Zu den häufigsten Fragen zur privaten Krankenversicherung gehört jene, wie eigentlich die Voraussetzungen zum Wechsel in die private Krankenversicherung von der gesetzlichen Krankenversicherung lauten? Die Antwort darauf erhalten Sie hier.

Angesichts der Unterschiede, die die Leistungskataloge in der privaten und der gesetzlichen Krankenversicherung aufweisen, überrascht es nicht, dass sich manch einer fragt: Wann kann ich eigentlich in die private Krankenversicherung wechseln? Was sind die Voraussetzungen zum Wechsel in die private Krankenversicherung? Um diese Fragen zu beantworten, muss zunächst die in Deutschland herrschende Krankenversicherungspflicht berücksichtigt werden.

Die Paragrafen 5 bis 8 des Fünften Sozialgesetzbuches (SGB V) regeln sowohl die Versicherungspflicht als auch die Befreiung von dieser Verpflichtung. Als versicherungsfrei gelten demnach insbesondere:

  • Angestellte, deren Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG oder auch Versicherungspflichtgrenze) liegt (für 2019 liegt sie bei 60.750,00 Euro und wird regelmäßig gesteigert) (zur KV-Fux-Checkliste für Arbeitnehmer geht’s hier).
  • Beamte, Richter, Soldaten auf Zeit sowie Soldaten der Bundeswehr, sonstige Beschäftigte etwa des Landes, einer Gemeinde oder von öffentlich-rechtlichen Körperschaften (zur KV-Fux-Checkliste für Beamte geht’s hier)
  • Lehrer, die an privaten genehmigten Ersatzschulen hauptamtlich beschäftigt sind. Die nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen bei Krankheit Anspruch auf Fortzahlung der Bezüge und auf Beihilfe haben
  • Studenten (mindestens 30 Jahre alt oder wenn sie sich von der Versicherungspflicht haben befreien lassen)
  • Selbstständige und Freiberufler (mit Ausnahme beispielsweise von Künstlern, Journalisten, Fotografen oder Landwirten)
  • Personen ohne eigenes Einkommen oder mit einem Einkommen unter der Geringfügigkeitsgrenze von aktuell 450 Euro im Monat.

Insbesondere für wechselwillige Arbeitnehmer ist entscheidend, wie sich das notwendige Einkommen überhaupt ermitteln lässt. Welche Bestandteile dazu gehören und eine Definition des Begriffs Arbeitsentgelt, ist im Paragraf 14 des Vierten Sozialgesetzbuches zu finden.

Jahresarbeitsentgelt

Grundsätzlich zählen zum Jahresarbeitsentgelt das laufend gezahlte Arbeitsentgelt sowie einmalig gezahlte Bezüge. Dabei ist es unerheblich, ob ein Rechtsanspruch darauf besteht. Ebenfalls darunter fallen Beträge, die durch Entgeltumwandlung für die betriebliche Altersversorgung bei einer Direktzusage oder der Unterstützungskasse Verwendung finden, wenn sie 4 Prozent der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze übersteigen. Auch die Zahlung von vermögenswirksamen Leistungen wird hinzugerechnet oder die Vergütung für vertraglich vorgesehene Bereitschaftsdienste. Nicht als Bestandteil des Arbeitsentgelts gelten dagegen beispielsweise Zuschläge, mit der Zahlung auf Rücksicht des Familienstandes sowie die Vergütung von Überstunden.

Bekommt ein Arbeitnehmer aus mehreren Beschäftigungen seinen Lohn oder sein Gehalt, werden diese zusammengerechnet. Ist ein Job die Hauptbeschäftigung und ein weiterer eine geringfügige Beschäftigung, findet das Einkommen aus dem Zweiten keine Anrechnung. Grundsätzlich findet das Einkommen aus dem ersten 450-Euro-Job keine Berücksichtigung. Erfolgt die nebenberufliche Erwerbstätigkeit auf selbstständiger Basis, kann das daraus erzielte Einkommen ebenfalls nicht hinzu addiert werden.

Befreiung Krankenversicherungspflicht

Sobald der Arbeitnehmer die JAEG überschreitet, kann er sich von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen. Dazu muss er einen Antrag innerhalb von drei Monaten nach Eintritt dieser Voraussetzung bei seiner Krankenkasse stellen. Die Befreiung erfolgt ab Beginn der Versicherungsfreiheit. Die Voraussetzung ist allerdings, dass er zu dem Zeitpunkt noch keine Leistungen in Anspruch genommen hat. Zudem muss der Arbeitnehmer nachweisen, dass er anderweitig gegen Krankheit versichert ist.

Angestellte, die nicht voll erwerbstätig während einer Elternzeit sind, können sich ebenfalls, jedoch nur für die Dauer der Elternzeit, von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen. Gleiches gilt für Mitarbeiter, die ihre regelmäßige Wochenarbeitszeit reduziert haben, um einen Angehörigen zu pflegen. Auch sie können sich für diese Zeitspanne von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen.

Lag das Einkommen des Angestellten bereits vor der Eltern- oder Pflegezeit mindestens fünf Jahre über der JAEG, und verringert er im Anschluss an die Elternzeit seine Arbeitszeit auf mindestens die Hälfte der Wochenarbeitszeit vergleichbarer Vollbeschäftigter im Unternehmen, gilt ebenfalls die Möglichkeit zur Befreiung und eine private Absicherung wird möglich.