erhebliche Einbußen einstellen.

Gemeinhin lohnt sich ein Anbieterwechsel nur für jüngere oder erst kurzzeitig Privatversicherte. Um den Verlust bei der Altersrückstellungen wettzumachen, muss der neue Tarif bei einem anderen Anbieter einen deutlichen Mehrwert erbringen.

Szenario 3: Tarifwechsel innerhalb der PKV

Eine bessere Alternative zum Wechsel in eine andere private Krankenkasse ist in aller Regel ein interner Tarifwechsel. Hierbei wechseln Sie innerhalb ihrer aktuellen PKV in einen anderen Tarif. Nach § 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) muss Ihr Versicherer Ihnen diese Möglichkeit anbieten – ohne zusätzliche Kosten. Sofern der neue Tarif dieselben oder geringere Leistungen als der bisherige vorsieht, profitieren Sie von diesen Vorteilen:

  • Eine schon gebildete Altersrückstellungen bleiben erhalten.
  • Sie müssen keine Gesundheitsprüfung absolvieren.
  • Es gibt keine Wartezeiten.

Wechseln Sie hingegen in einen besseren Tarif, müssen Sie mit einer erneuten Gesundheitsprüfung und Wartezeiten rechnen. Die Rückstellungen werden aber auch hier voll angerechnet.

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Wie und ab wann entlasten Altersrückstellungen den Versicherungsbeitrag im Alter?

Ist im Versicherungsvertrag nichts anderes vereinbart, profitieren Sie ab dem 65. Lebensjahr von ersten Beitragsanpassungen. Nach Vollendung des 80. Lebensjahres muss die PKV verbleibende Sparanteile zur Senkung der Beiträge aufwenden.

Diese Beitragskomponenten entfallen bei älteren Versicherten:

  • ab dem 60. Lebensjahr: der Zehn-Prozent-Zuschlag für die Altersrückstellung,
  • mit Eintritt ins Rentenalter: der Beitragsanteil für Krankentagegeld.

Die Kalkulation der Versicherungsbeiträge und der Altersrückstellungen erfolgt anhand einer Prognose über die zukünftige Entwicklung. Hierbei kommen Wahrscheinlichkeitstafeln und statistische Daten wie Krankheitsrisiken und Sterblichkeit zum Tragen, die zum Zeitpunkt der Kalkulation vorliegen. Die Rechnungsgrundlagen werden ständig beobachtet und bei Bedarf angepasst.

Eine steigende Lebenserwartung bewirkt, dass medizinische Versorgungsleistungen länger in Anspruch genommen werden. Im Alter treten häufig mehrere Krankheiten gleichzeitig auf. Damit steigen auch die Komplexität und die Kosten der Behandlungen, wodurch sich wiederum die Krankheitskosten erhöhen. Das kann dazu führen, dass die Altersrückstellungen nicht mehr ausreicht, um den Anstieg der Beiträge im Alter zu vermeiden.

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Fazit: Früher Wechsel in die PKV bietet Vorteile für die Altersrückstellungen

Mit der gesetzlich vorgeschriebenen Altersrückstellungen in der PKV wurde ein effektives Instrument geschaffen, um steigende Versicherungsbeiträge im Alter weitgehend zu vermeiden. Das erhöht die Planungssicherheit für die Versicherten und gewährleistet, dass die Beiträge auch im Rentenalter bezahlbar bleiben.

Aufpassen sollten Sie, wenn Sie die Versicherung wechseln möchten. Beim Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung geht Ihnen die Altersrückstellung komplett verloren. Entscheiden Sie sich für einen anderen PKV-Anbieter, verlieren Sie alle vor dem 1. Januar 2009 angesparten Summen. Von den später gebildeten Rückstellungen können Sie nur so viel mitnehmen, wie dem Basistarif entspricht. Die bessere Lösung ist deshalb meist der Umstieg in einen anderen Tarif Ihrer aktuellen Versicherung, bei dem Ihnen die volle Altersrückstellung erhalten bleibt.

Aufgrund des Zinseffekts sind die individuellen Rücklagen umso größer, je früher der Eintritt in die PKV erfolgt. Zudem beschränken sich die Gesellschaften bei jüngeren Versicherten meist auf den gesetzlich vorgeschriebenen Zuschlag von zehn Prozent. Entscheiden Sie sich erst später für einen Wechsel in die private Krankenkasse, fällt der Zuschlag üblicherweise höher aus, da Ihnen weniger Zeit zum Ansparen der Alterungsrückstellungen bleibt.

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